Test: Wettkampfschuhe von Adidas, Asics, Brooks und Saucony

Vor dem Schnüren der Laufschuhe kommt der Test.
Vor dem Schnüren der Laufschuhe kommt der Test.
Foto: WAZ FotoPool
Für unterschiedliche Anforderungen gibt es unterschiedliche Laufschuhe. Unser Blogger hat vier Modelle für schnelle Läufe und Wettkämpfe getestet.

Dortmund. Ja, ich gestehe: Ich habe einen Schuh-Tick. Der Tag, an dem ich las, dass Läufer möglichst mehrere Paar unterschiedlicher Laufschuhe nutzen sollten, war ein Feiertag. Gekrönt nur von dem Moment, in dem ich erfuhr, dass es auch noch unterschiedliche Schuhe für verschiedene Anforderungen gibt – also für lange, schnelle, Trainings- oder Wettkampfläufe. Ein Traum!

Für schnelle Trainingsläufe, Intervalltraining oder konsequent auf Zeit gelaufene Strecken bis zum Halbmarathon fehlt mir das passende Schuhwerk, seit meine Adistar Boost allmählich an die Grenzen der Haltbarkeit stoßen und mir die Cloudsurfer von On Running inzwischen doch nicht mehr so zusagen, wie das anfangs der Fall war. Also habe ich bei vier Herstellern nach Testmodellen gefragt.

Das Testfeld – vier sehr unterschiedliche Modelle:

  • Adidas Adizero adios 3
  • Asics Gel-DS Trainer 21
  • Brooks Launch 3
  • Saucony Kinvara 7

Am meisten war ich auf das Modell von Brooks gespannt, weil ich aus dem Bekanntenkreis schon viel Lob für die Schuhe der US-Firma gehört hatte. Im Schuhladen ist mir jedoch noch nie ein Modell von Brooks angeboten worden. Der Launch 3 sollte dem Vernehmen und dem Namen nach eine wahre Rakete sein.

Von den Adidas erwartete ich mir einen ähnlichen Boost-Effekt wie bei meinen Adistar Boost. So richtig warm wurde ich mit den Schuhen zwar nie, aber beim Phoenixsee-Halbmarathon 2015 trugen sie mich schnell und zuverlässig ins Ziel.

Das Asics-Modell fand seinen Weg ins Testfeld, weil ich wissen wollte, ob die für ihr gemütliches Fußgefühl bekannten Japaner auch richtig schnelle Schuhe bauen können.

Schuhe von Saucony hatte ich noch nie an den Füßen. Daher war ich hier besonders gespannt, wie der Erstkontakt wohl ablaufen würde. Der US-Hersteller geht also wie Brooks als Neuling ins Rennen und muss sich mit den Platzhirschen von Adidas und Asics messen.

Die vier Modelle durften sich im Test auf verschiedenen Belägen und bei Läufen mit variierender Topographie austoben. Kürzere Läufe im Park, Intervalle auf einer 400-Meter-Bahn aus Asche, kurze Läufe am Berg und kleine Abstecher auf unebenem Waldboden.

Der Adidas Adizero adios 3 im Test 

Die größte Überraschung bietet der Adidas schon beim Auspacken: Der bei Größe 42 lediglich 230 Gramm wiegende Schuh fühlt sich in der Tat so leicht an, als könne sich ein Schmetterling damit vom Acker machen. Auch optisch überzeugt das orange-schwarze Modell. Doch nach der Bewunderung für das beinahe nicht vorhandene Gewicht folgt die erste Enttäuschung: Was bitte sind das für Schnürsenkel?

Völlig uncool hat Adidas seinem Renner Schnürsenkel aus einem baumwollähnlichen Material spendiert. Das fühlt sich beim Schnüren seltsam an und passt optisch überhaupt nicht um ansonsten sehr chicen Design.

Sehr direkter Bodenkontakt

Das Auge läuft zwar mit, aber entscheidend ist am Fuß. Dort liegen die Adizero eng an und bieten einen sehr direkten Bodenkontakt. Einer der ersten Läufe führt auf einer hügeligen Asphaltstrecke zur Aschenbahn. Schon auf den ersten Metern zeigen sich die Schuhe sehr sensibel. Noch stärker als die Adistar Boost reichen die Adizero jede Unebenheit, jedes Stöckchen und jeden Stein an den Fuß weiter. Ich laufe weiter zur Aschenbahn und drehe dort ein paar schnelle Runden. Dabei präsentieren sich die Schuhe als gute Tempomacher. Trotz ihrer Leichtigkeit liegen sie gut in der Kurve und geben den nötigen Halt. Die Körnung der Asche stellt kein Problem dar. Die Schuhe fliegen über die Bahn.

