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Ist die 800-Meter-Favoritin tatsächlich eine Frau?

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Foto: AFP

Berlin. Experten untersuchen derzeit das Geschlecht der südafrikanischen 800-Meter-Läuferin Caster Semenya. Sie ist bei der Leichtathletik-WM in Berlin Favoritin auf Gold. Das Finale findet am Mittwochabend um 21.35 Uhr statt.

Medizinische Experten untersuchen derzeit das Geschlecht der in diesem Jahr in der Weltspitze aufgetauchten südafrikanischen 800-m-Läuferin Caster Semenya. Sie ist bei der Leichtathletik-WM in Berlin Favoritin auf Gold, das am Mittwochabend vergeben wird. „Dies ist ein sehr sensibles Thema. Wir haben keine abschließenden Beweise und es gibt deshalb keinen Grund, ihren Start zu verbieten“, sagte IAAF-Sprecher Nick Davies.

Er könne auch noch nicht sagen, was passieren würde, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass Semenya unwissentlich ein Mann ist. Davies betonte, dass dies nicht mit einem Dopingvergehen vergleichbar sei: „Es gibt da keine vorgeplanten Schritte. Wir gehen diskret und sensibel mit dem Fall um. Es handelt sich um ein medizinisches Thema.“

Untersuchungen haben schon begonnen

Die 18-jährige Semenya war in Ende Juli in 1:56,72 aus dem Nichts in die Weltspitze vorgestoßen. Im Halbfinale der WM in Berlin rannte sie in 1:58,66 Minuten die beste Zeit. Die Untersuchungen bei Semenya hätten bereits vor kurzem begonnen. Mindestens vier Experten sind daran beteiligt, erklärte Davies.

In der Vergangenheit gab es wiederholt Fälle, bei denen Tests zu Tage förderten, dass Männer unwissentlich als Frauen an den Start gingen. Die als Polin geborene Amerikanerin Stella Walsh etwa holte über 100 m 1932 in Los Angeles Olympiagold und vier Jahre später in Berlin Silber. Als sie 1980 bei einem Überfall erschossen wurde, stellte sich heraus, dass Walsh männliche Geschlechtsorgane hatte. Bei den Asienspielen 2006 in Doha musste die indische Leichtathletin Santhi Soundarajan ihre 800-m-Silbermedaille wieder abgeben, nachdem bei einem Geschlechtstest herausgekommen war, dass sie von der Chromosomen-Konstellation her männlich ist. Anschließend versuchte Soundarajan, sich das Leben zu nehmen.

XY, aber trotzdem kein Mann

Normalerweise weisen Frauen zwei X-Chromosomen (XX) in ihren Zellen auf, Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Manche mit einem Y-Chromosom geborenen Menschen entwickeln alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau – ausgenommen der inneren Sexual-Organe. Sie leiden unter dem Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS). Diese Frauen sind XY, allerdings kein Mann, weil ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert.

Deshalb dürften sie auch bei den Frauen starten. Sieben der acht Frauen, die 1996 bei Olympia in Atlanta positiv auf Y-Chromosomen getestet wurden, hatten AIS und durften teilnehmen. Das Internationale Olympische Komitee hatte 1968 eine umstrittene „Gender Verification“ (Geschlechtstest) als verbindlich eingeführt, vor den Sommerspielen 2000 in Sydney jedoch wieder abgeschafft und sieht sie mittlerweile nur noch in strittigen Fällen vor. Auch die IAAF hat ihre Tests abgeschafft. (sid)