Wie in Bochums besten Zeiten

Michael Eckardt
Gewonnen! Yusuke Tasaka, Slawo Freier und (v. l.) Zlatko Dedic freuen sich über den Sieg des VfL Bochum.
Gewonnen! Yusuke Tasaka, Slawo Freier und (v. l.) Zlatko Dedic freuen sich über den Sieg des VfL Bochum.
Foto: Getty Images
Riesenstimmung im fast ausverkauften Stadion, ein umjubelter 3:0-Sieg gegen St. Pauli und eine Atmosphäre wie in den besten Zeiten machten beim VfL Bochum Geschmack auf mehr. Nach dem Abpfiff bildeten sich lange Schlangen von Fans, die Karten das nächste Heimspiel gegen Köln erwerben wollten.

Bochum. Offenbar hat der Aufsichtsrat des VfL Bochum in höchster Not entschlossen mit beiden Händen in den Lostopf gegriffen und dabei den Hauptgewinn gezogen: Riesenstimmung im fast ausverkauften rewirpower-Stadion, ein umjubelter 3:0-Sieg gegen den FC St. Pauli und eine Atmosphäre wie in den besten Zeiten machten Geschmack auf mehr. Und Peter Neururer, von den Fans noch eher dezent gepriesen, hat nicht nur die triste Stimmung in Bochum verscheucht, er liefert im Doppelpass mit der Mannschaft auch noch die im Abstiegskampf dringend benötigten Erfolgserlebnisse ab.

Dass dazu gegen zähe und widerstandsfähige Hamburger erneut, wie in Cottbus, neben Einsatz und Laufbereitschaft eine gehörige Portion Glück nötig war, schmälert nicht das Ergebnis und auch nicht das Erlebnis. Sollte die Partie am kommenden Samstag in Sandhausen nicht komplett in die Binsen gehen, dürfte eine Woche später gegen den 1. FC Köln die Hütte erneut voll sein. Jedenfalls bildeten sich gestern nach dem Abpfiff lange Schlangen von Fans, die Karten für diese Partie erwerben wollten.

Offener Schlagabtausch mit Chancen in Hülle und Fülle

Zwar bestimmte der VfL die ersten Minuten, doch danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, der mit einem rasanten Tempo und Chancen in Hülle und Fülle einherging. Beide Trainer vertrauten ihrer zuletzt erfolgreichen Startelf, und St. Paulis Schlussmann Philipp Tschauner rückte bereits nach wenigen Sekunden in den Blickpunkt - nach Christoph Kramers Kopfballverlängerung eines Freistoßes von Marc Rzatkowski. Der blonde Mittelfeld-Spieler, der ja bekanntlich ab dem Sommer für die Hamburger spielen wird, hatte vor dem Anpfiff seinen festen Willen bekundet, auch gegen seinen neuen Verein alles zu geben: „Als Absteiger zu gehen, wäre ein Albtraum.“

Dass es so weit nicht kommen muss, dafür legte wenig später Kramer den Grundstein. Markus Thorandt stellte sich im Zweikampf etwas ungeschickt an, Kramer, dem Neururer zu diesem Thema ein paar Instruktionen erteilt hatte, fiel, und Schiedsrichter Schmidt zeigte auf den Elfmeterpunkt. Zlatko Dedic verwandelte sicher, es wurde noch lauter im Stadion. Und der Slowene nährte die Hoffnungen der VfL-Fans noch vor der Halbzeitpause. Leon Goretzka hatte das Loch in der Hamburger Abwehr erkannt und blitzschnell durchgespielt - Dedic erhöhte mit seinem siebten Saisontreffer auf 2:0. Der VfL konnte durchatmen, auch dank Torwart Andreas Luthe, der nicht nur bei Daniel Ginczeks Gewaltschuss glänzend reagierte.

„Wir müssen uns beim zwölften Mann bedanken in Verbindung mit Luthe, der uns im Spiel gehalten hat“, kommentierte Neururer am Ende eines endlich mal wieder schönen Fußballtages in Bochum.

Neururer war von der Offensivleistung seiner Mannschaft „begeistert“

Dass der mitunter desorientiert wirkende Michael Lumb nach Lennart Thys Kopfball auf der Linie klären musste, dass Luthe sowohl gegen Thy als auch gegen Kringe Sieger blieb, zeugte allerdings von defensiven Mängeln, die den Gästen allerlei Möglichkeiten bescherten. Vor allem nach Standardsituationen waren die Hamburger klar im Vorteil. Ein Fakt, den Neururer auch in der Euphorie nicht vergessen mochte. Der VfL-Trainer war zwar von der Offensivleistung seiner Mannschaft „begeistert“, konnte aber nicht darüber hinwegsehen, dass „wir hinten viel zu viel zugelassen haben“.

EinzelkritikDoch das interessierte nach der 70. Minute niemanden mehr. Yusuke Tasaka, der zuvor noch an Tschauner gescheitert war, nahm Maß und raubte den VfL-Fans mit dem Tor zum 3:0 sämtliche Zweifel. Der Rest war Bochum, wie es singt und lacht. Ausgerechnet der Hoffnungsträger trat schließlich auf die Euphoriebremse. „Wir haben noch nichts erreicht und sind noch nicht gerettet“, mahnte Peter Neururer.