Zwei hohe Hürden bis zum Traumziel London

Ralf Ritter
Das Lächeln einer Siegerin: Eleni Gebrehiwot nach ihrem Triumph beim Silvesterlauf in Herne. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.
Das Lächeln einer Siegerin: Eleni Gebrehiwot nach ihrem Triumph beim Silvesterlauf in Herne. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Die Äthiopierin Eleni Gebrehiwot (27) vom TV Wattenscheid hat sich für 2012 viel vorgenommen. Auf dem Weg zum Traumziel London muss die Langstreckenläuferin aber zwei hohe Hürden meistern.

„Am liebsten“, sagt Eleni Gebrehiwot, „will ich in London dabei sein.“ Sie lächelt gewinnbringend, wie so oft, wenn sie erzählt von ihren Zielen, ihren Träumen. Denn die Olympischen Spiele, das muss man zunächst nüchtern festhalten, sind ein großes, ein sehr großes Ziel, für das die 27-Jährige zwei hohe Hürden zu bewältigen hat.

Sportlich und bürokratisch.

Gebrehiwot ist in Addis Abeba aufgewachsen, der über 2000m hoch gelegenen Hauptstadt Äthiopiens. Schon als Kind war sie flott unterwegs, wie so viele in ihrer ostafrikanischen Heimat - nur die Kenianer sind im Langstreckenbereich international noch stärker aufgestellt. Bei nationalen Meetings war sie dabei, vertrat ihre Uni - sie hat ein Diplom in Marketing - bei der Universiade 2003 in Daegu/Südkorea. Achte wurde sie über 10 000m, es ist ihr bisher größter Erfolg. Sie will ihn toppen. Im Team Deutschlands. Wenn alles optimal läuft.

2010 heiratete sie Oliver Jakobs, den sie zuerst übers Internet kennengelernt hatte, in Addis Abeba, und nach einigen Behördengängen samt Deutsch-Prüfung erhielt sie ein zunächst für drei Jahre gültiges Visum. Seit elf Monaten lebt das Ehepaar in Weitmar, Oliver Jakobs kümmerte sich schon vor ihrer Ankunft darum, dass sie beim TV Wattenscheid auch eine sportliche Heimat findet.

Für den Verein, aber vor allem für Eleni Gebrehiwot ein Glücksfall. „Wohl“ fühle sie sich bei dem Klub, in der Trainingsgruppe von Tono Kirschbaum, sagt Gebrehiwot, und der Lauf-Bundestrainer betont: „Sie ist im Verein sehr gut integriert, hat bei allem Ehrgeiz viel Spaß - und“, so Kirschbaum schmunzelnd, „sie macht den Männern Beine.“ Jan Fitschen zum Beispiel, Jonas Beverungen oder Christoph Lohse. „Für die 10000m“, sagt Gebrehiwot, „ist das für mich eine sehr gute Trainingsgruppe.“ Perspektivisch, ab 2013 oder 2014, soll und will Gebrehiwot im Marathon glänzen.

Im Sommer bremsten sie Fuß- und Wadenprobleme noch ein wenig aus, mittlerweile aber hat sie Fahrt aufgenommen. Der Streckenrekord beim Silvesterlauf in Herne soll nur ein erstes Zeichen gewesen sein. Eine 32er-Zeit über 10000m hält Tono Kirschbaum für „realistisch“. Bei 32:50 Minuten liegt die Norm des DLV für die EM, schneller war in Deutschland 2011 nur Sabrina Mockenhaupt. Um mehr als eine Minute, auf 31:45 müsste sie sich aber steigern, um sich für die Spiele zu qualifizieren.

Wenn sie denn einen deutschen Pass erhält. Der TV 01 steht ihr in allen formalen Anforderungen zur Seite, allein aber muss sie - unter anderem - die obligatorische Integrations-Prüfung meistern, vielleicht Ende April, wenn ihre Deutsch- und Integrations-Kurse an der VHS enden. Beim TV 01, wenn die Presse nicht zuhört, rede sie schon ganz munter drauf los, versichert Kirschbaum.

Ein gutes Zeichen: Ins Doping-Kontroll-System des DLV wurde sie bereits aufgenommen. Und: Nicht international für den DLV, wohl aber bei Deutschen Meisterschaften darf sie ab Mitte Februar starten, weil sie dann seit einem Jahr ihren festen Wohnsitz in Deutschland hat. Im März will Gebrehiwot im 5000m-Crosslauf ihre erste DM bestreiten, im Mai über 10000m, im Juni über 5000m - in Wattenscheid.