Die Frauen des SV Fortuna Bottrop kapitulieren nicht

Gymnastik? Nein, beim SV Fortuna wird Volleyball gespielt.
Gymnastik? Nein, beim SV Fortuna wird Volleyball gespielt.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Hobby-Volleyballerinnen des SV Fortuna gibt es seit 30 Jahren. Damit es weitergeht, brauchen sie allerdings Verstärkung.

Bottrop..  Die Begrüßungen sind herzlich. Nach und nach treffen die Sportlerinnen in der Halle ein, umarmen sich und tauschen sich angeregt aus. Die Frage: „Sie sind also die Frauengymnastikgruppe des SV Fortuna?“ trifft auf vehementen Protest. „Gymnastikgruppe? Nein, wir spielen Volleyball. Wenn man will, wärmen wir uns mit Gymnastik auf, aber sobald die Muskeln locker sind, wollen wir spielen!“

Der Freitag schreckt ab

Elf Frauen haben sich am Freitagabend in der Halle an der Rheinbabenstraße eingefunden. Drei von ihnen sind allerdings wegen Verletzungen zum Zuschauen verdammt. Die Übungsstunde entgehen lassen – das wollen sie sich trotzdem nicht. Die meisten der Sportlerinnen sind seit Jahren, sogar seit Jahrzehnten dabei. „Wir pflegen das Gesellige“, verrät Übungsleiterin Rita Hermanns.

Trotz dieser großen Loyalität und des guten Zusammenhalts sind die Reihen im vergangenen Jahr dünner geworden. Zu dünn, um das Angebot langfristig aufrechterhalten zu können. „Bei ein paar Frauen haben sich die beruflichen Umstände verändert, so dass es mit dem Training nicht mehr passt. Aber vor allem sind es schwerere Erkrankungen, die dazu geführt haben, dass die Betroffenen sich abgemeldet haben“, erläutert die Übungsleiterin.

Die Gruppe reagiert flexibel und mit viel Engagement. Statt sechs gegen sechs spielen die Frauen mit kleineren Mannschaften, sogar drei gegen drei mit kleineren Feldmaßen. „Man passt sich an, aber es macht nicht so viel Spaß. Wir brauchen wieder mehr Frauen, die mitmachen.“

Doch das ist nicht so einfach. Der Trainingstag ist nicht gerade optimal, viele, die sich interessieren, winken ab: Am Freitagabend sind viele schon im Wochenende und oft unterwegs. Wochenendtouren, Geburtstagsfeiern, Einladungen. Dazu kommen Urlaube. Die Gründe, die einem Training im Wege stehen, sind vielfältig.

Einige werden erfolgreich aus dem Weg geräumt. „Freitag war mein Krimitag, aber meine Freundinnen haben mich mal mitgenommen“, schildert Marion Henne. „Und jetzt bin ich schon über acht Jahre dabei.“ Inklusive „fremdgehen“, denn ihr Verein ist eigentlich der SV Rhenania. „Doch da bieten sie so etwas nicht an.“

Rita Hermanns hofft, dass gerade das Volleyballangebot der Gruppe lockt. „Es gibt viele Frauensportgruppen, die Gymnastik machen. Wir spielen Volleyball rein zum Spaß, das gibt es meines Wissens in Bottrop sonst nicht. Keine von uns kommt aus dem Volleyballsport. Auch Anfänger kommen schnell zurecht.“

Neueinsteiger brauchen also keine besondere Fitness. Humor sollten sie aber mitbringen, vor allem die Fähigkeit haben, über eigene Fehler lachen zu können. Und man sollte mit lockeren Sprüchen klarkommen, die manchmal schärfer übers Netz fliegen als der Ball. Auch die Sticheleien, mit denen die Gegnerinnen aus dem Rhythmus gebrachten werden sollen, sorgen immer wieder für viel Gelächter.

„Es wäre so schade, wenn die Gruppe aufhören müsste. Wir unternehmen auch außerhalb der Halle viel miteinander. Zu Geburtstagen wird angerufen, wir treffen uns zum Grillen, zu Radtouren und Weihnachtsfeiern“, zählt Rita Hermanns auf. „Wenn ich daran denke, dass wir schon mal einen Aufnahmestopp hatten oder eine Mannschaft auf der Bank Platz nahm, weil wir so viele waren...“

Das Küken ist noch dabei

Doris Stempniak, mit 35 Jahren Vereinszugehörigkeit die „Dienstälteste“, erinnert sich an die Ursprünge. „Angefangen hat es, als wir Mütter mal gegen unsere Söhne Fußball gespielt haben. Über Mundpropaganda hat sich das Ganze dann zu einer festen Gruppe entwickelt.“ Nachwuchssorgen gab es nicht. „Nicht nur Mütter, nachher haben auch 16-, 17-Jährige mitgemacht, von diesen Küken ist Yvonne Posniak immer noch dabei“, ergänzt Rita Hermanns.

Vor den aktuellen Schwierigkeiten wollen sie nicht einfach kapitulieren. Es soll weitergehen. Trainiert wird immer freitags ab 20 Uhr in der Halle an der Rheinbaben-straße 71a.

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