Rita Brouwer fällt der Abschied nach 35 Jahren schwer

Vorbildliche Wurfhaltung: Linkshänderin Rita Brouwer nutzt auf der rechten Außenposition ihre Freiräume und schließt auch diesen Angriff erfolgreich ab. Die 47-Jährige muss aufgrund einer Verletzung ihre großartige Laufbahn beenden. Am 15. August wird es ein Abschiedsspiel geben.
Vorbildliche Wurfhaltung: Linkshänderin Rita Brouwer nutzt auf der rechten Außenposition ihre Freiräume und schließt auch diesen Angriff erfolgreich ab. Die 47-Jährige muss aufgrund einer Verletzung ihre großartige Laufbahn beenden. Am 15. August wird es ein Abschiedsspiel geben.
Foto: SGR
Rita Brouwer, Linkshänderin des Bezirksligisten SG Ruhrtal, ist seit 35 Jahren dem Handballsport treu. Eine Verletzung zwingt sie nun zum Aufhören.

Oeventrop..  Das ist Leidenschaft in reinster Form. Rita Brouwer ist seit 35 Jahren dem Handballsport treu. Wenn sie aufläuft, blüht die 47-Jährige förmlich auf. Doch jetzt wird ein Schlussstrich gezogen. Die zierliche und torgefährliche Linkshänderin auf der rechten Außenposition, die seit 1990 für die SG Ruhrtal auf Torejagd geht und seitdem das Trikot mit der Nummer 9 trägt, muss aufgrund einer Achillessehnenverletzung aufhören. Es fällt ihr schwer, sich mit diesem Gedanken anzufreunden. Aber der Rat der Ärzte ist unmissverständlich. Ihr Abschiedsspiel ist für den 15. August (18 Uhr) geplant. Das aktuelle Bezirksliga-Team trifft dann auf eine Oldie-Auswahl, die den Verbandsliga-Aufstieg geschafft hat.

Wackler-Königin mit Torinstinkt

„Tore zu werfen, ist einfach schön. Und dann noch einen Erfolg mit der Mannschaft zu erzielen, ist noch viel schöner“, beschreibt die konditionsstarke Mannschaftssportlerin ihre Begeisterung. Ab und zu ist die Linkshänderin auch im Rückraum eingesetzt worden. Doch die rechte Außenposition ist ihr Lieblings-Revier. Die variantenreiche Wackler-Königin ist wegen ihrer überragenden Treffsicherheit von Außen und von der „Marke“ gefürchtet. Diese Qualitäten wussten und wissen ihre Trainer zu schätzen. „Ich habe auch schon einige Mal eine Trefferquote im zweistelligen Bereich gehabt“, lässt Rita Brouwer, die in Oeventrop beheimatet ist und in Eslohe als Zahnarzthelferin sowie als angelernte Kunststofftechnikerin arbeitet, Zahlen sprechen.

Die routinierte Handballerin hat in ihrer glanzvollen Karriere einiges erlebt. Mit 12 Jahren ist sie in Eslohe erstmals zu einem Handball-Training gegangen. „In Eslohe wurde ja sonst nicht soviel geboten“, erinnert sich Brouwer an ihre Jugendzeit. Ein Ausflug in den Reitsport war nur von kurzer Dauer. Die Vollblut-Handballerin hatte schon früh ihre sportlichen Vorlieben entdeckt. 1990 folgte dann der Wechsel zur SG Ruhrtal. Die damalige Landesliga-Mannschaft wurde von Lorenz Stirnberg trainiert. Im Jahre 1996 schaffte die SG Ruhrtal unter der Regie von Andreas Brüggemeier (jetzt TV Arnsberg) sogar den Aufstieg in die Verbandsliga. Nach drei Jahren ging’s dann wieder zurück in die Landesliga und 2006 mussten die Ruhrtaler Damen den Abstieg in die Bezirksliga in Kauf nehmen. Wenn es eine Klasse tiefer geht, ist die Enttäuschung in jeder Sportdisziplin immer groß. Auch für Rita Brouwer, die als äußerst ehrgeizig gilt und möglichst keinen Trainingsabend ausfallen lässt, waren es besonders bittere Momente. Doch sie hat sich stets wieder aufgerappelt.

Den Aufstieg in die Verbandsliga stuft sie als eines ihrer persönlichen Highlights ein. Unvergesslich ist aber auch die Begegnung im Jahre 1993 mit der Sauerland-Auswahl gegen den Bundesligisten Bayer Leverkusen in der Arnsberger Rundturnhalle geblieben. In bester Erinnerung ist zudem ebenfalls das Freundschaftsspiel aus dem Jahre 1996 mit der damaligen Verbandsliga-Mannschaft der SG Ruhrtal gegen den Bundesligisten Borussia Dortmund, der mit zahlreichen Nationalspielerinnen antrat. „Wir haben zwar mit 14:28 verloren, zur Halbzeit aber ein 7:7-Remis geschafft“, erläuterte Brouwer nach einem Blick in ihr persönliches Archiv.

Und werden die Hallenschuhe tatsächlich nach dem 15. August an den Nagel gehängt? „Nun, das hängt von den Beschwerden ab. Aber das eine oder andere Spiel möchte ich vielleicht in unserer zweiten Mannschaft bestreiten, die ja nur zwölf Spiele austrägt“, ist Brouwer noch nicht ganz vom sportlichen Ruhestand überzeugt. Im Moment zwickt jedenfalls mächtig die linke Achillessehne, die rechte ist 2006 gerissen. Doch die „Nummer 9“ gibt nicht so schnell auf.

Langweilig wird es ohnehin nicht. Denn ihre 15-jährige Tochter Celine ist ebenfalls Handballerin und spielt seit kurzem für den TV Wickede/Ruhr. Ihr Ehemann Jörg ist passionierter Triathlet und 2. Vorsitzender vom TriFun Hennesee. Zudem ist Rita Brouwer in Besitz der Trainer-C-Lizenz und coacht seit einigen Jahren Jugendmannschaften der SG Ruhrtal. Einige ihrer aktuellen Mitspielerinnen hat sie als Jugendliche trainiert.

„Die alten Ruhrtaler“

Mindestens bis Mitte August muss Rita Brouwer auf alle Fälle topfit bleiben. Die Vorbereitungen für ihr Abschiedsspiel laufen nämlich auf Hochtouren. Die bedruckten Spezial-Trikots sind bereits angefertigt worden und das Oldie-Team, das unter dem Namen „Die alten Ruhrtaler“ auflaufen wird, hat sich zu einer Trainingsrunde verabredet. „Klar bin ich aufgeregt. Ich habe jetzt schon eine Gänsehaut“, gesteht die Handballerin im Gespräch mit der Sportredaktion. Die Vorfreude ist bereits in diesen Tagen riesig, und der Drang zum Tor ist allemal ungebrochen.

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