Was der Trainer sagt, wird gemacht – oder auch nicht

Training in der Gruppe erleichtert vieles.
Training in der Gruppe erleichtert vieles.
Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services
Zum Laufen gehören auch fiese Einheiten: Intervalle, Tempoläufe, Stabilitätsübungen. Ein Trainer hilft dabei im Kampf gegen den inneren Schweinehund.

Dortmund. Ich hätte ja schon längst drauf kommen können: Training funktioniert besser, wenn man einen Trainer hat. Eine Binsenweisheit? Natürlich! Aber wer kennt schon einen Trainer? Und überhaupt: Als Hobby-Läufer mit einem Trainer zu arbeiten - ist das nicht etwas too much? Nein, ist es nicht.

Laufblog Wer hobbymäßig eine Sportart für sich entdeckt, muss üben. Oder besser: trainieren. Heißt die Sportart Tennis, kommt niemand auf die Idee, sich einen Schläger und einen Ball zu kaufen und sofort drauf los zu knüppeln. Klappt nicht. Auch angehende Golfer können ohne Lehrer oder Trainer vielleicht mit dem Driver den Rasen umpflügen, aber bis ans Loch werden sie ohne Anleitung nie gelangen. Wir Läufer sind da anders. Laufen können wir seit unserem dritten Lebensjahr, die Schuhe zubinden spätestens seit dem Kindergarten. Und wo die Tür nach draußen ist, wissen wir auch. Also laufen wir einfach mal los, weil wir es können.

Training ohne Trainer funktioniert

Das Schöne am Laufsport ist, dass das trainerlose Training tatsächlich funktioniert und dass es unzählige Bücher gibt, die einen Coach ansatzweise ersetzen können, weil Laufen - wer hätte das gedacht? - aus sehr viel Theorie besteht. Ja, und dann laufen wir so durch Wälder und Parks und machen sogar Fortschritte. Alles gut, alles bestens.

Aber wehe, wenn der Ehrgeiz kommt. Wenn die Strecke länger, die Zeit kürzer, der Stil besser werden soll, dann kommen auch wir Läufer über Kurz oder Lang nicht umhin, mit jemandem zu trainieren, der sich mit der Materie auskennt. Das kann ein Laufpartner sein, erfahrene Kumpels beim Lauftreff oder eben ein echter Trainer. Wir haben die freie Auswahl, wie und von wem wir uns bei unserem Training unterstützen lassen.

Training mit Trainer funktioniert noch besser

Ich trainiere jetzt einmal in der Woche mit der "After Work Running"-Gruppe eines örtlichen Laufgeschäfts. Zunächst war ich skeptisch, es könne sich hierbei um eine Art Kaffefahrt für Läufer handeln. Erst locken sie dich mit Training und plötzlich geht die Tür zu und du kommst erst wieder raus, wenn du zwei Paar Schuhe und eine Rheumadecke gekauft hast. Doch noch wurde ich nicht mit unmoralischen Sonderangeboten konfrontiert. Obwohl... Letztlich kam eine Mail mit einem dezenten Hinweis auf eine Schuhanprobe im Laden... Ich lasse mich überraschen.

Mittwochs steht nun jedenfalls Tempotraining auf dem Programm, was mir sehr gelegen kommt, weil Intervalle nicht unbedingt zu meinen Lieblingstrainingsformen gehören. Sie sind einfach eine Schinderei und fühlen sich erst toll an, wenn sie vorbei sind. Unser Trainer heißt Michael Ruhe und ist selbst starker Marathonläufer bei der ruhmreichen LG Olympia Dortmund. Die Trainingseinheiten finden in der Helmut-Körnig-Halle statt, was ziemlich cool ist, weil man dort mitunter auch echten Leichtathleten und sogar Olympioniken oder angehenden Bob-Stars beim Training zusehen kann.

Das Training in der Gruppe hat einen großen Vorteil, den Gruppenzwang. Außerdem sind die Ansagen von Trainer Michael sicherlich fundiert. Er verteilt die Aufgaben nicht willkürlich, sondern schneidert sie auf das Leistungsvermögen der Mitglieder zu und untereilt uns in Kleingruppen. Bei meiner ersten Teilnahme ließ er mich mit zwei Läuferinnen Intervalle auf der Tartanbahn laufen: 3x2000 Meter in 4:45 Minuten je Kilometer. Zusammen mit meinen Trainingspartnerinnen drehte ich also die jeweils zehn Runden auf der Bahn, wobei mir zugute kam, dass sich eines der Mädels als erfahrene Tempomacherin entpuppte, die die verlangte Pace zuverlässig hielt.

Der Kampf gegen die Uhr, die Strecke und den inneren Schweinehund

Alleine hätte ich das nie geschafft. Eine Woche zuvor hatte ich mein Intervalltraining an den Phoenixsee verlegt. Ich war allein und versuchte, mich an 3x2000 Metern mit der von Herbert Steffnys Trainingsplan geforderten Pace von 5:15 Minuten. Es war ein Kampf: Ich allein gegen die Uhr, die Strecke und den inneren Schweinehund. Ich besiegte sie zwar alle, doch schoss ich übers Ziel hinaus. Meine Pace war zu hoch, und vor dem dritten 2000-Meter-Intervall musste ich mich schon sehr motivieren. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ich ein Intervalltraining abgebrochen hätte, weil das in der Nähe geparkte Auto die besseren Argumente hatte als der blöde Nieselregen und der kalte Gegenwind. Ekelhafte Schinderei.

Das ist mit einem Trainer und guten Trainingspartnern anders. Der kann schinden, wie er will - es wird schon seinen Sinn haben. Was der Trainer sagt, wird gemacht. Aufgeben gilt nicht. Beim zweiten Training schickte uns Michael nicht auf die Tartanbahn, sondern an einen langen Anstieg draußen vor der Halle. Bei Eiseskälte rannten wir den Hügel hoch, auch hier in Kleingruppen nach Leistungsniveau unterteilt. Danach war ich auf angenehme Weise kaputt und stolz, es geschafft zu haben. Als Gegenleistung dafür, dass man das Training durchzieht, spornt der Coach an, gibt Tipps, fragt nach, ob alles okay sei - niemand antwortet da mit "Nein".

Nur bei einer Sache kann ich mich guten Gewissens dem Trainer widersetzen. Nach den Laufeinheiten setzt Michael gerne noch ein Zirkeltraining an. Naja, man muss im Leben halt auch "Nein" sagen können...

 
 

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