Gedicht für ein unbekanntes Körperteil: den Schleimbeutel

Stefan Reinke
Den Laufblogger plagt eine Schleimbeutelentzündung im Knie (Abbildung ähnlich).
Den Laufblogger plagt eine Schleimbeutelentzündung im Knie (Abbildung ähnlich).
Foto: Imago Stock&People
Der Laufblogger ist frustriert: Schleimbeutelentzündung und dickes Knie. Grund genug, dem bisher unbekannten Körperteil ein Gedicht zu widmen.

Dortmund. Rund sechs Wochen ist es her, dass ich beim Laufen stolperte und auf mein Knie fiel. Schmerzen habe ich keine, wohl aber eine hartnäckige Schwellung. Offenbar handelt es sich um eine Schleimbeutelentzündung. Da ich dieses Körperteil bislang noch nicht kannte, widme ich ihm ein Willkommens-Gedicht.

Ode an den Schleimbeutel

Lieber Beutel, alter Schleimer,

warum bist du bloß im Eimer?

Wir haben uns noch nie gesehen,

Und trotzdem ist's um dich geschehen.

Im Urlaub war es, weißt du noch?

Da flog ein Tier am Himmel hoch.

Es kreischte und kam nah und näher,

von der Möwen-Kolonie der Späher.

Ich nahm die Beine in die Hände

und rannte schnell auf holprigem Gelände.

LaufblogDas Gelände war ein Priel,

wo ich auf mein Knie dann fiel.

Ein Schrei, ein Fall, ein Purzelbaum,

dickes Knie und Lauf-Albtraum.

Das Blut am Bein war recht schnell trocken,

Hoffnung wuchs, Berlin zu rocken.

Eisbeutel, Voltaren und Füße hoch,

Wart' nur Marathon, ich komme doch!

Aber's Knie wird nicht mehr schmal,

sind schon sechs Wochen an der Zahl.

Das Training lass' ich etwas ruh'n,

um der Haxe gut zu tun.

"Es tut ja nicht mal weh",

erkläre ich beim MRT.

Es grinst der Arzt und rät: "Geduld."

An allem ist die Möwe schuld.

Nun bist du Beutel voller Schleim entzündet,

was mein dickes Knie begründet.

Laufen ohne Schmerzen geht,

ob's sinnvoll ist, auf einem andern Blatte steht.

Doch nach Berlin kriech' ich zur Not auf allen Vieren,

kann Flug und Hotel eh nicht mehr stornieren.

Und, Beutel, ich versprech's: Nach dem Brandenburger Tor

hab' ich erst mal keine Läufe vor.

Schleim schön rum, schmier mir das Knie,

für Start und Ziel auf der Straße des 17. Juni.