Wenn Marathon-Training zum kulinarischen Spießrutenlauf wird

Beim Laufen kann es um die Wurst gehen.
Beim Laufen kann es um die Wurst gehen.
Foto: WNM
Marathon-Training bedeutet für unseren Laufblogger: Kohldampf! Das führt bei langen Läufen im Umfeld von Pommesbuden schon mal zu Gewaltphantasien.

Dortmund. Ich hasse Pommesbuden! Also, eigentlich ist es eine Hassliebe. Sie versorgen mich mit Currywurst, mit Gyros und eben mit Pommes. Da momentan ja Fastenzeit ist, habe ich mir auf die Fahnen geschrieben, möglichst oft einen Bogen um die Frittenschmieden in meiner Umgebung zu machen. Das hat bis auf eine oder zwei Ausnahmen ganz gut geklappt. Seit Karneval kein Döner und keine Currywurst mit Pommes. Fastenbrechen ist immer dann angesagt, wenn der BVB spielt - und momentan sind ja englische Wochen...

Den Süßigkeitenautomaten auf der Arbeit kann ich inzwischen sehenden Auges links liegen lassen. Zucker macht mich nicht an. Nur manchmal. Neulich auf der Couch hatte ich so richtig Bock auf Schokolade. Leider wusste meine Frau, wo noch Geheimvorräte von Weihnachten lagern. Naja, lagerten, müsste ich jetzt wohl sagen. Schlechtes Gewissen? Nö. Es war Montag und mir steckte noch der lange Lauf vom Sonntag in den Beinen. Und als der Haufen mit dem Schokoladen-Papier immer größer wurde, beschloss ich, am Dienstag vor dem Frühstück laufen zu gehen (was ich dann ausnahmsweise auch tatsächlich tat).

Geruchsneutral am Kanal gelaufen

Apropos langer Lauf. Momentan stecke ich ja in der Hochphase der Marathon-Vorbereitung - noch drei Wochen bis Paris. Am Sonntag war jedenfalls wieder ein langer Lauf angesagt. Bei traumhaftem Wetter ließ ich mich zum Schiffshebewerk Henrichenburg bringen, um von dort nach Hause zu laufen. 30 Kilometer sollten es schon werden. Ich lief immer am Kanal entlang gen Heimat, was ich jedem nur empfehlen kann. Die Strecke ist wunderschön und vor allem flach. Und sie ist geruchsneutral, was Essen angeht. Keine Dönerbuden, keine Pommes, keine Pizza. Nur frische Luft. Ein Traum!

Laufblog Doch nach jedem Traum folgt irgendwann das Erwachen. In diesem Fall verkörpert durch die Dortmunder Nordstadt, Heimat von gefühlt 800 Dönerbuden, die an diesem Tag offenbar alle beschlossen hatten, ihren Duft genau auf meine Laufstrecke zu blasen. Nase zu und durch, aber es nagte schon sehr an meinem Gemüt, noch zehn Kilometer vor der Brust zu haben, bis ich endlich die Spaghetti vom Vortag aufwärmen könnte.

Zwischen Nordstadt und Spaghetti lag außerdem noch der Phoenixsee mit seinen Eisdielen und Cafés. Kennt ihr das mit den Möwen an der Nordsee? Vor den aggressiven Biestern muss man ja ständig sein Eis, seine Pommes, seine Waffeln, einfach alles Essbare verteidigen. Aber was ist schon eine Möwe gegen einen ausgehungerten Läufer, der gerade 30 Kilometer abgerissen hat? Also, ihr Pommes- und Eis-Esser, die ihr meint, unbehelligt von Luftangriffen um den See flanieren zu können: Nehmt euch in Acht! Möwe kann ich auch!

Mit gierigem Blick auf Pommeskäufer zugelaufen

Der größte Geruchsübeltäter sitzt allerdings bei mir um die Ecke. Der "Dorfgrill" in meinem Vorort ist so ziemlich die beste Pommesbude der Welt. Es gibt Tage, an denen es der Grill schafft, schon über Hunderte von Metern mit Duftstoffen zu locken. Vorzugsweise macht er das in dem Moment, in dem ich gerade von meiner Zehn-Kilometer-Runde im Park auf dem Heimweg bin. Ich weiß nicht, wie oft ich schon mit gierigem Blick auf Menschen zugelaufen bin, die mit vollgepackter, nach Pommes riechender Plastiktüte aus dem Lokal gekommen sind. Die lachen dann meistens. Noch.

Irgendwann wird es aber soweit sein, und wir Läufer werden uns zusammenschließen, vor Pommesbuden lauern und unsere Belohnung holen. Notfalls mit Gewalt. Die Meldungsspalten der Zeitungen wären um eine Geschichte reicher:

Im Ruhrgebiet häufen sich Überfälle vor Imbissbuden und Schnellrestaurants. Laut Polizeiangaben schlagen die Täter insbesondere an Wochenenden im März und April und dann wieder im August/September zu. Die Polizei hat im Laufe der Ermittlungen die "Soko Turnschuh" ins Leben gerufen, da die Täter laut Zeugenaussagen meist in Sportklamotten gekleidet zuschlagen. Sabine S. aus Dortmund ist eine der Betroffenen: "Der Mann kam mit gierigem, aber auch irgendwie leerem Blick auf mich zu. Ich versuchte, meine Handtasche zu umklammern und meine Wertsachen zu schützen." Doch der Täter hatte es auf etwas anderes abgesehen, wie S. schildert: "Er entriss mir die Tüte mit dem Mittagessen für meine Familie." So erbeutete der Mann zwei Currywürste mit Pommes und einen Taxiteller im Wert von insgesamt 12,90 Euro. Nicht in die Serie passt ein Überfall im Oktober, bei dem ein Läufer mit vorgehaltener Socke einen türkischen Imbiss überfiel und einen großen Döner und drei Becher Ayran erbeutete. Imbiss-Besitzer Ali Ü. erinnert sich: "Er roch furchtbar nach Schweiß. Und über Kopfhörer hörte er sehr laut ein Lied von Sinatra."

 
 

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