IOC untersucht Dopingvorwürfe gegen Russland

Moskau.  Die Enthüllungen über Betrug, Doping und Korruption im russischen Spitzensport überschatten den Reformkongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Monte Carlo. Statt ein Zeichen des Aufbruchs zu setzen, sieht sich das IOC auch mit dem Skandal in Russland konfrontiert. IOC-Präsident Thomas Bach bezeichnete die Vorwürfe als „ernsthafte Anschuldigungen“ und kündigte konsequentes Durchgreifen an: „Wenn als Ergebnis der Untersuchungen jemand ein Doping-Vergehen begangen hat, wird das IOC handeln.“

Auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF, der seit Ausstrahlung der ARD-Doku „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“ im Blickpunkt steht, kündigte Untersuchungen an. Immerhin belegen Videoaufzeichnungen die Verstrickung von Cheftrainer Alexej Melnikow in Doping oder ein Handymitschnitt, wie die 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012, Marija Sawinowa, ihre Einnahme von verbotenen anabolen Mitteln erklärt.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat nach Aussage ihres Präsidenten Craig Reedie sämtliche Informationen an die IAAF-Ethikhüter weitergeleitet. „Natürlich mache ich mir Sorgen“, forderte Reedie schnelle Aufklärung nach einem Treffen mit Bach, der jedoch vor Vorverurteilungen warnte. Auch IAAF-Councilmitglied Helmut Digel hat Zweifel, dass in Russland Justiz und Staat an einer Aufklärung interessiert sind: „Das ist ein Problem der Anti-Doping-Gesetze, dass sie auf dem Papier stehen, aber nicht umgesetzt werden.“ Dies gelte nicht nur für Russland.

Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada reagierte defensiv. „Es gibt keine Tatsachen und keine Originaldokumente, die einen Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln belegen“, sagte Rusada-Exekutivdirektor Nikita Kamajew.