Der Bottroper Klaus Kalinke schwimmt bei den Alten Herren

Der 59-jährige Bottroper Klaus Kalinke ist zweifacher Europameister der Mastersschwimmer.
Der 59-jährige Bottroper Klaus Kalinke ist zweifacher Europameister der Mastersschwimmer.
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„Die Schwimmsachen habe ich immer dabei“, verrät Klaus Kalinke, der beruflich viel unterwegs ist. Der 59-jährige Bottroper ist unter anderem zweifacher Europameister bei den Masters-Schwimmern, den Alten Herren des Schwimmsports.

Bottrop..  Beruflich ist er viel unterwegs, in ganz Deutschland. Damit ist Klaus Kalinke kein Einzelfall, aber die Pausen, die er einlegt, kann man wohl als nicht alltäglich bezeichnen. Beispielsweise fährt er auf dem Rückweg von Kassel nach Bottrop im Möhnetal von der Autobahn, springt in den See der Talsperre und schwimmt einige Bahnen.

„Die Schwimmsachen habe ich immer dabei“, verrät der Bottroper lachend. „Auch als ich zuletzt in Berlin war und meine Termine hinter mir hatte, bin ich noch ins Schwimmbad gegangen. Ich gebe zu, ich habe etwas überlegt: Soll ich?“ Marie-Theres Heßling, schüttelt den Kopf: „Ich begreife nicht, warum du überhaupt gezögert hast.“ Für sie ist es an der Tagesordnung, dass sich bei ihrem Mann die Leidenschaft für das Schwimmen durchsetzt.

Neues Hallenbad in der Stadtmitte

Begonnen hat es in den 1970-ern. Als der gebürtige Essener zwölf Jahre alt war, zog die Familie an die Friedrich-Ebert-Straße. „In Frintrop war ich einmal bei einem Fußballtraining, aber das war nichts für mich“, hakt der gebürtige Essener diese Episode schnell ab. Dann wurde in der neuen Heimat das Hallenbad erbaut. „Drumherum war ja noch die Baustelle. Wir haben dort die Bierflaschen eingesammelt und mit dem Pfandgeld den Eintritt ins Bad bezahlt.“

Die Erfolge von Mark Spitz bei den Olympischen Spielen in München lösten auch im Ruhrgebiet Begeisterung fürs Schwimmen aus. „Peter Schorning war damals unser Trainer. Mir ging es hauptsächlich um das Gemeinschaftsgefühl, und wenn man dann noch ab und zu in der Zeitung stand, war das auch ganz schön.“ Kalinke blättert durch die Sammlung von Aussschnitten, die seine Mutter in einem Ordner angelegt hat: „Wenn ich die Namen alle so lese, fällt mir auf, wie viele von ihnen noch aktiv sind und Wettkämpfe schwimmen.“

Es fällt das Stichwort, Masters, das Marie-Theres Heßling lächelnd übersetzt: „Altherrenschwimmen.“ Kalinke nickt bestätigend. „Genau, wie die Alten Herren beim Fußball. Wir starten in verschiedenen Altersklassen, die jeweils aus fünf Jahrgängen bestehen. Ich bin in der Jugend eher ein Durchschnittsschwimmer gewesen und als es mit der Bundeswehr und dann dem Beruf losging, habe ich sogar einige Jahre pausiert“, erzählt er. Mit 29 Jahren nahm er den Sport wieder auf - und schwamm anschließend in die Topränge seiner Altersklasse.

Zum SV 13 nach Gladbeck gewechselt

„Da war ich so schnell wie mit 19 Jahren. Zunächst war ich für die Schwimmvereinigung 1924 am Start, aber die Trainingsmöglichkeiten in Bottrop können mit denen in Gladbeck leider nicht mithalten“, begründet Klaus Kalinke seinen Wechsel in die Nachbarstadt. In diesen Jahren wuchs seine Medaillensammlung rasch an: Kreis-, Bezirks-, NRW-Meisterschaften, und schließlich Deutscher Meister. 1989 holte Kalinke den ersten internationalen Titel. „In Finnland, in Turku, wurde ich Europameister über 200 Meter Schmetterling, für alle, auch für mich überraschend. Zu der Zeit haben mich nur Spitzenplätze zufriedengestellt, man wird süchtig nach Erfolgen.“

Inzwischen ist Klaus Kalinke in der dritten Schwimmphase seines Lebens angelangt, dem Freiwasserschwimmen. „Freistil ist meine Lieblingsdisziplin, je länger, je lieber.“ So kommt er derzeit auf etwa 600 Kilometer im Jahr „Viel ist das nicht, ich lag auch schon mal bei 700 Kilometern.“

Europameister 2007 in Slowenien

Seinen Weg dorthin fand er über den Triathlon. „Ich hatte schon ein paar Marathons absolviert. Nur gegen das Radfahren habe ich mich lange gewehrt.“ 2007 wurde der für den SV Gladbeck startende Sportler in Slowenien Europameister über 200 Meter Freistil, 2013 gab es vier Mal Edelmetall in der AK 55.

Die Sportveranstaltungen führen ihn durch die ganze Welt. Eine Leidenschaft, bei der die Partnerin mitspielen muss oder optimalerweise teilt. Bei Marie-Theres Heßling ist letzteres der Fall. Im Herbst werden die Veranstaltungen für das darauffolgende Jahr geplant. „Oft verbinden wir das mit einem Urlaub. Wir waren schon ein paar Mal in Amerika, aber bei den Rennen hat man als Europäer keine Chance“, erklärt Kalinke. Lachend erzählt Marie-Theres Heßling von einem Wettbewerb, bei der ihr Mann im sogenannten Callroom auf seinen Start wartete. „Das war schon ein amüsanter Anblick, wie er da zwischen all den Hünen auf seinem Stuhl saß und einer von ihnen ihm wohlwollend auf den Rücken klopfte.“

Grachtenschwimmen in Eindhoven

Beide schwärmen von Ereignissen wie dem Grachtenschwimmen in Eindhoven: 3200 Meter schnurstracks in die Stadt hinein und die Zuschauer können die Sportler entlang der Strecke zu Fuß begleiten: „Davon habe ich tolle Aufnahmen. Bei den Brücken bin ich voraus gelaufen und habe fotografiert. An solche Bilder kommt man sonst nicht“, berichtet Marie-Theres Heßling.

In diesem Jahr freuen sie sich besonders auf den „Wakenitz Man“ in Lübeck - 14 Kilometer Schwimmstrecke, die vom Ratzeburger See durch die Wakenitz in die Stadt führen, jeder Schwimmer begleitet von einem Paddelboot. „Die Meldezeit begann am 1. Februar um 0.00 Uhr, fünf Minuten später war die Veranstaltung ausgebucht.“

Eines können diese Wettbewerbe aber nicht toppen. „Das Schönste für mich ist es, allein in einem See zu schwimmen, mit der spiegelglatten Oberfläche des Wassers vor mir“, erzählt Kalinke, der auch in Zukunft immer wieder Pausen entlang der Autobahn einlegen wird.

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