Paul Freier vom VfL Bochum lag oft am Boden - Profi-Karriere mit Höhen und Tiefen

Schmerzverzerrtes Gesicht: Paul Freier vom VfL Bochum lag oft verletzt am Boden.
Schmerzverzerrtes Gesicht: Paul Freier vom VfL Bochum lag oft verletzt am Boden.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Seine Karriere im Profi-Fußball ist gepflastert mit Höhen und Tiefen. Oft lag er am Boden. Vier schwere Verletzungen in fünf Jahren haben Slawomir Paul Freier zugesetzt. Ein Rückschlag kam nach dem anderen. Die Verletzungswelle brach über ihn herein wie ein Fass ohne Boden. Freier kam aus dem Tritt. Jetzt ist er wieder fit und will nochmal angreifen beim VfL Bochum.

Arnsberg/Bochum.. Dabei wird Paul Freier nach eigener Aussage „immer schön auf dem Boden bleiben". Er weiß nach zwölf Jahren im Profigeschäft wie schnell man wieder den Boden unter den Füßen verlieren kann. 321 Erst- und Zweitliga-Spiele hat Freier bestritten. Es hätten mehr Einsätze sein können ohne die ständigen Einschnitte durch das Verletzungspech.

Ans Aufhören denkt der 32-Jährige längst nicht. "Ich habe ja noch großen Spaß am Fußball. Wenn ich verletzungsfrei bleibe, will ich noch ein paar Jahre spielen“, sagte der Vorzeige-Kicker aus dem Sauerland nach einem Testspiel in Brilon. Bis 2013 läuft sein Vertrag beim VfL Bochum. Was danach passieren wird, wartet Paul Freier gelassen ab.

Mit Trainer Bergmann auf dem richtigen Weg

Der Zweitligist leitet gerade einen personellen Umbruch ein. Es gab vor der Saison eine erste Blutauffrischung im Kader. Paul Freier: „Wir haben sehr viele junge Spieler dazubekommen. Die müssen schnell integriert werden.“ Trainer Andreas Bergmann setzt dabei auch auf die Routine von Freier. „Paul hat immer noch eine hohe Qualität. Er kann mit seiner Erfahrung und seiner Klasse noch die neue Entwicklung in unserer Mannschaft einleiten." Beschnuppert haben sich die alten und neuen Spieler bereits beim Trainingslager in Willingen.

Dort haben die VfL-Profis in der ersten Vorbereitungsphase hart gearbeitet. Paul Freier hatte anschließend einen guten Eindruck. Mit Coach Bergmann sei Bochum sportlich auf dem richtigen Weg in eine neue Zukunft. Freier: „Der Trainer ist ein sehr positiver Typ. Er versucht, alles aus uns herauszukitzeln und wir versuchen das umzusetzen.“ Nach den schweißtreibenden Konditionseinheiten im Sauerland darf die Mannschaft in dieser Woche entspannen. Freier und der VfL haben freie Tage. Ab 22. Juli wird in der Sportschule Barsinghausen (Niedersachsen) der zweite Vorbereitungsteil gestartet. „Da holen wir uns den letzten Schliff für eine hoffentlich gute Saison“, sagt Paul Freier voller Optimismus.

Träume mit mehr als 30 Jahren sind eigentlich nicht mehr sein Ding. Aber natürlich hat auch Freier die Erste Liga noch im Hinterkopf: „Für uns ältere Spieler wäre es etwas Besonderes, wenn wir nochmal den Aufstieg schaffen könnten. Nur das ist ein sehr langer Weg.“ Und viel Zeit bleibt unter Umständen auch nicht mehr. Slawo Freier muss wie einige andere gut dotierte VfL-Profis über 30 damit rechnen, dass er 2013 dem Verjüngungsprozess selbst zum Opfer fallen wird. Neun Verträge (u.a. von Dabrowski, Maltritz, Dedic und Iashvilli) laufen in einem Jahr aus. Dann soll der radikale Umbruch beim VfL abgeschlossen sein.

Erste schwere Verletzung in Leverkusen

Offenbar scheint dem Bochumer Sportvorstand auch das Verletzungsrisiko bei einigen "älteren Herren" im Kader zu groß. Der Leidensweg von Paul Freier ist ein trauriges Beispiel: Gesundheitlich das erste Mal richtig erwischt hatte es ihn im Juli 2007. In seiner dritten Saison beim Erstligisten Bayer Leverkusen wollte Freier endlich den Durchbruch schaffen als schon in der Vorbereitung die Achillessehne große Schmerzen bereitete. Nach monatelanger Behandlung bei Spezialisten in ganz Europa feierte Freier erst im November sein Comeback. Ein halbes Jahr später beendete der 19malige Nationalspieler (1 Tor) seine unrühmliche Zeit bei der Werkself. Hartwig Sellmann

Seit 2008 wieder bei VfL Bochum

Paul Freier kehrte 2008 zurück zu seinem geliebten VfL Bochum. Kaum hatte er im Revier wieder die Fußballstiefel geschnürt, da verhinderten ein angebrochener Zeh nebst Operation Freiers persönlichen Traum wie 2004/2005 mit dem Ruhrpott-Klub in den UEFA-Cup vorzustoßen. Drei Jahre später ging in der 2. Bundesliga das Verletzungsdrama weiter.

Im ersten Rückrundenspiel 2011 verdrehte sich Paul Freier nach 22 Minuten das rechte Knie. Diagnose: Innenbandabriss und mehr als drei Monate Pause. Am 30. Spieltag sahen ihn die Fans wieder im Trikot. Ein halbes Jahr danach war Freier erneut angeschlagen: Knöchelverletzung am 21. Oktober 2011 beim 0:0 gegen den Karlsruher SC. Bis zum Saisonfinale im Mai kam er nicht mehr richtig in Form. Die letzte Station eines langen Leidensweges.

Zehn Jahre im Revier verbracht

Falls im Mai 2013 tatsächlich das Ende naht für die ältere „Belegschaft“ beim VfL Bochum, dann hat Freier insgesamt zehn sportliche Jahre (1999 bis 2004 und 2008 bis 2013) im Revier verbracht. Ein großer Verdienst des gebürtigen Polen mit deutschem Pass. „Der VfL ist mein Heimatverein. Mit ihm habe ich die schönsten Zeiten im Fußball erlebt“, hat Slawo Freier vergangene Woche erst betont. Andererseits habe er auch dem VfL sehr viel zu verdanken: „Der Verein hat mich immer unterstützt als ich verletzt war. Ich durfte zurückkommen als es sportlich für mich bei Bayer Leverkusen überhaupt nicht gut lief.“

Starke Verbundenheit zum Sauerland

In den vier Jahren bei Bayer ist Freier täglich von Bochum nach Leverkusen und wieder zurück gefahren. Weil er immer einen heimatlichen Fixpunkt brauchte. Das erklärt auch seine starke Verbundenheit zum Sauerland. Mit seiner Frau und den vier Kindern wohnt Paul Freier in der Nähe von Iserlohn. Aufgewachsen ist er in Holzen, einem Ortsteil von Arnsberg. Eltern und Schwiegereltern wohnen ebenfalls im Sauerland. Die gesamte Familie gibt ihm Halt. Und natürlich liebt er das Leben in der unbeschwerten Natur vor seiner Haustür. Da hat Paul Freier immer festen Boden unter den Füßen.

 
 

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