Interview mit Jürgen Schulte zum neuen Kunstrasenplatz

Stefan Knepper
Beginn einer neuen Ära in der Küppelkampfbahn in Freienohl: Der alte Aschenplatz ist jetzt Geschichte. Am Sonntag, 30. Oktober, wird der neue Kunstrasenplatz offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Beginn einer neuen Ära in der Küppelkampfbahn in Freienohl: Der alte Aschenplatz ist jetzt Geschichte. Am Sonntag, 30. Oktober, wird der neue Kunstrasenplatz offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Foto: SK
  • „Während der Bauphase war ich als Verbindungsmann täglich auf der Baustelle“
  • „Seit 60 Jahren ist der Sportplatz für mich so etwas wie meine zweite Heimat“
  • „Es gab zwar durchaus immer wieder auch Frustration, aber nie Resignation“

Freienohl.  Jürgen Schulte ist Fußballer durch und durch. Der inzwischen 68-jährige ehemalige Sparkassen-Direktor ist in seiner Karriere einem Verein immer treu geblieben: TuRa Freienohl. Diese Loyalität über Jahrzehnte ist in der heutigen Zeit wohl eher eine absolute Ausnahme. Am kommenden Sonntag geht nicht nur für Jürgen Schulte ein sportlicher Lebenstraum in Erfüllung: der neuen Kunstrasenplatz wird offiziell eingeweiht. Wir haben mit dem Fußball-Experten über die Anfänge, Kosten und zukünftige Projekte gesprochen.

Herr Schulte, haben Sie bereits versuchsweise eine kleine „Testrunde“ auf dem neuen Kunstrasenplatz gedreht?

Während der Bauphase war ich als Verbindungsmann zu unserem Architekten Jorge da Silva täglich auf der Baustelle. Jorge da Silva, unser 2. Vorsitzender, hat im Jahr 2009 bereits den Bau unseres Naturrasenplatzes umgesetzt. Und nicht nur das. Ohne ihn hätten wir innerhalb der vergangenen neun Jahre nicht das DFB-Kleinspielfeld, den Naturrasenplatz und jetzt den Kunstrasen bauen können. In den Vorstandssitzungen haben wir gemeinsam in all den Jahren so manche Testrunde – allerdings ohne Ball – gedreht. Ich bin hier und heute stolz auf meine Vorstandskameraden, die in der Vorbereitung und Umsetzung stets wirklich sehr gute Arbeit geleistet haben. Ich tue sicherlich keinem weh, wenn ich in diesem Zusammenhang besonders unseren Kassierer Frank Koreis und unseren Fußballabteilungsleiter Gustav Zacharias hervorhebe.

30 Jahre hat es von der Idee bis zur Fertigstellung gedauert. Drei Jahrzehnte sind eine Ewigkeit. Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?

Es waren sogar mehr als 30 Jahre. Ich komme auf mindestens 32 Jahre stetiger Bemühungen um dieses Großprojekt. Wobei wirklich jedes einzelne Jahr zählt, denn wir reden schließlich von 32 Jahren, in denen unsere aktiven Fußballer, anders als die gegnerischen Mannschaften, nicht auf Kunstrasen trainieren und spielen konnten und dadurch natürlich in jeder neuen Saison vielfältige Nachteile hinnehmen mussten. Ich selbst habe in meiner jetzt über 40-jährigen Vorstandszugehörigkeit nie aufgegeben, an das Projekt zu glauben.

Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich hierzu neuen Anlauf genommen habe. Natürlich mit stetig wechselnden Verhandlungspartnern; in all den Jahren waren allein vier Bürgermeister nacheinander mit am Tisch. Es gab auf unserer Seite zwar durchaus immer wieder auch Frustration, aber nie Resignation. Dass wir nie aufgegeben haben, wurde schließlich belohnt: Nachdem der Stadtrat im Jahr 2014 das Sportstättenkonzept verabschiedet hatte, war die Umsetzung endlich möglich. Letztlich wurde uns von den politisch Verantwortlichen sehr geholfen. Die wohlwollende Erarbeitung eines Konzeptes durch die Verwaltungsspitze tat ein Übriges. Der Knall des Korkens aus der Flasche war bis Freienohl zu hören!

