Matchball Frankreich

Sie jubelten bereits über ihren ersten Sieg, als die Weltmeisterschaft noch gar nicht richtig begonnen hatte. Noch vor der offiziellen Eröffnung am Sonntag, trat Frankreich gegen Nigeria an und konnte durch das Siegtor von Marie-Laure Delie die ersten drei Punkte des Turniers einfahren. Das heißt für das heutige Spiel gegen Kanada in Bochum (18 Uhr) vor allem eins: Mit einem weiteren Sieg kann Deutschlands Gegner in der Gruppe A schon den Einzug ins Viertelfinale perfekt machen.

Bruno Bini, seit Anfang 2007 Trainer der Französinnen, ist sich sicher, dass dies auch gelingen wird. Denn schon lange vor dem eigentlichen Turnier verkündete er mehrfach öffentlich: „Dass Deutschland immer gewinnt, wird aufhören. Wir sind auch einer der Titelfavoriten. Unsere Gruppengegner werden sicherlich nicht gerne gegen uns spielen.“

Als Siebter der Fifa-Rangliste ist die „Equipe Tricolore” tatsächlich eine der Top-Mannschaften im Turnier. Doch allzu große Erfolge konnten die Französinnen in der bisherigen WM-Geschichte nicht landen, denn nur einmal, im Jahre 2003, gelang überhaupt die Teilnahme und da war bereits nach der Vorrunde Schluss. Damit dies nicht wieder passiert, werden sich „Les Bleus” ganz sicher ins Zeug legen.

Namen, die sich die Fans schon jetzt merken sollten sind Louisa Nécib und Sandrine Soubeyrand. Die 24-jährige Mittelfeldstrategin Nécib spielt in der US-Profiliga beim FC Gold Pride. Dort holte sie zusammen mit dem brasilianischen Weltstar Marta 2010 die Meisterschaft. Sandrine Soubeyrand ist eher im Strafraum zu Hause. Mit ihren 37 Jahren zählt sie nicht nur zu den ältesten Akteurinnen der WM, sie ist mit mehr als 150 absolvierten Länderspielen auch Rekordnationalspielerin der „Equipe Tricolore.”

Für Frankreichs Gegner Kanada geht es nach der 1:2- Auftaktniederlage gegen Deutschland heute schon um alles oder nichts. Eine Niederlage gegen die Bini-Elf würde für das Team der ehemaligen italienischen Nationalspielerin Carolina Morace schon das WM-Aus bedeuten. „Wir haben die Gewissheit, gegen Deutschland gut gespielt zu haben. Das ist für die Moral ganz wichtig”, kann Morace der Auftakt-Niederlage immerhin noch etwas Positives abgewinnen.

Ein großes Plus für die „Big Red” ist die größere WM-Erfahrung. Denn nach 1995, 1999, 2003 und 2007 nimmt Kanada nun schon zum fünften Mal am weltgrößten Frauenfußball-Turnier teil. 2003 in den USA erreichte der Sechste der Weltrangliste sogar den vierten Platz.

Aufmerksamkeit erregte in der Auftaktpartie vor allem Spielführerin Christine Sinclair. Die 28-Jährige erzielte in ihrem 161. Länderspiel nicht nur den wunderschönen Freistoßtreffer der Kanadierinnen, sie erlitt auch noch einen Nasenbeinbruch und spielte dennoch bis zum Ende durch. Ihr Einsatz gegen Frankreich ist noch fraglich. Morace jedenfalls möchte nur ungern auf ihre Top-Torschützin verzichten: „Zur Not spielt sie mit Gesichtsmaske.”

Nicht nur im Sturm haben die Kanadierinnen Top-Spielerinnen. Auch Torfrau Karina LeBlanc und Abwehrspielerin Emilie Wilkinson haben Weltklasse-Format.

Das sollten sie gegen Frankreich unbedingt zeigen, denn sonst kann die Morace-Elf schon früher als geplant wieder nach Hause fliegen.

 
 

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