Wenn Wadenkrämpfe zur Dauerplage werden

Essen. Eine schmerzhafte Entzündung an den Fersen, eine Sportverletzung, die auch nach Jahren noch plagt und regelmäßig wiederkehrende Wadenkrämpfe: Dr. Joachim Schubert beantwortet in seiner aktuellen Online-Sprechstunde die Fragen der DerWesten-Leser.

Großer Fersensporn

Meine Mutter leidet momentan an einem großen Fersensporn, der sich auch schon einmal entzündet und schwere Schmerzen verursacht hat. Aktuell soll Stoßwellentherapie versucht werden. Das Leiden besteht wohl nur an einem Fuß. Sie schrieben in Ihrer Online-Sprechstunde auf www.derwesten.de, dass ggf. "die Untersuchung eines erfahrenen 'Bewegungsapparat-Spezialisten', der Rücken-Becken-Bein auf Störungen der Stato-Motorik hin untersuchen wird", benötigt wird und man auch "manualtherapeutisch" behandelt werden kann. An welchen Arzt wendet man sich denn da, an einen "normalen" Orthopäden, oder haben diese Spezialisten andere Namen? Gibt es da spezielle Empfehlungen für das Ruhrgebiet? Meine Mutter ist zwar nicht in dem Sinne "sportlich" aktiv, belastet aber den Fuß viel durch tägliche und lange Spaziergänge mit unserem Hund. Michael Schliwka

Dr. Joachim Schubert:Diese Bewegungsapparat-Spezialisten in meinem Sinn sind zum Beispiel Orthopäden mit dem Zusatz Sportmedizin oder Sportmediziner aus dem Bereich Allgemeinmedizin oder Sport-Physiotherapeuten. Fragen Sie doch bei örtlichen Sportvereinen nach, wer dort die Sportler ärztlich oder physiotherapeutisch behandelt. Bei einem sehr schmerzhaften Fersensporn ist die Stoßwellentherapie durchaus eine therapeutische Option, leider ist sie schmerzhaft, teuer und nicht immer hilfreich. Eine ursächliche Behandlung ist die Beseitigung der Fehlhaltungen oder Fehlstellungen, die zur Bildung eines Fersenspornes beigetragen haben – denn von allein kommt auch ein Fersensporn nicht.

Beschwerden am Knie nach Sportverletzung

Ich bin recht verzweifelt. Vor einem halben Jahr schon habe ich mir beim Skifahren das Knie verletzt. Ich hatte 2. Tage starke Schmerzen, konnte aber ab dem 3. Tag wieder gut fahren. Trotzdem ging ich zum Arzt, dieser konnte nichts feststellen. Er verschrieb mir Krankengymnastik. Bald konnte ich normal Sport machen, bis auf diverse Beugbewegungen des linken Beines, wie z.B. bei der Sprunghocke.

Im Moment bin ich im Praxissemester in Schweden und beim Hochsprung verletzte ich mich wieder an derselben Stelle. Auch am Tag danach konnte ich kaum auftreten und hatte starke Schmerzen. Der Arzt konnte auf dem Röntgenbild nichts erkennen, vermutete aber Blut im Knie. Er machte eine "Mini-OP" und schaute, ob er Blut finden würde. Er tat dies, zu meinem Bedauern. Jetzt vermutet er einen Meniskusschaden. Mein Knie sei sehr stabil und daher würde er etwas Schlimmeres ausschließen.

In Schweden ist es Brauch, dass das Krankenhaus sich beim Patienten meldet. Nach dieser Untersuchung werde ich Gewissheit haben. Falls eine Meniskus-OP unumgänglich ist, wie lange muss ich mich schonen, bis ich wieder Sport machen kann?

Mich belastet das sehr, da ich für die Sporteingangsprüfung an der Uni trainiere und ich bis Mai fit sein sollte. Auch habe ich schon einen Skiurlaub im Januar gebucht. Gibt es Sportarten, wie z.B. Schwimmen, die ich trotz der Verletzung machen kann? Ellen Haaga

Dr. Joachim Schubert:Die Frage stellt sich für mich, warum angesichts Ihrer Beschwerden keine Kernspintomographie durchgeführt wurde. Und wenn schon „Mini-OP“, warum dann nicht gleich eine korrekte Arthroskopie, bei der eine genaue Diagnostik des Kniebinnenraumes erfolgt und gleichzeitig dann eine entsprechende Behandlung der beschädigten Strukturen stattfinden kann, also zum Beispiel eine Teilentfernung eines gerissenen Meniskus? Nach Ihrer Schilderung ist eine solche Meniskusverletzung zu vermuten und Sie sollten jetzt alles unternehmen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren; außerdem sollte man seinem Kniegelenk auf Dauer keinen schadhaften Meniskus zumuten – der Gelenkknorpel leidet und kann Schaden nehmen. Sie sollten auf eine Kernspintomographie drängen und dann gegebenenfalls auf eine OP, die dann aber nur bei einem ausgewiesenen Spezialisten erfolgen sollte.

