Überlegene Verlierer

Björn Goldmann
Foto: WAZ FotoPool
Vielen Großchancen lässt der VfB gegen TuSpo Richrath liegen. Das rächt sich in der zweiten Halbzeit

Bottrop.  Haushoch überlegen und dennoch verloren. Nach der überragenden ersten Halbzeit rächten sich die eklatante Abschlussschwäche und die schlechte Abwehrarbeit des VfB.

VfB Bottrop –
TuSpo Richrath 1:3 (1:0)

Was soll man da noch großartig sagen? Mehr als ein paar tröstende Worte waren es nicht, die Mevlüt Ata seinen Spielern Sascha Bartsch und Marco Rinski zusprach, als diese nach dem Abpfiff mit hängenden Köpfen im Strafraum saßen. Die restlichen Spieler waren da schon auf dem Weg in die Kabine. Die Langenfelder jubelnd, die Bottroper niedergeschlagen. Soeben hatten sie ein Spiel verloren, das sie niemals hätten verlieren dürfen. Zu überlegen hatte sich der VfB in der ersten Halbzeit präsentiert, hatte sich Torchancen en masse erarbeitet. Chancen, mit denen man eigentlich drei Spiele hätte gewinnen können. „Das war phasenweise schon Unvermögen“, schnaubt Ata enttäuscht. Ja, was soll man da noch großartig sagen?

Dabei hatte alles so gut angefangen. Dem ersten Angriff von Marcel Siwek (1.) folgte nur zwei Minuten später der Führungstreffer per Heber durch Daniel Späth. Groß war der Jubel, noch größer war aber die Anzahl der Chancen, die sich dem VfB im Anschluss boten. Zumal die Abseitsregel in dieser Phase komplett aus dem Regelwerk gestrichen wurde. Egal, ob Späth auf Göksal Yergök (12., der Ball versprang), Siwek auf Yergök (23., der Ball ging verloren), der Sololauf von Nico Andreadakis (27., vom letzten Gegenspieler gestoppt) oder die erneute Kombination Siwek auf Yergök (28., gehalten) – allesamt waren es Chancen, die das Spiel hätten entscheiden müssen.

Doch schien es, als würde mit jeder vergebenen Einschussmöglichkeit auch das Selbstvertrauen schwinden – und der Frust wachsen. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass Daniel Späth und Nico Andreadakis auch im zweiten Durchgang gleich zwei Großchancen nicht nutzten. Klar, dass man im Fundus der Fußball-Weisheiten nicht lange suchen muss, um die Folge vorherzusehen. Erst traf Richraths Necati Ergül zum Ausgleich (63.), und dann nahmen Wojciech Lesniak (80.) und Marvin Klein (83.) den in der Abwehr immer schwächer werdenden VfB endgültig auseinander. „Da war plötzlich kein Leben mehr drin“, sagte Ata. „Statt konsequent nach hinten zu arbeiten, sind wir kopflos nach vorne gerannt.“