Labbadias Altlasten

Walter Brühl

Essen. Das 3:5 gegen den VfB Stuttgart hat die Fans des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart auf die Palme gebracht. Im Mittelpunkt ihres Zorns: Präsident Erwin Staudt. Aber auch Neu-Trainer Bruno Labbadia ist schwer umstritten. Ein Kommentar.

Die Mannschaft im Tabellenkeller, die Fans auf den Barrikaden: So dünn wie in diesen Tagen war die Luft für den Vorstand des VfB Stuttgart noch nie. Präsident Erwin Staudt ist zum Feindbild für einen Teil der Anhänger geworden, aber die Ablehnung gilt längst nicht ihm alleine. Die wüsten Szenen nach dem 3:5 gegen Bayern München zeigen auch dies ganz deutlich: Trainer Bruno Labbadia kommt bei den VfB-Anhängern überhaupt nicht an. Seine Verpflichtung hat jedenfalls nicht das Geringste zur Beruhigung beigetragen. Ganz im Gegenteil.

Erstaunlich eigentlich, dass ein 5:1-Europapokalsieg gegen Odense und eine – wenn auch außergewöhnliche – Pleite gegen Bayern München schon ausgereicht haben, um jeden Kredit aufzubrauchen. Aber Bruno Labbadia hat wahrscheinlich von Anfang an keinen Kredit genossen.

Er kam nicht nur mit den Altlasten seiner gescheiterten Engagements bei Bayer Leverkusen und dem HSV ins Schwabenland. Schwerer noch als die sportlichen Talfahrten mit diesen beiden Klubs wiegt vielleicht sein berüchtigtes Interview am Vorabend des Pokalfinales 2009, als er das eigene Bayer-Team vor einem so wichtigen Spiel in Grund und Boden rammte. Seine damaligen Spieler werden ihm das wohl nie vergessen – und viele Fußball-Fans vergessen diesen bislang einmalig gebliebenen Akt der Illoyalität offenbar auch nicht.