Gökhan Gül: „Man muss klar im Kopf sein“

Nimmt auf dem Platz eine zentrale Rolle ein: Gökhan Gül, hier in einem Spiel gegen den Schalker Nachwuchs.
Nimmt auf dem Platz eine zentrale Rolle ein: Gökhan Gül, hier in einem Spiel gegen den Schalker Nachwuchs.
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
Wenn Fußball ein Schulfach wäre, dann wäre Gökhan Gül wohl der größte Streber. Das 16-jährige Talent des VfL Bochum hat schon zweimal einen Jahrgang übersprungen.

Wenn Fußball ein Schulfach wäre, dann wäre Gökhan Gül wohl der größte Streber. Der 16-Jährige hat schon zweimal einen Jahrgang übersprungen, kickt aktuell für die U19 des VfL und die deutsche U18-Nationalmannschaft. Sein Erfolgsrezept heißt harte Arbeit: „Talent allein reicht nicht aus. Man muss im Kopf klar sein und auch mal Extraschichten machen.“

Seit der U8 spielt Gül beim VfL, fühlt sich dementsprechend als „Bochumer Junge“. Angefangen hat er jedoch beim VfB Habinghorst. Beim Probetraining des VfL fiel er damals direkt als Stürmer auf und bewies sich als Knipser, holte in der F1-Jugend sogar die Torjägerkanone. Über die Jahre hat sich bei Gül die Position verändert. Für den einstigen Stümer ging es immer weiter nach hinten, bis in die Innenverteidigung. Seit der B-Jugend spielt Gül auch im defensiven Mittelfeld. Dort hat er sich seinen Spitznamen „Pac-Man“ verdient, weil der zweikampf- und kopfballstarke Sechser die Gegner förmlich „frisst“. „Es ist wichtig, mehrere Positionen gut zu beherrschen“, sagt Gül.

Eigentlich ging Güls Weg in Bochum stetig nach oben, nur in der U13 und U14 stand er mal kurz vor dem Aus. „Da war ich ein bisschen pummelig, mir hat die Schnelligkeit gefehlt. Das war auch ein Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich immer Gas geben muss“, erinnert sich Gül, machte fortan Sprints im Garten und erarbeitete sich seinen Stammplatz zurück. In der vergangenen Saison war er einer der Führungsspieler bei der erfolgreichen U17-Mannschaft des VfL, in dieser Spielzeit hat er sich bereits in der U19 unverzichtbar gemacht.

Nicht nur beim VfL, auch in der deutschen Nationalmannschaft hat Gül eine steile Karriere hingelegt. Güls Wurzeln liegen in der Türkei, er und seine Familie sind aber hier geboren. Irgendwann einmal würde der Galatasaray-Fan gerne A-Nationalspieler sein, „für welches Land, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das ist alles noch so weit weg.“ Seit der U16 spielt er mit dem Adler auf der Brust, trägt sogar die Kapitänsbinde. „Das ist ein geiles Gefühl, es gibt nichts Besseres“, sagt Gül, der auch als Jüngster bei Bochums U19 eine Führungsrolle übernehmen möchte: „Es spielt ja keine Rolle, wie alt man ist.“

Geerdet wird er bei der Familie in Castrop-Rauxel. Dort lebt Gül mit seinen zwei Geschwistern bei den Eltern. „Familie ist alles für mich. Das Fußball-Talent habe ich wahrscheinlich von meinem Vater geerbt, der hat in der Bezirksliga gespielt“, sagt Gül. Früher musste Papa Gül den Sohnemann zum Training fahren, heute erledigt das ein Bringdienst des VfL, auch einen Berater hat Gül bereits. Seine Begründung: „Alles um mich herum ist professioneller geworden, deswegen wollte ich mir auch ein professionelles Umfeld schaffen.“

Güls Talent hat sich schnell herumgesprochen, doch auch wenn andere Vereine angeklopft haben, stand die Entscheidung schnell fest. „Ich habe mich hier immer wohl gefühlt“, sagt Gül. Bis 2018 läuft sein gerade erst verlängerter Vertrag, nebenbei absolviert er eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement in der Nachwuchsabteilung des VfL. Nach dem Training geht es also hoch auf die Geschäftsstelle. Bis zum Ende der Vertragslaufzeit hat Gül sich klare Ziele gesteckt: „Mit 17 Jahren bin ich für die erste Mannschaft spielberechtigt, dann möchte ich unbedingt einmal im rewirpower-Stadion spielen.“

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