Gehört der neue Kunstrasenplatz zu den modernsten seiner Art?

Ja und ergänzend muss ich sagen, dass unsere gesamte Platzanlage mit dem zur Zeit besten Naturrasenspielfeld im HSK von unserem Platzwart Klaus Schwarzer hervorragend gepflegt wird. Ich finde, für seine inzwischen 53 Jahre andauernde Tätigkeit als Platzwart seines und unseres Vereins sollte man ihm das Bundesdienstkreuz verleihen.

Können Sie etwas zur Höhe der Kosten sagen?

Wir werden bei geschätzten 460.000 € landen.

Welches Erlebnis ist auf dem Aschenplatz, der jetzt dem Kunstrasenplatz gewichen ist, für Sie unvergesslich geblieben?

Seit 60 Jahren ist der Sportplatz für mich so etwas wie meine zweite Heimat. Hier gibt es unendlich viel, das ich erzählen könnte. In unserem Buch zum 125-jährigen Jubiläum sind ein paar Anekdoten zu finden und dazu gibt es auch eine unterhaltsame Chronik, die ein echtes Stück Heimatkunde und gleichzeitig Sportgeschichte für uns Freienohler bedeutet.

Neben dem neuen Kunstrasenplatz in der Küppelkampfbahn befindet sich auch ein „schicker“ Rasenplatz. Wann wird auf welchem Untergrund gespielt?

Dass wir auch unseren Naturrasenplatz wie ein rohes Ei behandeln, versteht sich von selbst. Von auswärtigen Vereinen bekommen wir und unser Platzwart immer viel Lob für den erstklassigen Zustand. Unsere aktiven Kinder, Jugendlichen und Senioren finden hier von Anfang April bis weit in den Oktober hinein den besten Untergrund für dynamische Fußballspiele vor. Besonders für die zahlreichen Jugend-Mannschaften ist es in den Sommermonaten ein ganz besonderes Erlebnis, dort zu trainieren und zu spielen.

Am kommenden Sonntag wird der Kunstrasenplatz offiziell eröffnet. Gibt es einen Herzenswunsch von Ihnen für diesen besonderen Tag?

Eine schöne Eröffnungsfeier und danach: Möglichst viele begeisternde, spannende Spiele mit dem Sieger TuRa. Sollte die Spiele mal nicht so spannend sein, aber die Punkte auf dem TuRa-Konto landen, geht das auch.

Werden die Jungs von Jörg Fischer, Trainer der „Ersten“, den dritten Bezirksliga-Sieg in Folge einfahren?

Daran glauben wir; wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter.

Welches Projekt wird das nächste der TuRa-Verantwortlichen sein?

Große Projekte kann natürlich kein Amateurverein allein stemmen. Aber wenn die dringend erforderliche Turnhallenerweiterung ansteht, wird sich der TuRa hier im Rahmen seiner Möglichkeiten selbstverständlich beteiligen. Engpässe bei den Trainingszeiten für die vielfältigen Hallensportarten sind vor allem für den westlichen Teil unserer Stadt ein zunehmendes Problem. Oft muss auf die späten Abendstunden ausgewichen werden. Wir bedauern darüber hinaus, dass bestimmte Sportangebote aufgrund fehlender Hallenzeiten bisher überhaupt nicht möglich sind. Ein Beispiel aus dem Rehabilitations-Sport möchte ich dazu anführen: Immer wieder treten unsere Ärzte an uns heran und möchten zum Beispiel für ihre Herzpatienten Koronarsportgruppen einrichten. Aufgrund mangelnder Kapazitäten ist das hier in Freienohl leider nicht machbar, was wir sehr bedauern. Hier hat man nach dem Brand unser Halle im Jahr 2007 eine echte Chance, ich möchte sagen, eine historische Chance verpasst, worunter unsere aktiven Hallensportler bis heute zu leiden haben.