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Zwangspause, Urlaub und neue Kraft schöpfen

Zwangspause, Urlaub und neue Kraft schöpfen

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WP-Foto Michael Kleinrensing Foto: WP-Foto Michael Kleinrensing
Ein Muskelfaserriss in der Wade sorgt beim Laufblogger für eine Zwangspause – ausgerechnet vor dem Urlaub. Doch Verletzungen haben auch ihr Gutes.

Dortmund. 

Was für ein Schmerz! Mit einem lauten, aber seltsamerweise völlig geräuschlosen „PENG!“ schlug an einem Sonntagnachmittag irgendetwas in meine rechte Wade. Eine Stahlkugel? Eine Fußspitze? Ein Gummigeschoss? Erst langsam, viel zu langsam dämmerte mir, dass es sich nur um eine Verletzung handeln kann: Muskelfaserriss, der zweite in meiner Karriere.

Wie es dazu kommen konnte? Vermutlich Überlastung. Irgendwann ist Schluss, dann will der Körper eine Pause. Es gibt dann Dinge, die man nicht machen sollte. Zum Beispiel samstags Marathon laufen und sonntags mit Kindern herumtollen. Vermutlich hätte es auch „Peng!“ gemacht, wenn ich zur Bushaltestelle gerannt wäre oder ein kleines Regenerationsläufchen gemacht hätte. „Ich habe fertig“, wollte mir mein Muskel wohl sagen.

Kein Schritt ohne Krücken

Anders als beim Faserriss im hinteren Oberschenkel, ließ die Verletzung in der Wade keinen einzigen Schritt zu. Sogar zu Hause schaffte ich selbst kleinere Gänge nur mit Krücken. Noch nie in meinem Leben hatte ich bis dahin Krücken gebraucht. Irgendwann ist immer das erste Mal.

So lag ich da auf der Couch, das Bein immer schon auf ein Kissen gebettet und in einen Salbenverband gewickelt. Immer dabei, tief in die verletzte Gräte hineinzuhorchen. Ändert sich der Schmerz? Kann ich morgen schon wieder ohne Krücken gehen? Die Fortschritte waren Tippelschritte, aber ich spürte sie. Man wird bescheiden, wenn man verletzt ist. Ich beobachtete, wie sich mein Bein unterhalb der Verletzung blau, grün und violett färbte und wieder langsam wieder zur Normalform fand. Ich spürte, wie der Schmerz allmählich schwand. Ich freute mich über kleine Fortschritte, also etwa auf anderthalb Füßen zum Kühlschrank und zurück humpeln zu können.

Schmerzen sind doof, aber sie helfen auch. Dein Kopf kann tausend Mal sagen: „Junge, lass es langsam angehen.“ Aber erst ein stechender Schmerz in der Wade zwingt dich, einfach mal Fünfe gerade sein zu lassen. Die Spülmaschine ausräumen? Klar, ich habe ja gerade nichts zu tun. Der Oberkörper richtet sich auf, der linke Fuß berührt den Boden – alles gut. Der rechte Fuß setzt auf, will den Körper aufrichten – Bamm!!! Okay, das Geschirr kann warten.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Busse können auch warten. Oder besser: Sie können es nicht, aber mit einem verletzten Bein kann mir das egal sein. Ich kann nicht zum Bus rennen. Und im Bahnhof kann ich nicht zum Gleis rennen. Kein Laufschritt. Ich habe das Gehen neuentdeckt und feiere die Langsamkeit. Ich eile nicht zur grünen Fußgängerampel. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich zweimal die Rolltreppe benutzt, einmal sogar im Stehen.

Warten. Das lernt man bei Verletzungen. Ich habe gesalbt und gestreichelt und mit einem Tens-Gerät gearbeitet. Ich bin mir auch recht sicher, dass all das den Heilungsverlauf beschleunigt oder zumindest relativ angenehm gestaltet hat. Und dennoch muss ich warten. Auf Schmerzfreiheit und darauf, wieder zaghafte Laufversuche zu machen. Es ist ja nicht so, dass ich kein Ziel hätte. Der Halbmarathon in Bochum ist mein Ziel. Am 4. September will ich dort laufen. Das ist mein Ziel.

Demnächst ist erst einmal Urlaub mit eingebauter Lauf- und Blogpause. Es geht ans Meer, Baltrum. Spaziergänge am Strand werden die Wade stärken. Im Meer kann ich schwimmen und ein paar Übungen machen. Alles ganz langsam. Jeden Dienstag findet auf Baltrum ein 5-Kilometer-Lauf statt. In diesem Jahr ohne mich. Ich warte.