Marathonläufer im Schuhdilemma - von Beton-Pantoffeln und Renn-Klompen

Stefan Reinke
Sechs Paar Laufschuhe, aber keines scheint das richtige für den Marathon zu sein.
Sechs Paar Laufschuhe, aber keines scheint das richtige für den Marathon zu sein.
Foto: Stefan Reinke
Eine gute Woche vor dem Marathon hat unser Laufblogger ein Problem: Er hat keine Schuhe. Zumindest keine, mit denen er an den Start gehen möchte.

Dortmund. Die Vorbereitung auf den Berlin-Marathon neigt sich dem Ende entgegen. Eine gute Woche ist nun noch. Den letzte 30-Kilometer-Lauf vor Berlin habe ich bewältigt. Jetzt kommt nur noch Kleinkram, also ein oder zwei Intervalle oder Tempoläufe. Auf jeden Fall bleibt mir nach dem überstandenen Dreißiger eine positive Erkenntnis: Ich bin fit für den Marathon. Nach dieser eher zerhackten Vorbereitung wundert mich das ein wenig, doch selbst die von mir anvisierte Zeit unter vier Stunden sollte drin sein.

Alles gut, also? Mitnichten! Denn ich habe ein großes Problem: Ich habe keine Schuhe!

LaufblogJawoll, wie das Abziehbild einer Blondine vor ihren acht Regalmetern Schuhschrank, stehe ich vor meinen sechs Paar Laufschuhen und schreie panisch: "Ich brauche neue Schuhe!!!" Nun ist es bei mir zu Hause ohnehin so, dass der berühmte Schuhtick eher mein Problem ist - ich bezeichne ihn gerne als meine feminine Seite. Meine Frau verfiel angesichts meiner Aussage über das Nichtvorhandensein von Laufschuhen denn auch in irres Gekichere.

Dem neuen Paar eine neue Chance gegeben

Beim Dreißiger wollte ich dem Paar Cloudcruiser von On Running noch eine Chance geben. Beim Halbmarathon in Bochum trugen mich die Schweizer dynamisch zum Ziel. Aber rechts gab und gibt es ein Problem in Form einer fiesen Druckstelle unterhalb des Knöchels. Aber da die Cloudcruiser so wahnsinnig schnell sind, hoffte ich, dass sie sich im Laufe der 30 Kilometer irgendwann wie kleine Kätzchen an meine Füße schmiegen.

Denkste. Schon beim Probetreten in der Wohnung drückte es. Ich behalf mir mit Luftpoltsterfolie, die ich zwischen Schuh und Knöchel schob. Das war gar nicht mal unangenehm. Ich lief also los. Bis nach etwa fünf Kilometern die Folie aus dem Schuh rutschte, war alles gut. Ich friemelte die Folie wieder in den Schuh und lief weiter. Ich rannte im nahen Park und hatte vorsorglich mein Busticket mit, falls ich vor den Schuhen kapitulieren müsste. So drehte ich meine Runden und sammelte fleißig Kilometer. Und ich lief schnell, wirklich schnell. Es fühlte sich gut an. Mit diesen Schuhen würde ich durch Berlin fliegen.

Schmerzhaft und deprimierend drückte der Schuh

Aber irgendwann begann der Schuh zu drücken. So richtig mit Schmerz und sehr deprimierend. Aus dem Luftpolster war die Luft raus. Ich fummelte die Folie mehrlagig an die schmerzende Stelle und konnte wieder laufen. Besonders verrückt: Je schneller ich lief, desto weniger tat es weh. Um genau zu sein, tat es überhaupt nicht weh, wenn ich für meine Verhältnisse richtig schnell lief. Da zeigte sich wieder, das Schuhe von On Running aufblühen, je flotter der Träger unterwegs ist. Meine Muskeln spielten mit und machten keine Anstalten, schlapp zu machen. Insofern wäre der Cloudcruiser wirklich der richtige Schuh für Berlin.

Aber auf Dauer kann es ja keine Lösung sein, 42 Kilometer durchzurennen, um vor den Schmerzen zu flüchten. Kurzum: So kann ich mit den Cloudcruiser keinen Marathon laufen. Erschwerend kam hinzu, dass ich nach einer Weile keine Rechtskurven mehr laufen konnte, weil der Schuh dann noch stärker auf die fiese Stelle drückte. So stoppte ich vor jeder Rechtskurve ab, drehte mich auf dem Absatz und lief weiter. Muss ulkig ausgesehen haben. War es aber nicht.

Schuhwechsel nach 24 Kilometern

Nach etwa 24 Kilometern war ich wieder zu Hause und machte ein Experiment. Ich schlüpfte schnell in meine Asics Cumulus. Die sind ja prädestiniert für lange langsame Läufe. Beim langsamen Vivawest-Marathon hatte ich sie bereits im Einsatz. Aber langsam wollte ich gar nicht mehr, nachdem mich die Cloudcruiser so tempoverwöhnt hatten und ich mit den Cloudsurfern so gut beim Rhein-Ruhr-Halbmarathon klargekommen war.

Was für ein Unterschied! Wenn sich die Schuhe von On Running anfühlen wie Renn-Holzschuhe, sind die Asics Cumulus Beton-Pantoffeln. Die Füße haben es zwar so richtig kuschelig, aber Dynamik gibt es hier überhaupt nicht. Im Vergleich mit den Cruisern kleben die Cumulus förmlich am Boden. Ich zwang mich dennoch, den Lauf anständig und flott zu beenden und machte im Rahmen meiner Möglichkeiten die 30 in einem recht hohen Tempo voll.

Tja, und jetzt habe ich den Salat.

In meinem Schuhregal stehen folgende Schuhe:

  • Scott T2 Kinabalu: Das ist ein Trailschuh, nicht für Asphalt gemacht.
  • Nike Free: Da brauche ich nach 10 km neue Füße.
  • Adidas Adistar Boost: Schneller Schuh, aber bei meinem Gewicht wohl eher kein Marathonschuh.
  • On Running Cloudsurfer: Schneller Schuh, aber meiner Erfahrung nach auch eher ein Halbmarathon-Schuh.
  • On Running Cloudcruiser: Temposchuh für lange Strecken auf Asphalt. Wenn ich zwei Linke tragen könnte, würde ich ihn nehmen. Wenn noch ein Wunder geschieht und sich mein rechter Fuß doch noch mit dem Schweizer anfreundet, ist das der Berlin-Schuh. Aber an Wunder glaube ich nicht.
  • Asics Cumulus: Marathon geht mit ihm, beim Vivawest hatte ich ihn schon im Einsatz. Aber der Schuh ist so wahnsinnig träge. Der Cloudcruiser hat mich in Sachen Tempo und Laufleichtigkeit einfach verwöhnt.

Seht ihr? Ich habe keine Schuhe!

Das Problem ist nun hinreichend beschrieben. Aber was ist die Lösung? Gibt es Gel-Pölsterchen, die ich in den Cloudcruiser stecken kann? Helfen Einlagen? Dicke Wollsocken? Pflaster? Neue Schuhe? Eine Woche vor dem Marathon?

Was soll ich tun?