Italien-Torhüter Gianluigi Buffon genießt die Underdog-Rolle

Gianluigi Buffon, Italien.
Gianluigi Buffon, Italien.
Foto: dpa
Mit 38 Jahren wird Gianluigi Buffon immer besser im Tor. Sein Wort hat Gewicht bei den Italienern. Als Außenseiter startet er nicht gegen Deutschland: „Das Urteil wird auf dem Platz gesprochen“

Montpellier. Zum Beispiel am Abend vor dem Spiel gegen Spanien. Da saß Gianluigi Buffon neben seinem Trainer Antonio Conte, mit dem er einst noch zusammen gespielt hat. Conte sprach viel, Buffon wenig, er strich sich über die Hände und schaute mit diesem feierlichen Ernst, den er seinem Beruf widmet. Was Buffon dann sagte, bestätigte mal wieder diesen Wow-Eindruck: Was für ein Typ!

Belgien, der Geheimfavorit: klar geschlagen. Spanien, der Titelverteidiger: auch. Deutschland, der Weltmeister? „Das Urteil wird auf dem Platz gesprochen“, sagte Buffon nach dem Spanien-Spiel. Ein Satz, den am Mittwoch am italienischen Quartier in Montpellier alle interviewten Spieler wiederholten.

38 ist er jetzt, der drittälteste EM-Akteur hinter seinen bereits ausgeschiedenen Torwartkollegen Gabor Kiraly (Ungarn) und Shay Given (Irland). Als Spieler ist der viermalige Welttorwart des Jahres kaum schlechter geworden, auch wenn Franz Beckenbauer ihn vor Jahren mal als „Rentner“ bezeichnete – ein Satz, der Buffon verletzte. Als Persönlichkeit ist er gereift. Seine präzisen Einschätzungen kann man quasi als Regierungserklärungen dieser Mannschaft nehmen.

Ein Heiliger

„Seine Aura ist einzigartig“, sagt Conte. „Ein Heiliger“, befand Giorgio Chiellini nach dem Spanien-Spiel. „Eine Inspiration“, nennt ihn Andrea Barzagli, selbst schon 35.

Buffon und seine Abwehrleute: Im Turnier sind sie wie die Deutschen noch ohne Gegentor, bei der Niederlage im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Irland setzten sie aus. Die vier Senatoren von Juventus Turin sind die größten Stars der Mannschaft. Gegen Spanien besorgte Chiellini sogar den wichtigen Führungstreffer. Dass eine Abwehr ein italienisches Team überstrahlt, steht im Einklang mit der Tradition. „Inglorious Bastards“, hat sie die Presse genannt.

„Wir haben so viel zusammen durchlebt, dass wir ein besonderes Feeling zwischen uns haben“, sagt Buffon, der die Defensive als „Traditionsabteilung“ bezeichnet. Die in Italien wieder populäre Dreierkette galt auch mal als antiquiertes System. Doch bei diesem Turnier stellt es alle Gegner bisher vor eine unüberwindliche Hürde. „Wir sind damit nicht klargekommen“, gestand Spaniens Juanfran.

In Contes 3-5-2-Taktik gibt es immer genügend Spieler zum Pressing im Mittelfeld, immer reichlich zum Verteidigen in der Abwehr. Die Schlüsselrolle nimmt dabei der passsichere Bonucci ein, der bisweilen als Libero agiert. „Er ist unser defensiver Spielmacher“, sagt Buffon. „Er versteht es gut, das Spiel zu eröffnen. Er hat begnadete Füße, die es ihm erlauben, viel zu riskieren.“

Bonucci, nicht umsonst gegen Spanien zum Mann des Spiels ernannt, variiert dabei. Mal spielt er Steilpässe, mal schaltet er sich als Mittelfeldspieler ein.

„Unsere Stärke ist es, unsere Grenzen zu kennen“, sagte Buffon schon zu Turnierbeginn. Er und seine Abwehr genießen die Underdogrolle, den Kampf gegen die fußballerische Wahrscheinlichkeit, die großen Klassiker des Länderfußballs. „Die Schönheit des Sports, erst recht mit 38 Jahren, ist es, solche Spiele zu leben, als wären sie das Wichtigste.“

 
 

EURE FAVORITEN