Ilkay Gündogan stark gegen Paraguay - Mesut Özil ein Regisseur ohne Fortune

Andreas Ernst
Bester Deutscher gegen Paraguay: Ilkay Gündogan.
Bester Deutscher gegen Paraguay: Ilkay Gündogan.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft begann die WM-Saison 2013/2014 mit einem 3:3 (2:3) gegen Paraguay. Der beste Spieler stand nur 27 Minuten auf dem Platz. Ilkay Gündogan traf zum 1:2 und musste dann mit Rückenschmerzen raus. Die deutsche Abwehr wackelte und verdiente sich keine guten Noten.

Kaiserslautern. Vorne hui, hinten pfui - so in etwa lässt sich die Leistung der deutschen Elf gegen Paraguay beschreiben.

Die Abwehr wackelte besonders in der ersten Hälfte mehrmals bedenklich - dementsprechend gibt's für die Abwehrreihe von uns Noten zwischen 4 und 4,5.

Ilkay Gündogan verdiente sich in der knappen halben Stunde, in der er mitwirken konnte, die Note 2. Agil, ideenreich, lauffreudig war der Dortunder bis zu seiner Auswechslung. Beneso positiv in Erscheinung getreten: sein Ersatz Lars Bender, der sich wie Gündogan in die Torschützenliste eintrug.

Noten von 2 bis 5 gibt's für das Löw-Team in unserer Einzelkritik. Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke und diskutieren Sie mit uns über Leistungen und Noten.

Die Einzelkritik in Textform 

Manuel Neuer: Drei Gegentore in 35 Minuten - ein solches Albtraumspiel erlebt der Bayern-Torwart nicht oft. Auf seine Kappe ging keiner dieser Treffer. Vor dem 0:1 (10.) hätte die Abstimmung mit Mats Hummels besser sein können. Dass vor dem 0:2 (12.) Sami Khedira den Ball nach seiner Faustabwehr nicht verarbeiten konnte, ist nicht dem Torwart anzukreiden. Note: 4

Philipp Lahm: Nach einer vogelwilden ersten Hälfte, in der auch der Kapitän zuweilen den Überblick verloren hatte, verließ er nach der Pause kaum noch die gegnerische Spielhälfte. Dabei überzeugte er durch sehr präzise Pässe und gutes Zusammenspiel mit Thomas Müller, suchte allerdings selbst nicht den Abschluss. Note: 4

Per Mertesacker (bis 46.): 38 Pässe spielte er in der ersten Hälfte - alle kamen an. Das klingt eigentlich nach einer guten Note. Der Innenverteidiger vom FC Arsenal konnte seine Abwehr zur keiner Phase stabilisieren, konnte kurz vor der Pause beim 2:3 Torschütze Miguel Samudio nicht folgen. Note: 4

Mats Hummels: Im weißen Trikot erlaubte er sich wieder mehr Leichtsinnigkeiten als im schwarz-gelben. In der 10. Minute blieb er nach einem langen Pass von Salustiano Candia einfach stehen - schon stand Jose Nunez frei und erzielte das 0:1. Kurz vor der Pause überschätzte er seine Stellungsspiel-Fähigkeiten und musste Roque Santa Cruz laufen lassen. Der servierte mit einem überlegten Querpass Miguel Samudio das dritte Tor für Paraguay. Dazwischen lagen aber auch einige fantastische Momente des Dortmunder Innenverteidigers. So gelang ihm ein himmlischer Pass auf Thomas Müller vor dem 2:2 (31.). Note: 4,5

Marcel Schmelzer (bis 81.): Er absolvierte ein Flankentraining auf internationalem Niveau. Er klebte an der linken Seitenauslinie, ließ sich anspielen und flankte den Ball immer wieder in die Strafraummitte. Doch keine Flanke führte zu einer richtig großen Torszene, oft wurde der Ball geblockt. Das kann er deutlich besser. Note: 4

Sami Khedira: Über das zweite Gegentor wird er sich noch eine Weile ärgern. Nach Manuel Neuers Faustabwehr hätte er den Ball kontrollieren müssen. Doch er sprang ihm vom Fuß - und Wilson Pittoni traf (12.). Erst nach der Auswechslung von Ilkay Gündogan (27.) spielte er etwas auffälliger und kraftvoller, auch wenn ihm kein spielentscheidender Pass gelang. Note: 4

