Die schwarzgekleideten Kämpfer aus Grafenwald

Springen, abrollen, gleich wieder kampfbereit sein.
Springen, abrollen, gleich wieder kampfbereit sein.
Foto: FUNKE FotoServices
Beim VfL Grafenwald wird Bujinkan Budō Taijutsu gelehrt. Kein Wettkampfsport, sondern eine Überlebensschule. Die Kampfkunst der Samurai – und die der Ninja.

Bottrop/Gladbeck. Manchmal muss man einfach die Farbe wechseln, um sich von anderen zu unterscheiden. Weiße Anzüge – die tragen vornehmlich Judoka, Karateka und Taekwondo-Kämpfer. Die sieben Schüler und ihr Meister Joachim Walterfang aber stehen ganz in schwarz gekleidet auf den Matten. Ein gemeinsames Aufwärmen zum Start, dann geht es an die Übungen. Stöcke und Holzschwerter liegen bereit. Das Training der japanischen Kampfsportart Bujinkan Budō Taijutsu kann beginnen.

Seit knapp eineinhalb Jahren wird Bujinkan unter dem Dach des VfL Grafenwald unterrichtet. Bujinkan, das ist eine Kampfkunst, in der traditionelle Prinzipien wie Respekt, Disziplin und inneres Gleichgewicht gelehrt werden. Es ist die Schule der Samurai, der japanischen Kriegerkaste. Aber auch die der Ninja. Deshalb wird Bujinkan auch als Ninjutsu bezeichnet.

Wer aber waren die Ninja? Die lautlosen Meuchelmörder mit Masken, als die sie in Kinofilmen dargestellt werden? Die bösen Gegenstücke der „edlen“ Samurai? Da spielen wohl romantische Verklärungen und nicht zuletzt viele billig produzierte Actionfilme des 20. Jahrhunderts eine Rolle.

Historisch belegbar sind Ninja als Partisanenkämpfer des vorindustriellen Japans, die auch als Saboteure, Kundschafter, Spione oder Auftragsmörder eingesetzt wurden. „Sie waren wohl eher gekleidet wie Bauern, um nicht aufzufallen. Warum hätten sie sich durch das Tragen schwarzer Anzüge direkt zur Zielscheibe machen sollen?“, fragt Joachim Walterfang. Erst kürzlich hat er wieder einen Film gesehen, in denen ein Ninja als böser Gegenspieler auftrat. „Schwachsinn!“ Der 45-Jährige winkt lachend ab. Schließlich hätten auch die Samurai mitunter nicht immer edel und fair gekämpft.

Kein Wettkampfsport

Doch zurück in die Bottroper Halle: Bisher unterscheidet sich das Training noch nicht maßgeblich von anderen japanischen Kampfsportarten wie beispielsweise Hapkido. Auf den blauen Matten springen die Schüler gerade über einen Holzstab, den Walterfang in die Luft hält. Abrollen steht auf dem Lehrplan. Technisch sauber, möglichst geräuscharm. Es folgt die Formenlehre für Schlag-, Tritt-, Wurf- und Hebeltechniken. „Ich habe früher Karate und Judo betrieben. Damit war ich nicht zufrieden, beim Judo fehlen die Tritte, beim Karate die Würfe. Das Ganzheitliche, eine Verbindung von beidem, hat mir gefehlt“, berichtet Walterfang. Das noch recht junge Bujinkan vereint neun traditionelle Kampfkunstschulen zu einem System. Es ist kein Wettkampfsport wie das moderne Karate oder Judo, sondern eine Überlebensschule. Nahkampf mit und ohne Waffen, aber auch Einblicke in Tarnstrategien und die mit dem japanischen Kampfsport einhergehende Philosophie stehen auf dem Lehrplan.

Walterfang selbst erlernte Bujinkan in Oberhausen und kam schließlich zur Kampfsportabteilung des VfL Grafenwald. „Noch sind wir eher klein, das ist ja schon etwas Spezielles“, sagt der 45-Jährige mit dem fünften Dan (Meistergrad). Mit dem Holzschwert (Bokken) stehen sich seine Schüler nun gegenüber. Walterfang beobachtet und korrigiert die Aktionen. Erstaunlich, welche Erfolge schon eine kleine Veränderung der Fußstellung bewirkt. „Es ist wie bei allen Kampfkünsten“, sagt Walterfang. „Man braucht Geduld und jahrelanges Training, um sie zu meistern.“

 
 

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