Toku kündigt Konsequenzen an

Werden sich die Wattenscheider (v.l. Christ Kasela Mbona, Jan Gendreizig, Mario Klinger) noch mal aufrichten können?
Werden sich die Wattenscheider (v.l. Christ Kasela Mbona, Jan Gendreizig, Mario Klinger) noch mal aufrichten können?
Foto: FUNKE Foto Services

SG Wattenscheid 09 -
KFC Uerdingen 05 0:4 (0:3)

SG 09: Boss - Tobor, Schneider, Clever, Stahmer - Saka (54. Gendreizig), Mohammad (46. Mbona), Grummel, Avci - Taskin (46. Klinger), Kaya

Tore: 0:1, 0:2 Buckmaier (8., 38.), 0:3 Aydin (40.), 0:4 Hirsch (69.)

Zuschauer: 873

Die Fans des KFC Uerdingen feierten schon früh ihre ganz eigene Party im Lohrheidestadion, und sie hatten allen Grund dazu. „Auf Wiedersehen“, riefen sie schon nach 40 Minuten in Richtung der Wattenscheider Fans – nicht etwa, weil ihre eigene Mannschaft schlecht gespielt hätte. Sondern weil ein paar 09-Anhänger das Stadion da bereits verlassen hatten, andere ein „Versager“-Plakat an den Zaun hingen. 0:3 noch vor dem Pausenpfiff, dazu die Häme der Uerdinger.

Das saß.
Weil Schalke II ein Remis gegen Lotte holte und nur noch einen Punkt hinter Wattenscheid rangiert, steckt die SG 09 Mitte April knietief im Abstiegskampf fest. Was die ohnehin angespannte Stimmung vor der Jahreshauptversammlung in zwei Tagen weiterhin verschärfen dürfte.

„Ich entschuldige mich bei den Fans für die heutige Leistung meiner Mannschaft. Wir werden Konsequenzen ziehen, die wir uns emotionslos überlegen werden. Wir werden die letzten sechs Spiele nur mit den Spielern bestreiten, die es verdient haben, das Trikot der SG Wattenscheid 09 zu tragen“, sagte Trainer Farat Toku.

Er war stocksauer und raufte sich schon nach einer Viertelstunde zum ersten Mal die Haare, weil die SG 09 überhaupt nicht ins Spiel gefunden hatte. Der KFC trat deutlich aggressiver, entschlossener, im Mittelfeld viel impulsiver auf als die Wattenscheider. Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Spieler mit ihren Gedanken überall waren. Vielleicht bei den Problemen im Umfeld, vielleicht bei der Ungewissheit, was die nächste Saison betrifft – auf dem Platz jedenfalls fanden sie mental und physisch kaum statt.

Bittere Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Nico Buckmaier – einer der ehemaligen Spieler aus der gefeierten Truppe von Ex-Trainer André Pawlak – den Zerfall der 09er mit zwei Toren einleitete. Beim 0:1 staubte er nach einer zu kurz geklärten Freistoßvariante von Rico Weiler ab (8.). Beim 0:2 hatten zwei seiner Kollegen den Wattenscheider Spielaufbau zum x-ten Mal per Grätsche gestört, Buckmaier damit auf die Reise geschickt – und der ließ sich nicht zweimal bitten (38.). Kurz darauf setzten die kämpferisch und spielerisch weitaus besseren Uerdinger mit dem Tor von Aliosman Aydin bereits zum K.O.-Schlag an (40.). Der Einzige, der sich bei Wattenscheid wirklich reinschmiss, war Nino Saka. In der zweiten Halbzeit gab Wattenscheid sich zwar nicht gänzlich auf, immerhin. Doch der Punch, die Gier, die Durchschlagskraft – sie fehlten, wie so oft, zu oft in letzter Zeit. So hatte Uerdingen seine helle Freude an Kontermöglichkeiten, erzielte noch das 0:4 durch Sebastian Hirsch. Farat Toku musste all‘ das am Spielfeldrand über sich ergehen lassen, tat dies beinahe stoisch.

Die Zuschauer hatten darauf keine Lust. Sie waren da schon fast alle gegangen.

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