Ilkay Gündogan (bis 27.): Wenn er mit Rückenschmerzen so das deutsche Spiel lenken kann - wie gut ist er dann erst ohne? Obwohl er nur 27 Minuten spielte, kam er in dieser Zeit zu vielen Ballkontakten. Er erzielte das Anschlusstor zum 1:2 (18.), das er selbst eingeleitet hatte, und verhinderte kurz vor seiner Auswechslung ein weiteres Gegentor, als er Victor Ayalas Eckball noch klären konnte. Note: 2

Thomas Müller (bis 81.): Da die Nationalelf ihr Spiel überwiegend über Marco Reus auf der linken Seite aufbaute, kam der Münchener nicht so oft zum Zug. Allerdings nutzte er seine erste Chance souverän zum 2:2 (31.), während Reus nicht den konsequentesten Tag seiner Karriere erwischt hatte. Erst während des deutschen Powerplays nach der Pause durfte er den Ball häufiger berühren - und da gelang ihm eine zauberhafte Flanke. Die konnte Mario Gomez aber nicht nutzen (58.). Note: 3

Mesut Özil: Auch der zweite Spieler, der morgen wieder ins Flugzeug nach Spanien steigt, wirkte bei allem technischen Können zunächst noch etwas deplatziert. Er schien sich zu wundern, dass auch ein Gegner auf dem Feld stand - anders sind ein versuchter Beinschuss (17.) und ein aussichtsloses Dribbling (35.) kaum zu erklären. Zudem kamen ungewöhnlich viele Pässe nicht an. Immerhin legte er mit einem Querpass Gündogans Tor zum 1:2 auf (18.). Erst nach dem Wechsel forderte er bei jedem Angriff den Ball und hatte die meisten Ballkontakte aller deutschen Spieler. Dabei blieb er ein Regisseur ohne Fortune. Note: 4

Marco Reus (bis 62.): Bis zu seiner Auswechslung einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz, weil er sehr, sehr viele Torchancen vergab. Seine beste ließ er in der 23. Minute liegen, als er nach einem Pass von Mats Hummels freistehend an Torwart Justo Villar scheiterte. Note: 3,5

Miroslav Klose (bis 54.): Irgendwann wird er Gerd Müller einholen. Er wird sein 68. Länderspieltor schießen - und auch das 69. dürfte folgen. Er hätte den DFB-Rekord auch schon in seiner Heimat aufstellen können, doch er vergab beste Chancen. In der 9. Minute schob er den Ball in die Arme von Torwart Justo Villar, zwei Minuten später lupfte er den Ball über das Tor - und in der 38. Minute gräschte er ihn am Tor vorbei. Note: 5

Lars Bender (ab 27.): Schon früh ersetzte er den angeschlagenen Ilkay Gündogan. Er riss das Spiel nicht ganz so vehement an sich wie sein Vorgänger, erzielte aber ebenfalls ein schönes Tor (3:3/75.). Note: 2,5

Jerome Boateng (ab 46.): Er kam in der zweiten Halbzeit für Mertesacker und profitierte davon, dass die Gäste ihre offensiven Bemühungen einstellten. Deshalb betrat der Innenverteidiger den eigenen Strafraum nur in Ausnahmefällen. Als er in der 72. Minute einen Fernschuss wagte, gab's Applaus im Fritz-Walter-Stadion. Keine Fehler, keine Glanztaten. Note: 3

Mario Gomez (ab 54.): Als er für Publikumsliebling Miroslav Klose eingewechselt wurde, gab's Pfiffe am Betzenberg. Nur vier Minuten später hätten die Fans fast gejubelt. Doch Paraguays Torwart Roberto Fernandez konnte seinen Kopfball mit einer Glanztat parieren. Note: 4

Lukas Podolski (ab 62.): Kam für Reus. Ohne Note

André Schürrle (ab 81.): Kam für Müller. Ohne Note

Marcell Jansen (ab 81.): Kam für Schmelzer. Ohne Note