Holpriger EM-Start für die U 21

Prag..  Gewiss ist es eine Herausforderung für die vielen längst in den besten Ligen der Welt etablierten Fußballer aus Deutschlands U-21-Nationalmannschaft, sich nach einer langen Saison wieder in die Sphären des Nachwuchsfußballs zu begeben. Mit Matthias Ginter stand ja sogar ein Weltmeister auf dem Platz beim 1:1 (1:1) gegen Serbien zum Auftakt der Europameisterschaft in Tschechien, Marc-An­dré Ter Stegen hat gerade die Champions League gewonnen, Emre Can spielt im Kluballtag vor dem legendären Publikum an der Liverpooler Anfield Road.

Nun mussten sie statt vor 50 000 Zuschauern in einem erschreckend leeren Stadion in Prag antreten, wo jedes Kommando vom Rasen bis in die hinteren Reihen zu verstehen war. Gerade einmal 5490 Zuschauer wollten diesen ersten Auftritt des Turnierfavoriten aus dem Weltmeisterland sehen, und zu dieser Trostlosigkeit auf den Rängen passte auch das Spiel.

Schwache erste Halbzeit

Es war ein äußerst zäher Turnierbeginn für die deutschen Junioren. Erst als die Mannschaft nach einer berechtigten gelb-roten Karte für Christian Günter wegen einer völlig unnötigen Schwalbe 20 Minuten lang in Unterzahl spielte, wirkte sie wenigstens kämpferisch. Aber wie ein Kandidat auf den Titel wirkte die deutsche Mannschaft nicht.

Und so gingen die Serben um den Dortmunder Mittelfeldspieler Milos Jojic früh in Führung. Weil seinem BVB-Kollegen Matthias Ginter ein Fehlpass im Spielaufbau unterlaufen war und sich Robin Knoche danach von Filip Duričić tunneln ließ. Der Angreifer, der in der vergangenen Saison ein halbes Jahr für Mainz 05 gespielt hatte und dann zu Benfica Lissabon ging, traf zum 1:0 (8.).

Das war ein Schock, der das deutsche Team dann wenigstens für eine kurze Phase aufrüttelte. Den besten Angriff der ersten Halbzeit veredelte Can mit einen schönen Treffer zum 1:1 (17.). Der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool, der bei diesem Turnier die Rolle eines Anführers spielen soll, legte sich den Ball mit der Hacke zurecht und zirkelte ihn dann flach in die Torecke. „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt“, analysierte Can ehrlich.

Vor allem in Hälfte eins fehlten Schwung und Bissigkeit, die Bewegungen passten nicht, im Spielaufbau passierten seltsame Fehler, vor dem Tor der Serben passierte fast gar nichts. Und kurz vor der Pause hatte die DFB-Elf viel Glück, dass sie nicht erneut in Rückstand geriet. Marc-André Ter Stegen lenkte einen Fernschuss von Goran Čaušić aus 28 Metern mit den Fingerspitzen an die die Unterkante der Latte, von wo der Ball kurz vor der Torlinie aufsprang (43.). Ob die deutsche Mannschaft einen erneuten Rückstand hätte aufholen können, darf bezweifelt werden. „Wir sind schwer in die Gänge gekommen“, sagte Trainer Horst Hrubesch. „Ich hatte davor gewarnt.“

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