Vier Ligakönige in Bottrop blicken von oben herab

Die A-Junioren des SV Rhenania belegen in der Leistungsklasse aktuell den ersten Platz.
Die A-Junioren des SV Rhenania belegen in der Leistungsklasse aktuell den ersten Platz.
Foto: WAZ FotoPool
„Rote Laterne“. In den bisherigen Teilen der Serie kamen Mannschaften zu Wort, die aus unterschiedlichsten Gründen am Tabellenende stehen. Doch es geht auch anders: Vier Tabellenführer blicken von oben auf die Konkurrenz herab, erzählen in diesem Teil, welcher Druck mit dem Spitzenplatz kommt.

Bottrop. Tabellenletzter, Schlusslicht – Rote Laterne. In fünf Teilen dieser Artikelserie kamen Mannschaften zu Wort, die aus unterschiedlichsten Gründen dieses Schicksal erleiden und derzeit genau dort stehen: ganz unten. Doch wie fühlen sich die, die am anderen Ende der Tabelle thronen? Heute kommen vier Ligakönige zu Wort und erklären, welcher Druck dahinter steckt und welche Motivation nötig ist, um auch oben zu bleiben.

Fußball

– Klaus Scholze, Trainer A-Jugend SV Rhenania (Leistungsklasse)
– Neun Siege, ein Remis

Die größte Gefahr für einen Tabellenführer ist die Leichtsinnigkeit. Die darf nicht einziehen und die Einstellung darf auch nicht leiden. Einige der Spieler denken gewiss: Wir sind Tabellenführer, wir sind die Größten. Da ist es gut, dass ich auf einen großen Kader zurückgreifen kann. Ich habe fast 20 Spieler, keiner kann sich ausruhen. Wer im Training nicht arbeitet, der spielt eben nicht! So bleibt die Spannung oben. Ich bin jetzt fast 30 Jahre im Trainergeschäft und weiß, wie ich die Jungs anpacken muss. Bei einigen muss man Fingerspitzengefühl beweisen, anderen muss man in den Hintern treten (lacht).

A-Jugend – das ist ja generell ein schwieriges Pflaster. Die Jungs sind zwischen 17 und 19 Jahre alt, da steht am Wochenende bei einigen nicht immer der Fußball im Mittelpunkt. Aber da greift auch wieder der große Kader und der selbe Effekt wie im Training: Wer übermüdet wirkt und nach Alkohol riecht, spielt am Samstag nicht. Bei Erfolg ist ohnehin alles leichter. Läuft es sportlich gut, ist auch die Trainingsbeteiligung gut und alle sind zufrieden. Wir dürfen aber einfach nicht nachlassen, denn unser Ziel ist am Saisonende die Qualifikation zur Niederrheinliga. Da trennt sich die Spreu vom Weizen, denn plötzlich sind die Gegner viel stärker, da nützen die zurückliegenden teils zweistelligen Siege aus der Leistungsklasse nichts mehr. Deshalb schaffen so viele Teams den Sprung in die Niederrheinliga nicht, das Niveau ist da konstant hoch und nicht nur punktuell verteilt wie in der Leistungsklasse. Ein schlechter Tag in der Quali, und alles ist vorbei.“

Volleyball

– Daniel Lemanski,
Trainer VC 90 Bottrop (Verbandsliga)
– Sieben Dreipunkt-Siege

Den Druck hatten wir eigentlich nur am Anfang. Als Aufsteiger in die Verbandsliga wollten wir nicht direkt wieder absteigen. Jetzt wollen wir so lang wie möglich an der Tabellenspitze bleiben. Ausruhen können wir uns nicht, denn diese Liga ist einfach unberechenbar. Je nach Personalsituation können Teams von unten die Spitzenmannschaften schlagen. Ich wundere mich selbst manchmal über die Ergebnisse der Konkurrenz. Wir haben am Sonntag gegen den Oberligaabsteiger aus Bochum gewonnen, doch ist deren Team einfach noch nicht so eingespielt, wie wir es derzeit sind. Unser Ziel ist es deshalb, immer besser und schöner zu spielen. Egal, gegen wen.

Wir wussten von Beginn an, dass die individuelle Qualität vorhanden ist, um oben mitzuspielen. Dass wir uns so schnell als Team gefunden haben, ist unsere große Stärke. Doch auch wir können mal einen schlechten Tag haben und der Gegner einen guten. Wir blicken also von Spiel zu Spiel und freuen uns, wenn wir die Führung weiter ausbauen können.“

Tischtennis

– Thorsten Hoffmann, Spieler TSSV Bottrop (Landesliga)
– Neun Siege

Tischtennis ist für uns alle ein Hobby, wir haben also keinen Druck, unbedingt aufzusteigen. Gleichwohl wissen wir aber auch, dass wir uns in dieser Liga eigentlich nur selbst durch eine schlechte Einstellung schlagen können. Das Team ist vergangene Saison aus der Verbandsliga abgestiegen, ich kam aus der Regionalliga zu meinem alten Jugendverein zurück. Das mag jetzt überheblich klingen, aber in dieser Besetzung im oberen und mittleren Paarkreuz kann uns in der Landesliga keiner schlagen. Wir blicken aber schon weiter voraus und wollen im kommenden Jahr aus der Verbands- gleich noch eine Etage höher in die neue NRW-Liga. Dann wird auch unsere Motivation wieder steigen, denn das Training ist derzeit nicht so intensiv wie in den höheren Ligen. Der Ehrgeiz von allen wird aber wieder steigen, wenn wir aufgestiegen sind.

Im Prinzip sind wir gerade wie der schwarze Ritter aus dem Monty-Python-Film ,Die Ritter der Kokosnuss’. Der hält sich für unbesiegbar und wird doch schnell geschlagen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis wir dieses Schicksal teilen (lacht). Das Traurige ist aber auch, dass viele Gegner sich gegen uns sogar schonen, statt voll anzugreifen. Weil sie von vornherein überhaupt keine Chance gegen uns sehen. Schade, da ist aus der Partie schon die Luft raus, bevor sie überhaupt begonnen hat.“

Badminton

– Matthias Kuchenbecker, Spieler Bottroper Badminton-Gemeinschaft (Oberliga)
– Sechs Siege, eine Niederlage

Tabellenerster zu sein, steigert das Selbstbewusstsein enorm. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga sind wir als Team zusammengeblieben und streben den direkten Wiederaufstieg an. Gerade bei unseren jüngeren Spieler sehe ich, dass die Situation sie derzeit beflügelt statt sie zu hemmen. Klar wissen wir, dass wir keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Gleichwohl wissen wir aber auch, dass wir ein starkes Team sind und die Gegner gegen uns schon 100 Prozent geben müssen, wenn sie uns in Bedrängnis bringen wollen.

Aus der Vorsaison kennen wir auch das Gegenteil, wir sind schließlich abgestiegen. Da war der Druck bei jedem Spiel schon ein ganz anderer. Wenn die Punkte unbedingt her müssen, war jede Niederlage ein echtes Problem. Jetzt ist alles gerade ein bisschen entspannter.“

 
 

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