Zum Halbmarathon mit Training, Rote Bete und Schokolade

Zartbitterschokolade und Rote Bete sollen Läufern schnelle Beine machen.
Zartbitterschokolade und Rote Bete sollen Läufern schnelle Beine machen.
Foto: Stefan Reinke
Für Experimente ist unser Laufblogger immer zu haben. Vor dem Halbmarathon setzte er neben Trainingsfleiß auf angebliche – legale – Wundermittel.

Dortmund. Zum Abschluss der Wettkampfsaison noch mal einen Erfolg feiern, lautete mein bescheidenes Ziel für den Dortmunder Phoenixsee-Halbmarathon. Wobei "Erfolg" sehr relativ gemeint war. Denn eine neue persönliche Bestzeit lag nicht im Bereich des Machbaren. Ich wollte besser und schneller als in Bochum laufen und peilte eine Zeit um die 1:55:xx für die 21,1 Kilometer an.

Dass zwischen mir und dem doch recht bescheidenen Ziel noch ein Stück Arbeit liegen würde, war mir spätestens klar, als ich beim Dortmunder Citylauf sehr früh aus dem Rennen ausgestiegen war. Drei Wochen hatte ich Zeit, um einerseits reichlich Kilometer zu fressen, andererseits den Körper nicht zu überlasten. Zum Auftakt der Kilometerfress-Wochen absolvierte ich endlich einmal wieder den Ruhrklippenlauf meines Vereins, des LT Bittermark. Dank einer neuen Trainingspartnerin klappten auch die folgenden Einheiten hervorragend. Eine kurze und flotte Bergauf-Einheit erledigte ich noch alleine und merkte da schon, wie gut mir Trainingseinheiten tun, die mehr sind als nur irgendwie ziellos vor mich hin zu laufen. Am Tag darauf folgte ein Tempodauerlauf mit Trainingspartnerin über 15 Kilometer in sehr welligem Gelände, und auch der hinterließ schon einen spürbaren Effekt. Ich war nicht kaputt, sondern fühlte mich fit.

5000 Meter auf der Bahn gaben den letzten Schliff

Als Krönung ließen wir einen wirklich anstrengenden, bergigen und schön langsamen Lauf über 20 Kilometer im Dortmunder Süden folgen. Neun Tage vor dem Halbmarathon sollte das der letzte lange Lauf sein, bevor ich dem Körper noch eine harte Einheit und ansonsten viel Regeneration gönnen wollte. Die harte Einheit war ein 5000-Meter-Lauf auf der Bahn, den ich in neuer persönlicher Bestzeit aufs Tartan brachte. Flankiert wurde der Lauf von ein paar Treppenläufen vor und nach den 5000 Metern. Jetzt fühlte ich mich endgültig für den Halbmarathon gewappnet.

Natürlich wusste ich schon vorher, dass Training hilft. Aber dass es in so kurzer Zeit etwas bringt, zielgerichteter und hochwertiger zu trainieren, hatte ich so noch nicht erfahren. Hinzu kam, dass ich zwei Artikel las, die mich sogleich zu einem kleinen Ernährungsexperiment verleiteten. Die gute Nachricht: Zartbitter-Schokolade (ab 70 Prozent Kakaoanteil) macht Läufer schneller! Schon 40 Gramm am Tag sollen dem Körper gesunde Flavonoide zuführen, die sich positiv auf die Leistung auswirken können. Die schlechte Nachricht: Rote Bete soll Läufer noch schneller machen. Ein halber Liter (!), getrunken beim Frühstück vor dem Lauf, soll dafür sorgen, dass die Muskeln weniger Sauerstoff benötigen und trotzdem Leistung bringen. Die Wirkung der Roten Bete soll noch stärker sein als die von Epo. Der Vorteil von Epo: Das Zeug muss nicht an den Geschmacksknospen vorbeigemogelt werden.

Ein halber Liter Rote Bete – ganz schön viel

Ich aß und trank also für den guten Zweck, denn am Phoenixsee sollte doch bitte nichts dem Zufall überlassen bleiben. Mit Todesverachtung schluckte ich den Rote-Bete-Saft herunter und fand, dass ein halber Liter wirklich ganz schön viel ist. Das ist mir bei Bier noch nie so aufgefallen. Gleichzeitig staunte ich, wie wenig Schokolade 40 Gramm sind. Wohlgenährt und topmotiviert ging ich an den Start.

LaufblogDas Rennen ist kurz erzählt: Zu schnell angegangen - wie immer - und bald auf einem guten Tempo eingependelt. Bis Kilometer 14 super durchgekommen, dann rund zwei Kilometer lang gequält und über das hohe Anfangstempo geärgert, bis ich auf der letzten Seerunde noch einmal Reserven aus den Muskeln kitzeln konnte. War das der Effekt der Roten Bete? Half hier die Schokolade? Ich werde es wohl nie erfahren. Mit 1:55:06 Stunden erreichte ich mein gesetztes Zeitziel und war kaputt und zufrieden.

Die Wettkampfsaison ist beendet

Was bleibt? Die Wettkampfsaison 2016 lege ich mit dem Phoenixsee-Halbmarathon zu den Akten. Ab jetzt wird nur noch genossen und trainiert, um fit durch Herbst und Winter zu kommen, bevor im Januar ja schon die Vorbereitung auf den Paris-Marathon beginnt. Mit dem Muskelfaserriss im Sommer habe ich mir die Möglichkeit, bei den Halbmarathons in Bochum und Dortmund einen gehörigen Tacken schneller zu laufen, verbaut. Das ist nicht zu ändern und letztlich auch egal, denn im Grunde kann ich froh sein, dass mich die Verletzung nur für dreieinhalb Wochen außer Gefecht gesetzt hat und nicht länger.

Was bleibt noch? Sicherlich die Erkenntnis, dass ich auch ohne Rote Bete eine 1:55er-Zeit gelaufen wäre. Aber ganz bestimmt nicht ohne Schokolade. ;-)

 
 

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