Erst auf dem asphaltierten Rückweg spüre ich wieder alle Steinchen. Außerdem macht sich auf dem harten Boden bemerkbar, dass die Schuhe nicht unbedingt für Läufer der Gewichtsklasse 80+ konzipiert worden sind, denn ganz allmählich haut der direkte Asphalt-Kontakt doch in die Knie.

Einige Wochen später folgt der Härtetest für die Adizero: Ein Lauf über zehn Kilometer in einem Park mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten. Hier bekomme ich alle Stärken und Schwächen der Schuhe voll zu spüren. Auf ebenem Geläuf helfen der unheimlich direkte Abdruck und die relativ geringe Sprengung von neun Millimetern sehr und verleihen Tempo. Die Gummisohle von Reifenhersteller Continental bietet Grip. Wird der Belag aber schlüpfriger, etwa im Wald, neigen die Schuhe zum Schlingern, da das Profil nicht sehr ausgeprägt und der Schuh für solche Untergründe einfach nicht gemacht ist.

Fazit: kompromissloser Wettkapmpfschuh

Ein kompromissloser, wettkampffreudiger Schuh für kurze und schnelle Läufe. Schnelle Leichtgewichte können mit dem Modell sogar Marathon laufen, schwerere Athleten sollten sich mit Rennen bis zehn Kilometern begnügen. Der Schuh spielt seine Stärken auf harten, sauberen Belägen aus. Unebenheiten können hingegen schmerzhaft in die Fußsohlen schießen. Angesichts der aktuellen Preisentwicklung aber ein absoluter Kauftipp für alle, die mal einen wirklich schnellen Schuh testen wollen.

Preis: 149,95 Euro (inzwischen aber für die Hälfte erhältlich)

Der Asics Gel-DS Trainer 21 im Test 

Mit 286 Gramm ist der Asics das Schwergewicht unter den drei Kandidaten. Wer Aiscs-Schuhe kennt, fühlt sich beim Anziehen des Trainer 21 gleich zu Hause. Der Schuh schmiegt sich an den Fuß und heißt ihn willkommen – zumindest wenn man Asics mag. Es gibt auch Läufer, die die Schuhe der Japaner zu pantoffelig finden. Das ist Geschmackssache.

Anders als der Kayano oder der Cumulus bietet der Trainer viel mehr Direktheit beim Bodenkontakt. Die Dämpfung ist längst nicht so stark ausgeprägt. Das zeigt der Schuh gleich beim ersten Test: Ob bergauf oder bergab – die Schuhe laufen fast von selbst und sind sehr dynamisch. Dabei arbeitet die Dämpfung zuverlässig und bietet auch im Gelände, sprich: auf unebenem Boden Schutz, ohne zu bremsen. Das Obermaterial ist leicht und bietet trotzdem Halt.

Viel Tempo, gute Kurvenlage

Auch beim Intervall-Training auf der Aschenbahn präsentiert sich der Asics als sehr schneller Schuh, der sehr gut in der Kurve liegt und hervorragend Halt gibt. Ich beschließe, mit diesem Schuh beim Halbmarathon zu laufen, zumal er durch seine leichte Pronationsstütze noch etwas mehr Sicherheit verleiht. Die Entscheidung erweist sich als richtig. Vom Start weg zeigt sich der Trainer 21 zuverlässig, bequem und dynamisch. In keiner Phase des Rennens drückt etwas, nie wird der Schuh schwer. Er sitzt fest, engt aber nicht ein. Gleichzeitig bietet er dem Fuß eine angenehme Polsterung, ohne zum Schleichen zu verleiten.

Fazit: zuverlässig auf Wettkampfstrecken

Schnell und trotzdem komfortabel ist der Gel-DS Trainer 21. Leichte und etwas schwerere Läufer kommen auf ihre Kosten und finden in dem Schuh einen zuverlässigen Begleiter für Tempoläufe und auch längere Wettkampfstrecken.

