Fall Onukogu - Rassismus ist kein Thema mehr

Björn Goldmann
Der Fall Onukogu gegen Dostlukspor wurde bis zum späten Donnerstagabend vor der Bezirksspruchkammer in Duisburg-Wedau verhandelt.
Der Fall Onukogu gegen Dostlukspor wurde bis zum späten Donnerstagabend vor der Bezirksspruchkammer in Duisburg-Wedau verhandelt.
Foto: Kerstin Bögeholz
Die Bezirkssruchkammer hat gesprochen: Ikenna Onukogu, Torwart von Hertha Hamborn, wird bis zum 16. Mai gesperrt, Dostlukspor Bottrop geht straffrei aus. Grund der Verhandlung war ein Flaschenwurfs Onukogus infolge angeblicher rassistischer Anfeindungen.

Bottrop. Am Ende hätten sie den größten Sitzungsraum des Gebäudes gar nicht benötigt. Sicher, der Fußballverband Niederrhein hatte mit einem wahren Medienansturm gerechnet, als am Donnerstagabend der „Fall Ikenna Onukogu“ verhandelt wurde. Doch am Ende war es gerade einmal ein Kamerateam des ZDF und eine überschaubare Zahl Journalisten, die der Bezirkspruchkammersitzung in der Duisburger Zentrale des Fußballverbandes folgten. Selbst der extra anberaumte Sicherheitsdienst konnte einen ruhigen Abend verleben, als jener Fall verhandelt wurde, der in den vergangenen Wochen nicht nur in Bottrop für Aufsehen gesorgt, sondern das Medieninteresse aus ganz Deutschland auf sich gezogen hatte.

Grund der Verhandlung war der Abbruch des Bezirksligaspiels zwischen Dostlukspor und Hertha Hamborn am 3. März, bei dem Hamborns Torwart Ikenna Onukogu in der 88. Minute erst eine Wasserflasche Richtung Bottroper Zuschauer geworfen hatte und dann auf diese zugestürmt war. Ein wildes Handgemenge war die Folge. Der dunkelhäutige Spieler rechtfertigte sein Handeln damit, zuvor mehrfach rassistisch beleidigt worden zu sein.

Dies wiederholte er auch gestern immer wieder vor der Bezirksspruchkammer, bei der er von seinem Anwalt Heiner Kahlert begleitet wurde. Der war extra aus München gekommen, um Onukogu kostenfrei (und medienwirksam) zur Seite zu stehen. Doch unter den Zeugen fand sich niemand, der die rassistischen Beleidigungen gehört hatte. Weder der Schiedsrichter und seine Assistenten, noch WAZ-Fotograf Winfried Labus, der das Geschehen aus nächster Nähe beobachtet hatte. Nicht einmal die eigenen Mitspieler konnten entsprechende Beleidigungen bezeugen. Auch für die Behauptung, die Zuschauer hätten ihn zuvor mit der Wasserflasche beworfen, die er dann nur zurückgeworfen hatte, konnte Onukogu nicht aufrecht erhalten. Schiedsrichter Thorsten Aretz aus Mönchengladbach: „Er hat die Flasche aus dem eigenen Tor genommen und ist dann auf die Zuschauer losgestürmt.“

Rassismus-Vorwürfe gegen Dostlukspor fallengelassen - Onukogu gesperrt

Das Urteil des Bezirksspruchkammer lautete wie folgt: Die Rassismus-Vorwürfe gegen Dostlukspor wurden fallengelassen und das Spiel gegen Hamborn 2:0 zugunsten Dostlukspors gewertet. Herthas Torwart Ikenna Onukogu wurde wegen grob-unsportlichen Verhaltens bis zum 16. Mai gesperrt. Dostlukspors Georges Nassar hatte in besagter Partie am Ende der ersten Halbzeit die Rote Karte gesehen. Er bleibt bis zum 29. April gesperrt.