Kinder unter sich

Die (beinahe) einzige Aufgabe des Spielleiters: Die Begrüßung.
Die (beinahe) einzige Aufgabe des Spielleiters: Die Begrüßung.
Foto: WAZ FotoPool

Aggressionen und negative Stimmung gegenüber Schiedsrichtern - eine Thematik, die nach dem tätlichen Angriff auf einen Unparteiischen am vergangenen Sonntag (WAZ berichtete) wieder erheblich an Aktualität gewonnen hat. „Passend“ zum Anlass fand am Samstag bei der DJK Wattenscheid der „1. Fair-Play-Treff“ für E-Jugendmannschaften statt. Auffälligste Regeländerung hierbei: Es wird ohne Schiedsrichter gespielt.

Neu ist diese Idee nicht. Bereits der gesamte Verband Mittelrhein und einige Kreise im Verband Niederrhein und Niedersachsen spielen in den Spielklassen für Grunschulkinder nach den Regeln der soganannten „FairPlayLiga“. Wichtigste Reformansätze in dem Konzept: Ein Spielleiter ist lediglich für An- und Abpfiff zuständig. Ansonsten greift er nur dann ein, wenn sich die Kinder nach einem Regelverstoß in ihrer Entscheidungsfindung überhaupt nicht einig werden. Die Eltern und Zuschauer, die im normalen Ligabetrieb direkt an der Seitenauslinie des Kleinfelds stehen, müssen sich hinter die auf einem Sportplatz üblichen Barrieren „verkrümeln“. Die Rahmenbedingungen im Kinderfußball sollen so beruhigt werden, „um für die eigentlichen Ziele zu sensibilisieren“, lautet der Leitspruch. Die Kinder sollen „Fußball spielen und sich um nichts anderes kümmern müssen“, bekräftigt Thomas Harder, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses Bochum. Er war einer der Initiatoren des „1. Fair-Play-Treffs“ und sieht vor allem in der „anerzogenen Unselbstständigkeit“ der Kinder ein Problem. Diese zeige sich durch ständige unsichere Blicke zu schimpfenden Eltern und lautstarken Trainern.

Am Samstag bot sich ein anderes Bild: Die Eltern beobachteten die Spiele aus rund 30 Metern Entfernung. Die Trainer blieben in ihrer „Coaching-Zone“ und Spielleiter Christopher Feldhaus musste nie großartig eingreifen. Die Kinder lösten die Herausforderung der fehlenden Institution Schiedsrichter zumeist dadurch, dass sie auch in freistoßwürdigen Situationen das Spiel einfach fortsetzten und so den Weg des geringsten Widerstands gingen. Dies stieß zum Teil auf Ärger: „Ich will einen Schiri, das war unfair“, beschwerte sich ein Spieler der DJK Wattenscheid, nachdem er von den Beinen geholt wurde und das Spiel trotzdem weiter lief. Auch Marcelo Totedo, Trainer des BV Hiltrop, hält den Ansatz des „Fair-Play-Treffs“ zwar für gut, „für die Liga aber nicht praktikabel“. Nicht selten nämlich gab es suchende Blicke nach einem Schiedsrichter, der allerdings nicht existierte.

Größtenteils gab es jedoch auf Trainer-, Spieler- und auch Elternseite ein positives Echo für das Spiel ohne Schiedsrichter. „Das Projekt hat eine Fortsetzung verdient“, sagte auch Thomas Harder und liebäugelte mit einem weiteren, größer angelegten Turnier oder einem Freundschaftsspiel, um „die Sache vielleicht mittelfristig in den Meisterschaftsbetrieb aufnehmen zu können. Wir wollen keinen emotionlosen Fußball“, so Harder weiter. Doch hat der oftmals falsche Ehrgeiz der Eltern und ihr Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern häufig zur Folge, dass die Kinder genauso agieren. Daher die große räumliche Distanz zum Spielgeschehen: So sollen die Kinder ein Stück weit weg vom Wettkampfgedanken und hin zu mehr Spaß und Bewegung beim Fußball kommen.

 
 

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