Preis: 149,95 Euro

Der Brooks Launch 3 im Test 

Mit 278 Gramm bring der Brooks deutlich mehr auf die Waage als der Konkurrent von Adidas. Der erste Eindruck beim Anziehen ist sehr wohltuend. Innen ist der Launch angenehm gepolstert und bietet den Füßen ein schönes Zuhause. Anders als das Modell von Adidas wirkt der Brooks zunächst noch eher behäbig. Also: Raus auf die Straße.

Mit hartem Belag unter der Sohle legt der Launch gleich los und macht seinem Namen gewissermaßen alle Ehre. Der Schuh ist trotz des angenehmen Tragegefühls sehr dynamisch und mag schnell gelaufen werden. Dank der guten Dämpfung steckt er Unebenheiten gut weg und überzeugt mit seinem gut anliegenden Obermaterial auch auf holprigem Boden mit Wurzelwerk und Steinen. Als schneller Trainings- und Wettkampfschuh kommen seine Stärken aber am deutlichsten auf hartem Asphalt zum Tragen.

Problem an der Achillessehne

Doch bei allen Vorzügen vermittelt mir der Brooks nicht das Gefühl, dass ich in diesem Schuh einen Halbmarathon bestreiten möchte. Vor allem an der Achillessehne scheuert der Schuh und hinterlässt unangenehme Spuren in Form von Blasen und Druckstelen. Für mich ist er auch nach mehreren Testläufen nicht gemacht.

Fazit: ein echter Renner

Der Launch ist kompromissbereiter als sein Kollege aus Herzogenaurach. Brooks hat hier zwar einen echten Renner gebaut, doch auch auf längeren und langsameren Strecken fühlt sich der Launch wohl. Auch etwas schwerere Läufer können diesen Schuh laufen.

Preis: 120 Euro

Der Saucony Kinvara 7 im Test 

Beim Auspacken überwiegen zwei Eindrücke: Erstens verströmt der Kinvara einen penetranten Geruch nach einer Mischung aus Schuh- und Reifengeschäft. Das sticht in der Nase, verfliegt aber mit der Zeit. Die Farbkombination aus hellem Orange und ebensolchem Gelb ist ungewohnt, aber nicht hässlich.

Dann die Haptik: Der Schuh ist federleicht (218 Gramm) und fühlt sich sehr dünn und trotzdem hochwertig an. Die für einen Temposchuh recht dick wirkende Sohle mitsamt Dämpfung will auf den ersten Blick nicht zum dynamischen Eindruck des Kinvara passen. Dennoch: Mit nur vier Millimetern Sprengung weist das Modell eindeutig in Richtung Tempo.

Spärliche, aber wirkungsvolle Verstärkung an der Ferse

Das Gefühl beim ersten Reinschlüpfen ist angenehm. Die Fersenkappe ist spärlich, aber hart verstärkt und gibt dem Fuß Halt. An der Achillessehne ist der Schuh recht dick gepolstert, ansonsten hat Saucony sehr darauf geachtet, am Material und somit am Gewicht zu sparen. Dank einer zusätzlichen Öse lässt sich der Schuh gut schnüren, sodass sich das dünne Obermaterial eng an den Fuß schmiegt.

Dämpfung ist durchaus vorhanden, dank der neuen "Everun"-Technologie sogar sehr spürbar und weich. Trotzdem bietet der Kinvara am Vorfuß ziemlich direkten Bodenkontakt. Dadurch ermöglicht er einen dynamischen Abdruck und Vortrieb beim Laufen.

Fazit: Dämpfung und Dynamik

Trotz seines geringen Gewichts vereint der Kinvara 7 auch schwereren Läufern Halt, Dämpfung und Dynamik. Der Schuh ist längst nicht so flauschig wie der Brooks. Die meisten Gemeinsamkeiten hat er mit dem Asics Trainer. Ein starker Schuh.

Preis: 130 Euro

Mein Fazit nach vielen Testläufen: Asics vor Saucony – Adidas für Spezialeinsätze

Nach etlichen Wochen im Test und zahlreichen Läufen steht mein persönliches Fazit. Der Asics Gel-DS Trainer hat sich als mein Wettkampfschuh etabliert, bekommt mit dem Saucony Kinvara 7 aber starke Konkurrenz. Der Adidas Adios Boost ist für meine Gewichtsklasse ein wenig zu sensibel. Er wird als Spezialschuh bei Intervallen zum Einsatz kommen oder sich vielleicht mal bei einem Wettkampf über fünf Kilometer austoben dürfen. Der eigentlich sehr gut zu laufende Brooks scheitert leider an meiner Achillessehne.

 
 

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