Der Marathon naht, der Puls steigt, die Nerven liegen blank

Der Marathon in Paris gehört zu den größten Läufen der Welt.
Der Marathon in Paris gehört zu den größten Läufen der Welt.
Foto: Imago
Noch wenige Tage, dann ertönt der Startschuss zum Paris-Marathon. Das Training ist beendet, jetzt heißt es abwarten. Unser Laufblogger ist nervös.

Dortmund. Jeden Tag erscheint auf Facebook eine neue Statusmeldung des Paris-Marathons. Die Organisatoren wollen Vorfreude wecken. Das gelingt ihnen. Doch die Vorfreude hat eine hässliche Schwester: die Nervosität. Wenn es darum geht, sich selbst vor einem Ereignis verrückt zu machen, bin ich Weltmeister.

Nur noch ein paar Tage bis zum Start. Was kann ich noch tun? Die Ratschläge der einschlägigen Literatur gehen allesamt in dieselbe Richtung: nichts. Ich kann warten, ausharren und hoffen, dass nicht noch irgendein Virus im Zug auf mich überspringt. Was noch? Essen! Aber nicht zu viel und vor allem: nicht falsch. Kohlehydrate, aber die richtigen, also langkettige. Kein Zucker.

Kein Zucker? Leute, es war Ostern! Zu Hause türmen sich Schokoeier und -Hasen. Das Zeug wird doch schlecht. Okay, bis nach dem Marathon werden der Oster-Nachkram wohl noch halten. Ich warte also. Zwischendurch gehe ich noch ein bisschen arbeiten. Ansonsten harre ich ungeduldig aus.

Chillen ist angesagt

"Tapering" heißt die Trainingsphase etwa zwei bis drei Wochen vor dem Marathon. Das englische Wort steht für so etwas wie "zuspitzen". Denn das ist das, was Körper und Geist jetzt machen sollen. Volle Konzentration auf die Regeneration. An Karfreitag durften sich die Beine noch mal austoben. Der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf in Dortmund ist ein Pflichttermin und die gut sechs Kilometer lange Strecke mit leichter Steigung am Schluss passte in diesem Jahr perfekt in die Taperinphase. Gekrönt wurde der Tag mit einer Eiweiß- und Omega-3-Bombe in Form eines gegrillten Lachses. Seit Wochen denke ich bei Essen nur noch an Inhaltsstoffe, sehe an der Fleischtheke Eiweiß und im Gemüseregal Kohlehydrate. Am Samstag war wieder Chillen angesagt, Sonntag standen gemütliche zwölf Kilometer auf dem Programm.

Bei den beiden österlichen Laufeinheiten habe ich gemerkt, dass mein Körper genau so heiß ist, das Antrainierte aus den vergangenen vier Monaten endlich auf die Straße zu bringen, wie mein Kopf. Der Sonntagslauf sollte langsam und gemütlich werden. Tatsächlich musste ich mich zügeln. Zu schnell war ich allemal. In der Schlusswoche jetzt noch Yoga, Blackroll und Massage. Ein kurzer Lauf - und dann geht's los.

Nervosität beim Kofferpacken

Eigentlich ist also alles paletti. Auch die für den Marathon benötigten Unterlagen habe ich beisammen. In Frankreich ist es Pflicht, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt vorzulegen, bevor man an den Start gelassen wird. Habe ich. Doch die Erfahrung lehrt mich, dass ich beim Kofferpacken irgendetwas vergessen werde. Im Zweifel die Schuhe. Oder mein Shirt. Ich habe mir extra für Paris ein Laufshirt bedrucken lassen. Wundern würde es mich nicht, wenn das gute Stück am Ende nicht seinen Weg in den Koffer finden würde.

Wenn ich doch daran denken sollte, Schuhe mit zum Marathon zu nehmen - werden es die richtigen sein? In meinem Schuhregal liegen momentan zwei Paar Testschuhe, von denen ich eines für Paris in Erwägung ziehe. Oder nehme ich meine bewährten Langstreckenschuhe? Fragen über Fragen, überall Probleme, die eigentlich keine sind.

Es ist doch ganz einfach: Ausschlafen, Checkliste machen, früh den Koffer packen. Und dann abwarten, was kommt. Spätestens beim Auspacken im Hotel werde ich feststellen, ob etwas fehlt. Und wenn ja, gibt es auch in Paris Sportgeschäfte (okay, neue Schuhe beim Marathon zu tragen, wäre eher schlecht) für den schnellen Panikkauf.

 
 

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