Kontrollierte Höchstleistung

Foto: WAZ FotoPool

Die Atemmaske sitzt eng am Kopf, die EKG-Elektroden kleben am Oberkörper, die Blutdruckmanschette umfasst den rechten Oberarm. Kristof Wilke (26) sitzt auf dem Fahrrad-Ergometer und tritt in die Pedale - immer kräftiger. Sein Blick ist starr, der Schweiß rinnt, die Beine geben alles. Nebenan bereitet sich Anke Libuda (32) auf ihren Test vor. Gleich steigt sie auf das Laufband, beginnt ebenfalls langsam und wird dann immer schneller, am Ende wird sie Renntempo erreichen. Kristof Wilke, Ruder-Weltmeister im deutschen Achter 2009, 2010 und 2011, und Anke Libuda, Ultramarathon-Läuferin, sind Ausdauersportler und absolvieren gerade in der Arztpraxis von Dr. Joachim Schubert und Dr. Simone Löwe eine Leistungsdiagnostik.

20 Minuten vorher. Wilke hat die Wahl. Soll es der extrem schmale Rennsattel sein oder doch das bequemere Modell? Der Lehramts-Student an der RUB, der sich mit rund 26 Stunden wöchentlichem Training in der Vorbereitung auf Olympia befindet, entscheidet sich für jenes mit mehr Sitzkomfort. Dann sucht Diplom-Sportwissenschaftler Lars Gülland die Atemmaske mit der richtigen Größe aus. „Wir führen die Leistungsdiagnostik immer als Spiroergometrie durch, denn die Atmung ist für die Energiebereitstellung im Körper ein wichtiger Faktor. Dabei messen wir die Atemgase, also die Sauerstoffaufnahme und die CO2-Abgabe“, sagt Gülland und zieht die Kunststoffmaske am Kopf des 26-Jährigen fest.

Beobachtet vom Bochumer Sportmediziner Joachim Schubert, der rät: „Bei Profis und ambitionierten Sportlern“ - wie Wilke und Libuda - „dient die Leistungsdiagnostik in erster Linie zur Trainingssteuerung und zum Ausschluss einer schädigenden Wirkung des Trainings auf den Körper. Aber auch Hobbysportler sollten eine Leistungsdiagnostik durchführen, um Vorschäden und bislang unbemerkte Erkrankungen auszuschließen.“ So sei bei jedem 500. Europäer eine Herzmuskelerkrankung angeboren, die bei intensiver sportlicher Betätigung lebensgefährlich sein könne. „Durch die Leistungsdiagnostik können Herzklappenerkrankungen, Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen erkannt werden“, so Schubert.

Inzwischen steht Anke Libuda, die „Dauerläuferin“ der BSG Springorum, auf dem Laufband. Die 32-jährige Maschinenbau-Ingenieurin beginnt zu laufen, findet ihren Rhythmus. Auf den zwei Computermonitoren setzen sich verschiedene Messdaten und Kurvendiagramme in Bewegung. Gülland hat die Werte wie Puls und Atemgase im Blick, nimmt ihr regelmäßig ein paar Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen ab. „Anhand der Laktatkurve unter Belastung können wir später die anaerobe Schwelle bestimmen und dadurch das Training optimal steuern“, erklärt Gülland.

Libudas Beine indes werden immer schneller, bis das Display schließlich 16,5 km/h anzeigt: „Das war Endspurttempo. Da sind die Beine blau geworden.“ Heißt: Die Beine haben nicht mehr genug Sauerstoff zugeführt bekommen und machen schlapp. Laufband und Läuferin kommen zum Stillstand.

Ergebnis für Anke Libuda, die am 24. Juni mit dem 12-Stunden-Lauf in Brühl vor ihrer nächsten großen Herausforderung steht, so Gülland: Extensives Laufen im Pulsbereich 148 bis 168 Schläge pro Minute, um die Fettstoffaktivität zu optimieren, und mehr Intervalltrainingseinheiten, um die Regenerationsfähigkeit zu verbessern. Angesichts ihres hervorragenden konditionellen Zustandes macht er ihr Mut für ihr neues Abenteuer: „Wenn sie ihr Tempo zwischen 9,5 und 11,5 km/h hält, wird sie die 12 Stunden durchlaufen können.“

Gesundheitliche Bedenken? Fehlanzeige.

 
 

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