Nach Laufpause auf der Suche nach der verlorenen Kondition

Vorne: ein Läufer, der laufen kann. Hinten: unser Laufblogger.
Vorne: ein Läufer, der laufen kann. Hinten: unser Laufblogger.
Foto: Reinke
Zehn Kilometer? Ein Klacks! Halbmarathon? Jederzeit! Was vor der Verletzung einfach war, ist nach einer Zwangspause eine echte Herausforderung.

Dortmund. Es ist schon wieder passiert! Zum Zweiten Mal in diesem Jahr, zum zweiten Mal in meinem Läuferleben bin ich aus einem Rennen ausgestiegen. Allerdings unter völlig anderen Vorzeichen als beim ersten Mal. Glücklicherweise kann ich dieses Mal sagen, dass ich mit mir und der Welt im Reinen bin und keinen Groll über das Ausscheiden hege. Aber viel zu tun gibt es dennoch.

Was war passiert? In Dortmund stieg die 32. Auflage des Citylaufs. Auf einem Rundkurs geht es auf wahlweise fünf oder zehn Kilometern durch die Innenstadt, in diesem Jahr auf einem neuen, auf dem Papier einfacheren Kurs. Blöd nur, dass man nicht auf Papier läuft, sondern auf Straßenpflaster.

Die Rahmenbedingungen waren herrlich und abschreckend zu gleich. Es war warm - zu warm. Das Rennen über die zehn Kilometer startete spät - zu spät. So kam an diesem Tag irgendwie alles zusammen. In der Mittagszeit starteten die Schüler- und Bambini-Läufe. Ich feuerte meinen Nachwuchs an, danach machte ich mir mit meiner Familie noch eine schöne Zeit auf dem Friedensplatz. Doch die Zeit wurde allmählich lang. Als der Fünf-Kilometer-Lauf beendet war, sah der Zeitplan noch eine geschlagene Stunde bis zum Start des Laufs über Zehn Kilometer vor. Die zog sich wie Kaugummi, obwohl sich inzwischen eine Freundin zu mir gesellt hatte, die auf der Strecke mein Hase sein sollte, damit ich endlich mal wieder mit einer passablen Zeit einen Zehner finishen würde.

Heiß und schwül

Die Luft wurde heißer und schwüler. Schon das Warmlaufen und Dehnen war so anstrengend wie ein Fünf-Kilometer-Lauf. Als wir endlich am Start standen, war ich schon weichgekocht, aber trotzdem optimistisch. Die neue Streckenführung verhieß ein einfacheres Rennen als die alte aus den Vorjahren. Flacher, schneller, insgesamt leichter würde der Citylauf nun sein. Einen Anstieg gab es dennoch zu bewältigen, da die Dortmunder City nun mal schief liegt.

Als der Startschuss fiel, machte mein Hase sofort Tempo und enteilte mir. Ich sah noch ihre Hacken und versuchte, den Abstand zu halten. Ein Fehler! Wir absolvierten zwei kleine Einführungsrunden um den Friedensplatz, auf denen ich schon merkte, dass dieser Lauf sehr, sehr hart werden würde. Die Anfeuerung von meiner Familie motiverte mich wie auch die vielen Rufe von Laufbekanntschaften am Streckenrand. Da wurde mir erstmals klar, wie viele Menschen ich durch den Sport kennengelernt habe. Doch als es auf die große Schleife ging, schwanden meine Kräfte bereits. Die lange Gerade auf dem Westen- und Ostenhellweg gab etwas Schatten, bevor es in einem Zickzack wieder hoch zum Friedensplatz ging. Viermal mussten wir die große Runde laufen, ich fühlte mich schon jetzt leer.

LaufblogIch grapschte mir je einen Becher mit Wasser und mit Iso, kippte mir das Wasser über den Kopf und nippte am Iso. Dann lief ich weiter und bog in die zweite große Schleife. Da hatte mich die Hitze längst mürbe gemacht. Ich dachte an die vor mir liegenden drei Runden und war mir sicher, dass ich es nicht schaffen würde. Ich bekam etwas Atemnot, hatte überhaupt keine Kraft mehr in den Beinen und verließ letztlich die Strecke. Es hatte einfach keinen Sinn - es war für mich zu heiß, zu spät, zu anstrengend.

Doch anders als bei meinem ersten Ausstieg im Frühsommer, empfand ich das vorzeitige Rennende dieses Mal nicht als Schmach oder Rückschlag. Ich war und bin mit mir im Reinen, weil sich dieses jähe Ende schon seit Wochen abgezeichnet hatte. Ich sah mir den Zieleinlauf an und ärgerte mich maßlos über den Streckensprecher, der sich den mit letzter Kraft oder mit Kampfgeist ins Ziel rennenden Läufern dreist in den Weg stellte, um ihnen Fragen für eine Tombola zu stellen. Von einigen bekam er die passende - nicht druckreife - Antwort. Ich fragte mich, wie ich wohl reagiert hätte, wenn ich mitten im Endspurt und voller Adrenalin gefragt worden wäre, ob ich aus Dortmund komme. Ich fand die Antwort schnell und war froh, frühzeitig ausgestiegen zu sein - es hätte ansonsten zum Eklat kommen können. Ich lachte innerlich.

In dreieinhalb Wochen um zehn Jahre gealtert

Seit meiner Verletzungspause vor einigen Wochen ringe ich um Kondition. Ich hätte gedacht, dass ich Dank der nur dreieinhalb Wochen schneller zu alter Stärke und Ausdauer finden würde. Aber in den vergangenen Wochen zeichnete sich ab, dass ich gehörige Defizite habe. Kurz gesagt: Ich habe das Gefühl, in den dreieinhalb Wochen Zwangspause um zehn Jahre gealtert zu sein. Ich hatte den Halbmarathon in Bochum vor der Brust und wollte Kilometer fressen, um die Kondition aufzubauen. Allerdings lief ich immer zu schnell und schaffte es einfach nicht, mich zu bremsen. Nach 15 Kilometern war ich so alle, dass ich nicht wusste, wie ich den Halbmarathon schaffen soll. Und dazu das Wetter! Es wollte einfach nicht abkühlen.

In Bochum quälte ich mich dann mit zwei Gehpausen, Mühe und Not zu einer Halbmarathon-Zeit unter zwei Stunden. Ein Witz, angesichts der Bestzeit von 1:50:37, die ich in Duisburg gelaufen war. In Bochum war es nicht die Temperatur, die mich zermürbte, sondern der lange, stetige Anstieg auf der Königsallee. Beim dritten Mal kam er mir unendlich lang vor.

Am 3. Oktober steht nun schon der ebenfalls nicht gerade leichte Heim-Halbmarathon in Dortmund auf dem Programm. Das sind nur drei Wochen. Ich werde die Zeit nutzen, um mit einer Mischung aus langsamem Kilometerfressen und Erholung an meiner Kondition zu arbeiten. Ich muss mich bremsen, ich muss es wieder schaffen, gemütlich und lang zu laufen.

 
 

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