Trockenübungen

Detlev Seyb

Die Kältefront hat jetzt auch endgültig das Revier überzogen, doch viele Ruderer bringt das zumindest an diesem Wochenende noch nicht aus dem Takt. Insgesamt 887 Athleten aus 108 Vereinen lassen nämlich ihre Boote in den trockenen Hallen und flüchten in die warme Stube. Sonntag steht das Finale um die Deutsche Ergometermeisterschaft in Essen-Kettwig an.

Eine Veranstaltung, die dem Ruderverein Rauxel in den vergangenen Jahren schon etliche Erfolge einbrachte und oftmals die Durchgangsstation zur Trockenruder-Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Boston war. Diesmal wird es nicht so sein. Malte Jakschik, vergangenes Jahr mit einer Junior-Traumzeit von unter sechs Minuten qualifiziert und in Boston mit WM-Silber dekoriert, wird hier 2012 fehlen.

Wie viele andere Top-Athleten des Deutschen Ruderverbandes. Die Olympia-Vorbereitung hat für die Elite Vorrang und auch der Top-U23-Bereich konzentriert sich im Olympiajahr auf die Wasser-Vorbereitung.

Aus Sicht des RV Rauxel wird Margarete Jakschik mit den größten Chancen in Essen an den Start gehen. Sie war zwar auch schon als Juniorin in Boston dabei, doch mittlerweile gehört sie den U23-Frauen an und dort hängen die Trauben auch bei den Leichtgewichten enorm hoch. Mit ihrer in Lübeck erzielten Zeit von 7:35,3 Minuten liegt sie im nationalen Ranking derzeit auf Rang sechs, könnte allerdings – wenn es in Kettwig optimal läuft – zumindest noch eine nationale Medaille einfahren. Bei 7:26 Minuten liegt Jakschiks Bestzeit und damit würde es unter Umständen zu einer Medaille in Kettwig reichen. Mit ihr auf der Bühne wird dann auch Vereinskameradin Hannah Bornschein sitzen.

Bei den Männern setzt sich Michel Palisaar auf die „Ruder-Maschine“. Hier wurden im Rahmen der Ergometer-Serie schon einige gute Werte vorgelegt. Der Junioren-WM-Teilnehmer von 2010 stellt sich in einem 19er-Feld der Konkurrenz, das das Finale im Vorlauf am Vormittag ausfahren wird.

Ansonsten präsentiert sich der RVR mit seinem jüngsten Nachwuchs. Und da hat sich in der Gruppe der Trainer Thorsten Prang, Björn Gehre und Julien Corzilius einiges getan. Mittlerweile ist das Team auf rund 25 Athleten angewachsen. „Wir wollen von unten aufbauen und eine neue Basis schaffen“, sagt Thorsten Prang. Aktuell geht es weniger um kurzfristige Erfolge. „Wir wollen Erfahrungen sammeln“, so Prang.

Charlotte Pahnke hat 2011 schon gute Eindrücke und auch Erfolge sammeln können. Sie schaffte es mit Lisa Kühne, die in Kettwig krankheitsbedingt passen muss, bis zum Bundeswettbewerb und konnte dort im Doppelzweier den dritten Finallauf gewinnen. In Kettwig möchte Charlotte Pahnke nun unter 42 Starte-rinnen zumindest bis unter die Top 20 kommen. Gar 50 Meldungen liegen bei den Mädchen bis 14 Jahren vor. Hier ist der RVR durch seine Talente Paula Nixdorf, Nina Bartnik und Nele Oberkönig vertreten.