Die koreanische Art der Selbstverteidigung

Melike Özeugec wirft ihren Gegner Johannes Porwoll unter Aufsicht von Cheftrainer Tim Kaprol auf die Matte.
Melike Özeugec wirft ihren Gegner Johannes Porwoll unter Aufsicht von Cheftrainer Tim Kaprol auf die Matte.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Die Hapkido-Abteilung ist eines der Herzstücke des PSV Bottrop. Derzeit wird in Welheim fleißig für die nächsten Gurtprüfungen der koreanische Kampfkunst trainiert.

Bottrop..  Fast wähnt man sich in einer Stuntschule. Mit Anlauf hechten die Jugendlichen in den weißen Anzügen über die aufeinandergestapelten Kästen, drehen sich in der Luft ein wenig und rollen sich auf den dahinter liegenden Matten fast lautlos über die Schultern ab. Völlig unbeeindruckt. Als wäre ein Hechtsprung über ein Hindernis das Normalste der Welt. Na ja, normal ist die sogenannte Fallschule als Vorsorge vor Verletzungen auch. Zumindest im Hapkido.

Koreaner unter Japanern

Die Kampfkunst hat ein Alleinstellungsmerkmal im Portfolio des PSV Bottrop. Ist sie im Verein doch die einzige koreanischstämmige unter einer Vielzahl japanischer. Fast schon alteingesessen ist sie auch. Seit 2002 wird der Kampfsport mit den charakteristischen Hebel- und den Wurf-, Tritt- und Schlagtechniken in der Sporthalle Welheim trainiert. Fließende Bewegungen zeichnen die Grundtechniken aus, auf die Trainer Tim Kaprol besonderen Wert legt. „Wir lehren hier keine überflüssigen Techniken, sondern beschränken uns auf das Grundrepertoire. Man sieht sehr oft, dass gerade hier Fehler gemacht werden, weil der Sinn der Grundtechniken nicht hinterfragt wird. Dabei baut alles darauf auf.“

Kaprol ist Gründungsmitglied, Schwarzgurtträger (4. Dan) und Cheftrainer der Hapkido-Abteilung. Mit dem koreanischen Kampfsport Taekwondo fing vor mehr als 13 Jahren alles an, doch wollten die PSVler das Spektrum erweitern, das Gewicht mehr auf die Selbstverteidigung als auf Wettkampfsport legen. Das defensivere Hapkido, von den Grundtechniken mit dem Taekwondo eng verwandt, war die logische Wahl. Richtig voll ist es derzeit an den Trainingstagen am Wochenende, die Schüler bereiten sich auf die Gurtprüfungen im November vor. „Charyot! Kyongne!“, hatte es zum Trainingsbeginn durch die Halle geschallt. Das bedeutet so viel wie „Achtung, stillgestanden! Verbeugen!“ Klein und Groß standen sortiert nach Gürtel-Grad in der Halle. Aufwärm- und Dehnübungen wurden absolviert, bevor es zur Atemschule ging. Versucht wird dabei, die Energie des Körpers durch spezielle Atemtechniken auf bestimme Punkte zu konzentrieren. „Das ist ein wichtiger Teil des Hapkido. Im Wesentlichen geht es darum, die Harmonie zwischen der inneren, geistlichen und äußeren, körperlichen Kraft herzustellen“, sagt Kaprol. Es folgten das Trainieren von Tritt- und Schlagtechniken, bis das Abrolltraining den Höhepunkt der Trainingseinheit bildete.

Spuren im Bottroper Sport

Eineinhalb fordernde Stunden liegen dann auch hinter Grüngurt Elena. Die Erschöpfung lässt sich die 14-Jährige aber nicht anmerken. „Hapkido macht Spaß und es ist gut zu wissen, dass man sich im Notfall verteidigen kann.“ Freundin Melike nickt. „Abrollen, Techniktraining, Übungen im Bereich der Ersten Hilfe – es ist sehr abwechslungsreich“, sagt auch die 13-Jährige.

Dass die Hapkido-Abteilung ein Herzstück des Polizeisportvereins ist, beweist sie nicht nur mit dem jährlichen Grillfest und dem großen Pfingstlehrgang. Die Baseballabteilung (Blackjacks) wurde ursprünglich von den Hapkido-Mitgliedern um Tim Kaprol gegründet, ebenso wie die mittlerweile nicht mehr existente PSV-Paintballmannschaft. Auch der Selbstverteidigungsverein und das Sportcenter Bottrop haben ihre Wurzeln bei den PSV-Kampfsportlern. Zweifelsohne: Das PSV-Team hat Spuren in der Bottroper Sportlandschaft hinterlassen.

Mit 50 ist die Mitgliederzahl seit Jahren eine stabile. Etabliert sind auch die Abläufe: Zweimal im Jahr kommt Großmeister Young-Hee Kim zur Gurtprüfung. Der Koreaner ist unter anderem Trainer des österreichischen Taekwondo-Nationalteams. „Unsere Sportart mag spektakulär aussehen“, sagt Kaprol. „Aber bisher hatten wir mit einem Schlüsselbeinbruch nur eine schwerere Verletzung. Da passiert in mancher Ballsportart mehr.“

 

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