Postoperativ sollte man dem Gelenk eine Sportpause von etwa 4 Wochen gönnen, wobei weniger belastende Sportarten wie Radfahren auch schon früher stattfinden können – dies hängt allerdings auch von dem Ergebnis der OP ab. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und beste Genesung.

Schwäche im linken Bein

Ich habe seit längerem ein Problem mit dem linken os pubis. Ich bin Läuferin und beim Laufen habe ich eine deutliche Schwäche im linken Bein. Das linke Bein gehört irgendwie nicht zu mir. Das rechte ist kraftvoll und stark. Das linke Bein ist sehr schwach. Beim Laufen merke ich einen deutlichen Schmerz am os pubis der während des Laufens immer mehr wird. Es geht dann soweit, dass ich Probleme habe die intensiven Kraftintervalle durchzuführen.

Auch im Ruhezustand merke ich immer einen Schmerz am os pubsi. Mache ich Übungen am Boden und rolle mich über das os pubsi nach oben, durchfährt mich ein Stich am Glutaeus. Die Dehnungen des Ischi-Bereiches machen mir keine Linderung. Es geht danach eher noch schlechter.

Radiologisch habe ich keinen BS Vorfall und die Hüften sind auch gut. Am os pubsi zeigen sich keine Veränderungen. Es belastet mich sehr, da die Kraft in dem Bein so schlecht ist. Was kann ich tun? Was könnte das sein? Silke Schlüter

Dr. Joachim Schubert:Ich vermute nach Ihrer Schilderung eine biomechanische Funktionsstörung im Bereich Ihres Beckens, die zu den genannten Beschwerden führen kann. Klassisch und häufig wäre hier eine Blockierung im Bereich der Kreuz-Darmbein-Fuge (ISG), die zu einer Fehlsteuerung der betroffenen Muskelgruppen (Hüftbeuger und Adduktoren) führen kann. Im Röntgenbild ist nichts zu sehen und auch neurologisch ist kein krankhafter Befund zu erheben. Typisch ist dafür allerdings dieses subjektive Gefühl der fehlenden Kraft im Bein. Ein erfahrener Chirotherapeut kann Ihnen weiter helfen.

Regelmäßige Wadenkrämpfe

Obwohl ich regelmäßig Lauftraining mache, bekomme ich fast regelmäßig beim Halbmarathon Wadenkrämpfe (meist ab Kilometer 15). Besonders schlimm ist es, wenn ich einen Vollmarathon laufe. Es geht bei Kilometer 15 bis 18 los und hört bei Kilometer 28 bis 30 auf, da ich gezwungen bin, Laufpausen zu machen, d.h. ich kann nur noch gehen.

Was kann ich tun um Sauerstoff ins Blut zu bekommen, welcher das Laktat schneller abbaut. Mein Eisengehalt im Blut ist etwas zu niedrig, ebenso das Hämoglobin. Magnesium 350 nehme ich regelmäßig. Peter Schneider

Dr. Joachim Schubert:Nach den wissenschaftlichen Untersuchungen diverser sportmedizinischer Institute ist die mit weitem Abstand häufigste Ursache für Wadenkrämpfe unter Belastung die mangelhafte Kochsalzzufuhr bei Ausdauersportlern. Magnesiummangel spielt nach diesen Ergebnissen eine wesentlich unbedeutendere Rolle, Sauerstoffgehalt des Blutes und Laktatkonzentration sind keine Parameter, die zu Krämpfen in der Beinmuskulatur beitragen. Erhöhen Sie die Trinkmenge mit kochsalzreichen Mineralwässern oder salzen Sie Ihr Wasser reichlich an.

Ihre Fragen, bitte!

Haben Sie auch eine Frage an den Sportmediziner? Kein Problem! Dr. Schubert geht in regelmäßigen Abständen auf die gesundheitlichen Probleme und Anliegen der Läufer aus der Region ein. Schreiben Sie eine Mail an dr.schubert@derwesten.de. Die Antworten lesen Sie regelmäßig auf www.derwesten.de/schubert.

 
 

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