Hermann lebt

Fast hätte der Hamburger Sportverein es geschafft. Die Paläontologie, die Wissenschaft von den Lebewesen der Urzeit, hätte neu geschrieben werden müssen.

Der HSV stand kurz davor, seinen Maskottchen-Dinosaurier Hermann nach 22 Jahren aussterben zu lassen. Das ist nichts - vergleicht man es mit dem Aussterben all der anderen Dinos, quasi Hermanns Verwandte: Die brauchten immerhin fünf Millionen Jahre inklusive Meteoriteneinschlag.

Hermanns Tod dagegen schien nach einem einzigen Interview besiegelt. Oder wie sonst ist die Aussage „zudem überlegen wir, das Profil des Dinos in seiner Maskottchenrolle zu schärfen“ auszulegen? Wenn etwas „geschärft“ werden soll, dann ist es stumpf. Stumpfes ist wertlos. Weg damit!

Genauso in Frage gestellt war jene Uhr, die anzeigt, wie lange der HSV schon in der Bundesliga kickt. Im Gegensatz zu vielen anderen Vorgängen im Verein ist sie immer in Bewegung - doch hieß es in gleichem Interview: „Die Uhr muss nicht zwingend dort weiter hängen...“

Da hat der Klub zum zweiten Mal in Folge mit mehr Dusel als Verstand die Klasse gehalten – und bringt sich selber in Not. In Erklärungsnot. Man wolle nach vorne schauen und sich nicht an Vergangenem ergötzen, erläuterte Vorstandschef Beiersdorfer. Der Dino aber werde definitiv bleiben.

Wir sind froh. Wenn das das größte Problem in Hamburg ist, dann muss es laufen im Norden.

Und auch die Paläontologen atmen auf. Die Wissenschaft hat Bestand. Hermann lebt.

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