Börkel und Dierkes haben den Bogen raus

Pfeil und Bogen.
Pfeil und Bogen.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Voerde. Die Voerder stellen echte, wettbewerbsfähige Unikate her. Präzissionssportart wird immer beliebter.

Der Sohn war gerade fünf Jahre alt, die zweite Tochter schon da. Klaus Dierkes war als zweifacher Vater mit der Kinderbetreuung beauftragt, saß am Sandbecken, und da kam ihm die Idee, die ihn über zwei Jahrzehnte beschäftigen würde. Als Naturfotograf gab es für den Voerder am Sandkasten nichts zu tun, außer vielleicht die eigenen Kinder zu belichten. „Da hab ich mir gedacht: Ich baue mal einen Bogen.“ Und Klaus Dierkes baute, baute und baute noch zwanzig Jahre. Dierkes ist im positiven Sinne nicht der einzige Verrückte. Gleich in der Nachbarschaft wohnte Herbert Börkel. Beim BSV Friedrichsfeld sind die Holzbogen-Spezialisten zu acht. Börkel behauptet: „Der traditionelle Bogensport ist total im Kommen.“ Grund dafür sei die Sportart Parcours.

Ausgebreitet auf einem beigen Tuch liegen vor Klaus Dierkes ein Dutzend kleiner Steine, die zu Pfeilspitzen zurecht gemacht sind, darunter auch Feuersteine aus Dänemark. Auf der Werkbank des Bogenfreundes Herbert Börkel schließt sich eine 14 000 Jahre alte Geschichte. Das Jagen mit Pfeil und Bogen ist eine der ältesten Methoden des Menschen. Damals noch überlebenswichtig, um Nahrung für die Familie zu gewinnen, später im Krieg, um den Feind zu treffen, bevor er einen selbst trifft. Heute ist das Bogenschießen ein reiner Sport, das Jagen mit Bogen in Deutschland gesetzlich nicht erlaubt. An ihrer Faszination hat die Jagdmethode nichts eingebüßt.

60 Stunden Bauzeit

„Für mich war der Anreiz überhaupt mit dem Bogenschießen anzufangen, dass man in den Wald gehen kann und dort alles für den Bogen findet“, erklärt Dierkes, der in seiner Sammlung Bogen hat, die komplett aus der Natur gewonnen werden. Die Achillessehne vom Strauß oder Knochen und Haut als Leim finden ihre Verwendung. Ein gutes Holz wie das amerikanische Osage kann man in Nebraska für cirka 110 Euro kaufen, oder auch heimische Hölzer wie das der Ulme verarbeiten. Bevor der Bogen am sogenannten Tillerbrett konzipiert werden kann, muss das Holz zwei Jahre lang trocknen, bis es einen Wasseranteil von zehn bis 15 Prozent hat. Ist das Holz gereift, wird mit einem Ziehmesser der Stamm in Form geschnitzt, immer mit Rücksicht auf die Maserungen und Lebensringe des Baumes. „Die Form gibt der Baum vor. Deshalb muss man den Stamm lesen“, sagt Herbert Börkel. Das kann seine Zeit dauern, mit irritierten Blicken der Frau sei zu rechnen. Ein Amateur kann für einen Bogen 60 Stunden verbrauchen. Was dabei herauskommt, sind echte Unikate, die mal gewunden sein können oder von asketischer Reinheit, je nach Farbe und Form des Holzes. Dasselbe gilt für die aus Fichte oder Tanne hergestellten Pfeile, die als noch komplizierter angesehen werden. Der Primitiv-Bogen sei „die Königsklasse. Kein Holzpfeil ist wie der andere“, sagt Dierkes und das mache jeden Schuss zu einem einzigartigen. Im Vergleich zu den modernen Compoundbogen oder den olympischen Recurve-Bogen, bei denen Carbon-Pfeile zum Einsatz kommen, stehen die Puristen des Bogensports im Nachteil. Eine einzelne Wettkampfklasse haben die Primitiv-Bogenschützen nicht. Sie starten in der Klasse der Blankbogen und müssen sich gegen ihre technisierten Brüder behaupten.

In Friedrichsfeld hat die Autodidakten-Gruppe – sie haben keinen Trainer – bis vor einem Jahr hauptsächlich auf Scheiben geschossen. Am Ende der großen Wiese richteten die Bogenschützen im Vorjahr inspiriert durch andere Beispiele in Rhede, Gütersloh und Hagen einen eigenen Parcours ein. 14 Gummitiere stehen nun leblos in der Gegend herum und warten auf den tödlichen Schuss. Je nach Treffer wird nachher abgerechnet. Selbst die modernen Schützen sollen hin und wieder vorbeikommen. Börkel, der vor fünf Jahren in einer Jugendherberge in Hankensbüttel seinen ersten Bogen bastelte, ist überzeugt, dass darin eine große Chance liegt. Der Bogensport sei dadurch etwas für die ganze Familie geworden.

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