Das Ende einer Schach-Ära

„Das Gesicht“ des Erstligisten SV Wattenscheid 30: Mannschaftsführer Ulrich Wolf.
„Das Gesicht“ des Erstligisten SV Wattenscheid 30: Mannschaftsführer Ulrich Wolf.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Für die Schach-Welt ist das ein kleiner Schock: Der SV Wattenscheid 30 zieht sich nach 16 Jahren in der 1. Bundesliga aus der Beletage zurück. Vermutlich startet man in der dritten Liga einen Neuanfang. Am Geld soll es nicht gelegen haben.

„Der Abschied“, sagt Veit Kempen, „tut nach 16 Jahren auch weh.“ Doch der Entschluss steht: Der SV Wattenscheid 30 zieht sich aus der 1. Schach-Bundesliga zurück, fast alle zuletzt eingesetzten Spieler in der Beletage werden künftig für andere Klubs antreten. In welcher Klasse es weiter geht, sollen zeitnah auch die Mitglieder entscheiden. In der 2. Liga wolle man nicht antreten, sagt Kempen. Gut möglich, dass der SV 30 mit seinem stärksten Team in der NRW-Oberliga, der dritthöchsten Kasse, neu startet, in der die zweite Mannschaft derzeit ja auch spielt.

Mit einem Sieg gegen Trier und zwei Niederlagen gegen Mülheim und Solingen zum Abschluss dieser Saison in Eppingen endete damit eine Ära für den sportlich qualifizierten SV Wattenscheid 30. 16 Jahre lang spielte der kleine Verein in der ersten Klasse der Großmeister mit, landete beständig im Mittelfeld der Liga. Der größte Triumph war die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft im Blitzschach 2005 an eigenen Brettern.

Geld, so Kempen, spielte bei dem vom Vorstand nun beschlossenen Rückzug keine Rolle. Man sei im Sponsoring gut aufgestellt, hätte „noch 20 Jahre so weiterspielen können“. Doch zum einen fehlte es dem Verein, der nur 66 (allesamt aktive) Mitglieder zählt, an „Manpower“, sagt der Vorsitzende. An Helfern, Funktionsträgern. Zumal fast alle Mitglieder an den Wochenenden selbst im Einsatz sind in den sieben Teams. Hinzu kommen eine Jugend- und Frauenmannschaft.

Und, so begründet es der Verein in seinem Schreiben an den Verband: „Wir haben immer Wert darauf gelegt, mit mindestens 50 Prozent deutschen Spielern an die Bretter zu gehen, was zum Schluss aus diversen Gründen zunehmend schwieriger wurde. Die Entwicklung zu einer reinen Legionärstruppe kam für Verein und Vorstand nicht in Frage.“ Nur mit (teuren) Topspielern aus dem Ausland aber kann man in der 1. Liga mittelfristig mithalten. Und: Zu den Partien kommen nicht zuletzt wegen Live-Übertragungen im Internet immer weniger Zuschauer. Hoher Aufwand, wenig Resonanz.

Diese Rechnung will der SV 30 nicht mehr mittragen, setzt nun verstärkt auf die Jugend, auf Nachwuchsförderung. So gibt es im benachbarten Kindergarten bereits ein Projekt „Schach for kids“, das auf reges Interesse stößt. Im Sommer bei der Jahreshauptversammlung, so Kempen, werde er ein Jahr vor Amtsende seinen Vorsitz abgeben. Auch hier: ein Neuanfang.

Weiter an Bord bleibt ein Aushängeschild nicht nur des Wattenscheider Schach-Sports: Ulrich Wolf, der 16 Jahre lang als Mannschaftsführer den Erstligisten prägte. Er wird weiter im Vorstand sein - und weiter selbst Schach spielen.

Ansonsten dürften aus der aus ganz Deutschland und anderen Ländern zusammengestellten ersten Mannschaft nur Alex Rustemov - aus langjähriger Verbundenheit - und Thomas Thiel bleiben.

DIE SG BOCHUM 31 STEIGT IN DIE DRITTE LIGA AB

Die SG Bochum 31 hat zum Abschluss der 2. Bundesliga zwar mit 4,5:3,5 gegen Godesberg gewonnen, doch ein Brettpunkt fehlte, um den Klassenerhalt zu schaffen. Der Abstieg in die NRW-Oberliga ist besiegelt.

1999 hatte sich die SG 31 nach 20 Jahren aus der 1. Bundesliga zurückgezogen. Ziel: Jugendförderung. Mit Erfolg, die SG 31 stellt mit dem mehrmaligen U20-Mannschaftsmeister historisch die erfolgreichste Jugend des Landes. Doch zuletzt fehlte es an Sponsoren und Mittel selbst für Fahrtkosten: „Ein Aushängeschild der Stadt hat keine Zukunft mehr“, bedauert SG-31-Urgestein Norbert Franke.

Damit ist der Bochumer SV 02, jahrelang nur die Nummer drei hinter dem SV Wattenscheid und der SG 31, lokal nun die Nummer eins. Der BSV schloss die Zweitliga-Saison als Vierter ab.

 
 

EURE FAVORITEN