Keine Zeit für Versteckspiele

Dortmund..  An manchen Tagen reicht Jürgen Klopps Selbstvertrauen zweifelsohne dazu aus, sich mit einem Weltmeistertrainer zu vergleichen. Zwei Spieltage vor dem Saisonende in der Fußball-Bundesliga und der anschließenden Pokalfinalzugabe aber hält es der nur noch für gut zwei Wochen bei Borussia Dortmund intensiv beschäftigte Trainer für keine gute Idee, Sepp Herberger nachzuahmen.

„Es uns jetzt von Wolfsburg 3:8 geben zu lassen und dann das Pokalfinale 3:2 zu gewinnen, ist auch nicht so leicht“, hat der künftige Ex-Coach des BVB den hohen Anspruch in der Aufgabe erkannt, wie Deutschlands WM-Helden 1954 in der Vorrunde gegen Ungarn zu verlieren und den Favoriten dann hinterher im Finale zu übertölpeln. Für die beiden noch ausstehenden Begegnungen mit dem VfL Wolfsburg ist dies keine wirklich gute Strategie. Zumal Schwarzgelb schon am heutigen Samstag (15.30 Uhr) im Auswärtsspiel bei den Niedersachsen deutlich mehr gewinnen kann, als es für die Herberger-Truppe damals beim ersten Aufeinandertreffen mit den Ungarn der Fall war.

Gewinnt der BVB in Wolfsburg, kann er bei einer gleichzeitigen Bremer Pleite gegen Mönchengladbach und einem Remis der Hoffenheimer in Leverkusen Platz sieben dingfest machen. Vorausgesetzt, dass Werder am letzten Spieltag im direkten Duell neben den drei Punkten nicht mehr die um etwa 20 Treffer schlechtere Torbilanz ausgleichen könnte, hätten die Dortmunder dann schon vor dem Pokalfinale die Europa-League-Teilnahme gesichert. „Es sind noch sechs Punkte im Topf, wir haben also nicht so viel Zeit, alles zu regeln“, sagt der 47-Jährige.

Und vielleicht ist ja auch noch mehr drin, Rang sechs zum Beispiel. Als erster Bundesligist überhaupt in der Rückrunde von Platz 18 unter die Top 6 zu kommen, wäre für den Trainer „zwar nicht der schönste Titel, den wir hier in den letzten Jahren gewonnen haben. Aber es wäre wahnsinnig in Ordnung.“

Um das zu schaffen, müssen die Dortmunder vor allem Wolfsburgs kopfballstarke Innenverteidiger Naldo und Timm Klose in Luftduellen beherrschen. „Eine Waffe“ nennt Klopp das Duo. Wobei: Auch der BVB hat offensivstarke Verteidiger. Die letzten drei Treffer in Hoffenheim (1:1) und gegen Eintracht Frankfurt (2:0) erzielten die Herren Hummels, Subotic und Durm, allesamt sonst für das Toreverhindern angestellt.

Die Begegnung mit dem VW-Klub löst in Dortmund bereits jetzt ein Kribbeln aus – weil es ja noch den dritten Saisonvergleich am 30. Mai im Berliner Olympiastadion gibt. Jürgen Klopp bemüht sich, den direkten Zusammenhang beider Partien auszublenden: „Das Finale wird ein anderes Spiel, eine andere Atmosphäre, ein anderer Wettbewerb.“

Da sich der BVB im Kampf um internationale Plätze keinen ruhigen Samstag genehmigen kann und Wolfsburg Zweiter werden will, erwartet Klopp keine taktischen Versteckspiele: „Es ist nicht so, dass, wenn de Bruyne oder Rodriguez nicht spielen, wir dann glauben, sie wären auch im Finale nicht dabei.“ Gleichfalls ließe sich Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking nicht ins Bockshorn jagen, falls Marco Reus auf der Bank bliebe. Doch der hat seine Adduktorenbeschwerden überwunden und voll trainiert. „Es gibt keine Schonung“, sagt Klopp, „es würde auch keinen Sinn machen, einen Spieler einfach so drei Wochen herauszunehmen.“ Für Wolfsburgs Manager Klaus Allofs sind die beiden Partien ebenso zwei unterschiedliche Paar Schuhe: „Derjenige, der das Liga-Spiel am Samstag gewinnt, ist ja noch lange nicht Pokalsieger.“

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