VfL erspart sich die Frauen

An der Castroper Straße war am „Tag der Deutschen Einheit“ der Name keineswegs Programm. Im Gegenteil. Sechs Jahre nach dem Beginn der Kooperation und vier Jahre nach der Integration in den Verein trennt sich der VfL Bochum zum Ende der Spielzeit 2014/15 wieder von seiner Frauen- und Mädchenfußballabteilung. Das teilte die Vereinsführung am Freitag gegen 17 Uhr kurz und knapp zunächst nur auf seiner Homepage mit.

Die gut 120 Mädchen und Frauen, die in sechs Mannschaften des Vereins spielen, wussten zu diesem Zeitpunkt nichts von der Entscheidung gegen sie. Nach der laufenden Saison stehen sie, nach aktuellem Stand, ohne Heimat da. Die Nachricht über die Trennung verbreitete sich noch am Freitagabend über die sozialen Medien rasend schnell. Trainer und Betreuer sowie die Spielerinnen und deren Angehörige waren wie vor den Kopf gestoßen. Die dritte Frauenmannschaft (Landesliga) und die U15-Juniorinnen nahmen zeitgleich am Bochumer Ballzauber teil. In der Kabine flossen Tränen.

Von der Trennung der Frauenfußball-Sparte, die beim VfL Bochum der Nachwuchsabteilung zugeordnet ist, sind je drei Frauen- und Mädchenmannschaften betroffen. Der Frauen- und Mädchenbereich entstand am 1. Juli 2010 durch den Beitritt der Frauenfußballabteilung des TuS Harpen und der Übernahme der Spielrechte der SG Wattenscheid 09. Der VfL ging damit den vom Deutschen Fußball Bund gewünschten Weg, sich mehr in den Frauenfußball einzubringen und profitierte davon auch beim Ausbau des eigenen Stadions zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

Jetzt hat sich der VfL-Vorstand, in Rücksprache mit dem Aufsichtsrat, gegen die Frauen entschieden. Dem Vernehmen nach geht es um eine Summe von etwa 120000 Euro, die der VfL jährlich für seine sechs weiblichen Mannschaften aufbringen muss. Vor dem Hintergrund der finanziellen Belastung und den angestrebten Einsparungen sieht sich der VfL Bochum, nach eigenen Angaben, nicht anders in der Lage, als seine Frauen loszuwerden.

Den beiden Koordinatoren Willi Wernick und Regina Müller und den Frauen-Trainern wurde die Entscheidung, einige Minuten vor der Veröffentlichung auf der Homepage des Vereins, durch die VfL-Vorstände Christian Hochstätter und Wilken Engelbracht mitgeteilt: „Wir wurden zwei Tage zuvor zu einem Informationsgespräch eingeladen. Zu dem Zeitpunkt wussten wir von nichts. Herrn Engelbracht haben wir bei diesem Gespräch zum ersten Mal überhaupt gesehen. Auch Herr Hochstätter hat vorher nicht einmal das Gespräch mit uns gesucht. Wir kennen alle das Leitbild unseres VfL Bochum und erwarten, gerade auch von Vorstandsmitgliedern, dass sie sich daran halten. Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis, akzeptieren sie aber nicht. Wir hoffen, dass die Mitglieder und Fans des VfL sowie die Stadt Bochum, wie so oft in den letzten Jahren, nachhaltig hinter uns stehen. Das letzte Wort ist mit Sicherheit noch nicht gesprochen. Wir wollen auch über diese Saison hinaus mit großem Herz und sportlichem Erfolgen die Farben unseres VfL Bochum vertreten“, gab sich Frauen-Koordinator Willi Wernick in einer ersten Erklärung kämpferisch.

 
 

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