Auf dem Sprung zur Besserung

Langweilig? Ingetraud Hoverath (Mitte)  wurde beim Trimilinspringen noch nie langweilig. Im Gegenteil. Samstags springt sie im Verein bei der TTG, an den übrigen Tagen nutzt sie das eigene Trimilin zu Haue.
Langweilig? Ingetraud Hoverath (Mitte) wurde beim Trimilinspringen noch nie langweilig. Im Gegenteil. Samstags springt sie im Verein bei der TTG, an den übrigen Tagen nutzt sie das eigene Trimilin zu Haue.
Foto: WAZ FotoPool
Wer hier hoch hinaus will, der war in der Vergangenheit ganz unten. Voller Schmerzen, vollgepumpt mit Medikamenten. Nun geht es aufwärts. Sprung um Sprung. Die Geschichte der Trimilinabteilung der TTG 75 ist auch die Geschichte derer, die sich nach gesundheitlichen Beschwerden wieder gut fühlen. Die durch den Sport auf dem kleinen Trampolin wieder aufblühen. Und ihre Leidensgeschichte endlich hinter sich gelassen haben.

Bottrop..  Es ist ein Samstagmorgen in der Sporthalle der Albert-Schweitzer-Grundschule. 20 Mini-Trampoline, die sogenannten Trimilins, stehen in der Halle verteilt. Die Musik, die aus den Boxen dröhnt, ist flott. Kein Wunder, denn längst hat Christine Schubert mit dem Programm begonnen. Sie ist heute die „Vorturnerin“, und als sie vom gleichmäßigen Springen mit beiden Beinen nun abwechselnd mit dem linken und mit dem rechten Fuß aufkommt, folgen die übrigen Springer ihren Bewegungen. Auf und ab, auf und ab. So geht das nun eine ganze Weile, immer wieder werden die Bewegungen variiert. Langweilig soll es ja nicht werden.

Von der Schulmedizin belächelt

Langweilig? Ingetraud Hoverath wurde beim Trimilinspringen noch nie langweilig. Im Gegenteil. Samstags springt sie im Verein bei der TTG, an den übrigen Tagen nutzt sie das eigene Trimilin zu Haue. „20 Minuten pro Tag. Es ist zwar anstrengend, aber ich bin jetzt 85 Jahre alt und habe keine Schmerzen“, sagt sie lächelnd. Ingetraud Hoverath ist ein Urgestein der Gruppe. Eine, die von Anfang an dabei war. Was auch kein Wunder ist, ist der Name Hoverath doch mit der Geburt der Trimilingymastik verbunden. Ihr Ehemann, der 2009 verstorbene Dr. Aloys Hoverath, erkannte Ende der 80er-Jahre das Potenzial des Mini-Trampolins und verband dieses mit gymnastischen Übungen und einer von ihm entwickelten Fußreflexnerven-Punktbehandlung. Fortan war der promovierte Chemiker nur noch als „Trimilin-Papst“ bekannt. Die Leiden seiner Patienten waren unterschiedlich: Rückenbeschwerden, Knochenschwund, Verdauungsprobleme, Tennisarm, Migräne oder Herzstolpern. Selbst eine Frau mit einer seltenen Form der Muskelschwäche soll Hoverath in den 90-Jahren wieder zu einem selbstbestimmten Leben geführt haben. Von der Schulmedizin belächelt, von den Bottropern geliebt: Die Trimilin-Gruppe konnte sich vor Anfragen kaum mehr retten, hatte mehr als 400 Mitglieder.

Mittlerweile ist es ruhiger geworden, die Mitgliederzahl ist auf knapp 100 gesunken. Das soll sich wieder ändern, denn die Zahl derer, die die Trimilingymnastik und die spezielle Fußmassage als großen Schritt Richtung Schmerzlinderung ansehen, ist noch immer groß. Egal, wen man von den knapp 50 Anwesenden an diesem Tag befragt: Sie alle erzählen von der heilenden Wirkung. So wie Norbert Westhoff. Der 67-Jährige war nach einem Bandscheibenvorfall Morphiumabhängig, mittlerweile hat er die Sucht nach dem Schmerzmittel besiegt. „Die Fußmassage und das Trimilin haben die Schmerzen erträglicher gemacht und mich auf leichtere Medikamente umsteigen lassen. Jutta Kieber gehört ebenfalls zu den Überzeugten. „Vor zig Jahren bin ich wegen meiner Hüftprobleme gekommen. Die geplante OP war dann überflüssig“, sagt die 72-Jährige.

Auch Johannes Stienen (59) ist zufrieden. Er ist mittlerweile der Leiter der Gruppe. Auch er kam einst als Schmerzpatient, mittlerweile führt er die Lehre von Aloys Hoverath in der eigenen Naturheilpraxis fort. Stienen: „Es gibt keine gesündere Bewegung für den Körper als das Springen auf dem Trimilin“.

 
 

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