Ohne Schiedsrichter und Zuschauer

Nur das Spiel mit dem Ball zählt. Alles andere regelt der Fußballnachwuchs auf dem Platz unter sich – es gibt keinen Schiedsrichter und keine Eltern an Spielfeldrand.Foto:Winfried Labus
Nur das Spiel mit dem Ball zählt. Alles andere regelt der Fußballnachwuchs auf dem Platz unter sich – es gibt keinen Schiedsrichter und keine Eltern an Spielfeldrand.Foto:Winfried Labus
Foto: Winfried Labus / WAZ Foto Pool
Fair-Play-Liga: Die jüngsten Spieler regeln auf dem Platz alles selbst. Ob Einwurf, Foul oder Tor – nur der Spaß steht im Vordergrund. Die Idee findet aber nicht überall Anklang.

Bottrop..  Die wollen doch nur spielen! Dies ist der Grundgedanke der Fair-Play-Liga, die seit einem Jahr beim jüngsten Fußballnachwuchs praktiziert wird. Für die G-Junioren, auch bekannt als Minikicker oder Bambinis, und die F-Jugendmannschaften im Kreis 10 Bottrop/Oberhausen soll der Spaß am Spiel im Vordergrund stehen – und nicht die Frage, wer in der Tabelle ganz ober steht.

Mittel zum Zweck bei der Umsetzung: Die Kids spielen weitgehend unter sich. Schiedsrichter sind ebenso vom Spielfeld verbannt wie die Fans der kleinen Fußballer. Am Spielfeldrand halten sich nur die Trainer und Betreuer auf, die in Aktion treten, wenn sich ein Spieler oder eine Spielerin verletzt. Alles andere regeln die Kinder unter sich: Einwurf, Foul, Tor – wie bei den Fußballspielen auf Bolzplätzen, Hinterhöfen oder auf der Straße.

Peter Piotrowski, F-Jugend-Trainer beim SSV 51, ist von der Idee des Fair Play angetan. In einem Kurzlehrgang des Kreises wurde er mit ihr vertraut gemacht. „Das Beste an der Sache ist, dass die Eltern nicht mehr so dicht dabei ist.” In den Heimspielen sorgt er vor dem Anpfiff dafür, dass der Anhang einen Abstand zum Spielfeld einhält. Mit dem Hinweis „Fair Play” läuft er die Linien entlang und schickt die Zuschauer an die Barriere, einige Meter vom eigentlichen Spielfeld entfernt.

Er hat Verständnis, dass manche Eltern, Großeltern, Tanten oder Onkel nur widerwillig das Weite suchen. „Die haben natürlich den Drang, zum Spielfeld zu gehen.” Allerdings fiele es ihm ohne die Nähe der treuesten und engagiertesten Fans viel leichter, sich auf seine Schützlinge und das Spiel zu konzentrieren.

Bei den Eltern selbst stößt die neue Regelung auf gemischte Gefühle. Ralf Kirstein, der sich das Spiel seines Sohnes Luis ansieht, meint, dass nicht wenige Eltern die Begegnungen viel zu ernst nehmen. „Das ist kein Fußballspiel wert, was sich da manchmal abspielt. Die Kinder wollen doch nur Spaß haben.”

Markus Kleer stimmt dem zu. „Manchmal schreien fünf Erwachsene gleichzeitig auf ein Kind ein.” Den Verzicht auf den Unparteiischen befürwortet er dagegen nicht. „Davon halte ich nicht viel. Die Kinder müssen die Regeln ja lernen. Da wäre ein Schiedsrichter nicht schlecht.”

Auch bei anderen Vereinen sorgt das neue Konzept für Diskussionen. Andreas Braun sieht darin Vorteile: „Die Kinder einigen sich untereinander. Und meinem Sohn tut es gut, von und mit den anderen Spielern zu lernen.” Für Sasa Dettke, F-Jugend-Trainer bei den Löwen, ist die Liga ebenfalls ein Gewinn. „Die Kinder hören viel besser zu, wenn die Eltern nicht so dicht dran sind. Am Anfang war es schwierig, die Eltern dazu zu bringen, vom Spielfeld wegzugehen. Mittlerweile sehen wir das alle ein.“ Für Jugendleiter Dirk Hillenbrand war die Umsetzung eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben von Anfang an dafür gesorgt, dass die Zuschauer hinter die Barriere gehen.”

Der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses, Dieter Wilms, ist ebenso überzeugt von der Zukunft der Fair Play-Liga. „Natürlich gibt es Anfangsschwierigkeiten. Aber in ein paar Jahren kennen die kleinen Fußballer nichts anderes mehr als ohne Schiedsrichter zu spielen.”

Im Kreis Gelsenkirchen wird die Fair Play-Liga noch nicht praktiziert. Allerdings ermahnte der Vorsitzende der Kreisjugend, Jürgen von der Gathen, die Vereine des Kreises 12 auf einer außerordentlichen Sitzung, den Fair Play-Gedanken bei ihren Jugendspielen durchzusetzen. „Es kann nicht sein, dass wir Spielabbrüche bei den G- und F-Junioren haben. Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt auf die Platzanlagen gehen. Das tun wir nicht, um die Vereine zu kontrollieren oder weil uns die Aufpasserrolle Spaß macht, sondern wir wollen sicherstellen, dass die Kinder mit Freude ihrem Sport nachgehen können.”

Drei einfache Regeln

Vorreiter bei der Fair-Play-Liga ist der Fußball-Verband Mittelrhein. Das Konzept beruht auf drei einfachen Regeln: 1. die Schiedsrichter-Regel - die Kinder entscheiden selbst; 2. die Trainer-Regel - die Trainer begleiten das Spiel aus der Coaching-Zone; 3. die Fan-Regel - die Fans/Eltern halten Abstand zum Spielfeld.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen