Löw bleibt Bundestrainer

Die Hängepartie ist vorüber, die Kontinuität bei der Nationalmannschaft gesichert: Bundestrainer Jogi Löw hat seinen Vertrag mit dem DFB bis 2012 verlängert. Auch Teammanager Oliver Bierhoff, Hansi Flick sowie Torwarttrainer Andreas Köpke verlängern.
Entsprechende Meldungen der Bild-Zeitung und der Süddeutschen Zeitung wird der DFB aller Voraussicht nach bei einer Pressekonferenz um 12.30 Uhr bestätigen.

Mit der Entscheidung haben DFB und Löw die Erwartungen der Öffentlichkeit und der Spitzenfunktionäre des deutschen Sports erfüllt. DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte zuletzt betont, dass eine Einigung noch vor der DFB-Präsidiumssitzung am 30. Juli herbeigeführt werden sollte. Exakt einen Monat nach dem Ende der Weltmeisterschaft in Südafrika wird Löw nun am 11. August beim ersten Länderspiel der neuen Saison in Kopenhagen gegen Dänemark auf die Trainerbank des WM-Dritten Deutschland zurückkehren.

Löw hatte das Amt des Bundestrainers nach der WM 2006, bei der er Assistent von Jürgen Klinsmann war, übernommen. Bei der EM 2008 führte er Deutschland ins Finale, das wie 2010 das WM-Halbfinale 0: 1 gegen Spanien verloren ging. Löw ist vom Punkte-Durchschnitt (2, 23) der bisher erfolgreichste Bundestrainer; in 46 Länderspielen unter ihm gab es 39 Siege, 8 Unentschieden und nur 9 Niederlagen.

In der vergangenen Woche hatte sich Löw erstmals nach der WM mit Bierhoff, Flick und Köpke in seinem Wohnort Freiburg getroffen. Eine schnelle Einigung hatte Löw nach dem Treffen noch ausgeschlossen. "Dabei haben wir zunächst mal die WM analysiert, das stand im Vordergrund. Ich werde mich in den kommenden Tagen noch einmal mit Oliver, Hansi und Andreas zusammensetzen und über viele Dinge reden, die unsere Zukunft betreffen", hatte der 50-Jährige erklärt.

In den Gesprächen erörterten Löw und sein Team ihre Strategie. Das Quartett wollte sich auf eine gemeinsame Linie einigen, bevor es zum Gespräch mit Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach kam. Niersbach hatte schon vor dem Treffen erklärt, dass es ein "gutes Verhältnis" zwischen Löw und dem DFB gebe. Der Erfolg bei der WM hatte die Position des Bundestrainers erheblich gestärkt.

Auch Zwanziger war von einem Verbleib des Bundestrainers überzeugt. "Er weiß, was er am DFB hat - und er weiß, dass er mit dieser Mannschaft in Zukunft noch einiges erreichen kann. Ich kann mir schwer vorstellen, dass er es einem anderen Trainer überlassen will, die Früchte zu ernten", sagte der 65-Jährige. Ein Feilschen mit Löw hielt der DFB-Boss deshalb für ausgeschlossen: "Er wird die WM mit Sicherheit nicht für abwegige Forderungen ausnutzen. Das würde überhaupt nicht seinem Charakter entsprechen."

Ganz anders hatte sich das Verhältnis zwischen Löw und Zwanziger noch vor fünf Monaten dargestellt. Im Februar waren die Vertragsverhandlungen zwischen dem Coach und dem DFB überraschend geplatzt und auf die Zeit nach der WM vertagt worden. Das Verhältnis zwischen dem Bundestrainer und Zwanziger war damals deutlich abgekühlt, nachdem vertrauliche Details aus den Gesprächen an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Trotz dieser Querelen hatte sich zuletzt vor allem Franz Beckenbauer für einen Verbleib Löws stark gemacht. "Deutschland hat in Südafrika den besten Fußball gespielt und wäre verdient Weltmeister geworden. Vielleicht klappt es in vier Jahren, die Mannschaft hat das Zeug dazu", sagte der Fußball-Kaiser. Beckenbauer betonte zum wiederholten Male, dass es keine Alternative zu Löw gebe und der DFB alles versuchen müsse, den Erfolgstrainer und dessen Mitarbeiterstab zu halten.

Dieser Vorgabe sind Löw und der DFB gefolgt. Allerdings könnte die Vertragsverlängerung einer der letzten wichtigen Amtshandlungen in der Ära Zwanziger gewesen sein. Zermürbt von der Kritik der vergangenen Monate hatte der DFB-Präsident zuletzt mit Rücktritt gedroht.

Nachdem Zwanziger am Wochenende überraschend erklärt hatte, dass er derzeit von "Amtsmüdigkeit" geplagt werde, ließ er auch am Montag seine Zukunft offen. "Jeder Mensch, dessen Amtszeit zu Ende geht, hat das Recht, sich Gedanken um seine persönliche Zukunft zu machen. In dieser Phase befinde ich mich derzeit. Sicher spielen dabei private Dinge auch eine gewichtige Rolle", sagte der DFB-Chef. (sid)