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Junior Baiano, der Über-Ailton

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Foto: imago sportfotodienst

Miami. 

In der Nacht von Sonntag auf Montag steigt der Super Bowl der National Football League in Miami. In seinem Football-Tagebuch notiert Patrick Brandenburg seine Erlebnisse in den USA. Diesmal sucht er in Miami Fußballer – etwa den brasilianischen Abwehrrecken und ehemaligen Bremer Junior Baiano.

Die Zentrale des Miami FC liegt in einem Bürogebäude im Hochhausviertel Downtown. Das Navi hatte schon Schwierigkeiten mit der Adresse. Und vor Ort ist selbst der Hausmeister nicht so sicher, ob ich den Knopf für die vierte Etage drücken muss. Der Fußballklub gehört wortwörtlich nicht zur ersten Liga. Noch nicht. Er ist ohne Heimat, aber er hat große Ziele. Aber dazu später mehr. Erst einmal die wichtigstes Frage: Wo ist Raimundo Ferreira Ramos Junior? Oder für alle Fußballfans: Wo ist Junior Baiano?

Das sind die Tücken des Reporter-Alltags: Bezüge herstellen, Namen finden, „Was macht eigentlich…?“-Klassiker entdecken. Rund um den Super Bowl in Miami ist das Auffinden von Storys über europäischen Fußball jedenfalls ein echtes Problem. Es gibt keinen deutschen Spieler, der in Dade County oder West Palm Beach die Karriere ausklingen lässt. Die Fort Lauderdale Strikers sind Geschichte, Gerd Müllers Restaurant längst verkauft. Aber schließlich hatte das Internet doch noch was ausgespuckt: Junior Baiano spielt beim Miami FC. Volltreffer! Ein Bundesliga-Brasilianer, gestrandet in Florida.

Leidenschaft für Rote Karten

„Bremen war ein Alptraum. Es muss die kälteste Stadt dieser Erde sein.“ An diesen vergifteten Abschiedsgruß Baianos werden sich die leidgeprüften Werder-Fans erinnern. Nach nur eineinhalb Jahren in Grün-Weiß, einem Fausthieb im DFB-Pokal und der satten Sperre von neun Punktspielen floh der Abwehrspieler Ende 1996 zu Flamengo Rio de Janiero.

Danach entwickelte sich Baiano trotz seiner Leidenschaft für Rote Karten zu einem Top-Verteidiger. Der 1,92-Meter-Hüne stieg zum Stammspieler in der Selecao, der brasilianischen Nationalmannschaft, auf und wurde mit Brasilien 1998 Weltmeister. Später erwischte man ihn bei Vasco da Gama beim Koksen. „Der Stürmer mit der weißen Nase“, titelte Spiegel online. Im Karriereherbst kam dann der Wechsel an den Drehort von Miami Vice. Wenn das keine Story ist.

Brasilianer und die Winterpause – Junior Baiano kehrte nicht nach Miami zurück

Denkste, Puppe! Meine Geschichte ist längst tot. Ein Klubsprecher hatte es in einer Mail bereits angedeutet, und Fernando Clavijo, ehemaliger US-Nationalspieler und nun bei Miami FC im Management, bestätigt zwischen Tür und Angel meine schlimmsten Befürchtungen: „Junior Baiano spielt nicht mehr für uns.“ Brasilianer und die Winterpause – klar, dass „mein“ Junior Baiano auf Über-Ailton macht und gleich ganz wegbleibt.

Dafür gibt mir Clavijo eine andere Geschichte mit auf den Weg: Der Klub will mit acht anderen Rebellen die North American Soccer League NASL aufleben lassen, die es schon zu Zeiten von Pelé und Franz Beckenbauer gab. 2011 soll‘s losgehen, auch in Konkurrenz zur Major League Soccer. Da habe ich zum Recherchieren zum Glück noch Zeit.