Kein Problem zwischen Bayern-Trainer Guardiola und Martinez

Javi Martinez galt beim Triple-Gewinn des FC Bayern München als derjenige, der im Mittelfeld die Balance zwischen Angriff und Verteidigung schaffte. Pep Guardiola, der neue Coach, unter dem die Bayern zumindest das Double klar machen wollen, sieht ihn als Verteidiger. Für Martinez ist das okay.

München. Fasziniert beobachtete der spanische Weltmeister Javi Martinez in den ersten Monaten beim FC Bayern die romantischen Seiten Münchens. Seinen Bekannten schickte er zwei Fotos der Stadt. Eines zeigt die Straßen des Lehel mit den prächtigen Häusern, golden beleuchtet zur Nacht, aber eben menschenverlassen, das andere den Eisbach im Englischen Garten, das Licht spiegelt sich im Wasser, verwunschen hängen die Pflanzen über das Ufer.

Seine Berufserfahrungen fügten sich zunächst nahtlos in die Idylle ein: Mit dem FC Bayern gewann er vergangene Saison alle drei wichtigen Wettbewerbe, und das Publikum, das große Erfolge im Fußball immer an einzelnen Faktoren festmachen will, erkannte im Neuzugang aus Bilbao das letzte Puzzleteil, das gefehlt hatte – der Mittelfeldspieler, der dem Team die Balance zwischen Angriff und Abwehr gab. Dementsprechend irritiert wurde registriert, dass Martinez dieses Jahr unter dem neuen Trainer Pep Guardiola keine feste Rolle mehr spielt. Wird er ihn diesmal bringen, fragen sich wieder viele vor dem DFB-Pokalfinale an diesem Samstag gegen Dortmund.

Übersetzungsprobleme

Die Wahrheit ging offenbar in Übersetzungen verloren: Javi Martinez spricht nur brüchig Deutsch, die deutschen Medien – und scheinbar auch etliche in der Mannschaft – erfahren deshalb nicht wirklich, was mit ihm los ist. Er begann die Saison mit Leistenschmerzen, musste im September operiert werden, und wie so oft, wenn Fußballer sich mit Verletzungen durchkämpfen wollen, schleppen sie sich nur von Problem zu Problem. Deshalb vor allem hat ihn Guardiola so unregelmäßig eingesetzt: weil er Martinez‘ Fitness oft nicht traute.

Die andere Seite ist, dass der Trainer in Martinez einen anderen Spieler sieht als das Publikum. Martinez sei zuvorderst kein Mittelfeldspieler, behauptet Guardiola. Mittelfeldspieler müssen bei ihm feinste Passgeber sein. Es lässt sich darüber diskutieren, ob Martinez‘ Pässe für einen defensiven Mittelfeldmann wirklich nicht genügen. Aber wer sagt, Guardiola schätze Martinez nicht, lügt. Er hält ihn für Weltklasse. Als Innenverteidiger.

Schon vor Jahren, als er noch den FC Barcelona trainierte, interessierte sich Guardiola für Martinez. Vergangenen Winter in München erzählte der Trainer privat, er hoffe auf einen erholten Martinez als Alternative für Jerome Boateng in der Rückrunde. „Sobald Pep bei Bayern anfing, sagte er mir, er zähle auf mich als Innenverteidiger,“ sagt Martinez und anders, als die Flüsterpropaganda, die ihn zornig über die Versetzung vermutet, kann er diese Sicht teilen: „Ich sehe mich als Verteidiger.“

Kein Foto mit dem Kaiser

Das Publikum sieht in ihm den Schlüsselspieler von Bayerns Alles-Gewinnern, der stets spielen muss. Javi Martinez jedoch sieht in sich weiterhin auch den Jungen aus dem nordspanischen 2000-Seelen-Ort Ayegui, der einfach froh ist, das alles zu erleben. Als er beim FC Bayern das erste Mal Franz Beckenbauer die Hand gab, hätte er gerne ein Foto gemacht, er mit Kaiser Franz, Wahnsinn. Aber er traute sich nicht.

 
 

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