Hamburgs Handballer kämpfen um Geld und Image

Der Hamburger Henrik Toft Hansen (links) im Zweikampf gegen Alexander Petersson von den Rhein Neckar Löwen.
Der Hamburger Henrik Toft Hansen (links) im Zweikampf gegen Alexander Petersson von den Rhein Neckar Löwen.
Foto: imago
Lizenzentzug und Gang vors Schiedsgericht: Der HSV Hamburg hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Mäzen Andreas Rudolph gibt wieder den Ton an

Hamburg.. Eine Demütigung. Nichts anderes war die Zehn-Tore-Niederlage des HSV Handball, stolzer Champions League-Sieger 2013, am Tag vor Heiligabend beim THW Kiel. Und dennoch war Christian Fitzek bester Laune. „Das war alles vernünftig hier“, sagte der HSV-Geschäftsführer und lobte die fairen Fans. Kein Vergleich zur feindseligen Atmosphäre woanders, so Fitzek, etwa in Flensburg. „Dort mussten unsere Fans von der Polizei in die Halle begleitet werden.“ Dort regiere der „pure Hass“.

Einige Monate zuvor hatte sich der HSV-Geschäftsführer in Göppingen über ein provokatives Plakat echauffiert, das den HSV-Mäzen Andreas Rudolph verunglimpfte („St. Paulis Huren mit mehr Ehre als Rudolphs Legionäre“). Kiel stellte also eine Ausnahme dar. Wenn Beschimpfungen ausbleiben, empfinden die Hamburger Handballer sogar eine zweistellige Pleite als Wellness-Urlaub.

Andererseits hat der HSV mit den Schlagzeilen, die er 2014 schrieb, im deutschen Handball nicht um Sympathien geworben. Als der Klub im Juni vor das Schiedsgericht zog, nachdem die Liga ihm in zweiter Instanz die Lizenz verweigert hatte, wurde das scharf kritisiert. Sogar Fitzek räumte ein, dass der HSV die Lizenz eigentlich nicht hätte bekommen dürfen. Als der HSV vor dem Sportgericht tatsächlich siegte und damit die Lizenzbestimmungen schrottreif machte, musste die Liga auf 19 Klubs aufgestockt werden. Seither versucht der Klub verzweifelt, sich aus dem Sog der negativen Nachrichten zu befreien.

Der Versuch, ein anderes Image aufzubauen, platzte

Fitzek und Präsident Karl Gladeck haben im Sommer noch betont, den HSV möglichst zügig aus der finanziellen Abhängigkeit des Gönners Rudolph zu führen. Und auch der Medizintechnikunternehmer, der seit 2005 über 25 Millionen Euro in den Klub investiert haben soll, hatte im Mai ja seinen totalen Rückzug erklärt. Tatsächlich ließ sich Rudolph im Herbst kaum blicken.

Präsent war allein Rudolphs Bruder Matthias, der als Hauptgesellschafter der Spielbetriebsgesellschaft fungiert. Doch der Versuch, das Image eines normalen Klubs aufzubauen, platzte dann wie eine Seifenblase: Bei der Heimniederlage Mitte Dezember gegen den Tabellenletzten TBV Lemgo.

Mannschaftskabine gestürmt

Da stürmte Rudolph nämlich in der Halbzeitpause wutentbrannt in die Mannschaftskabine, stellte sich vor den Trainer Christian Gaudin und forderte brüllend mehr Einsatzzeit für Pascal Hens, den Weltmeister von 2007. Da offenbarten sich die wahren Machtverhältnisse beim HSV Handball. Gaudin wurde gefeuert.

Seit Weihnachten ist also geklärt, dass sich auch künftig alles um die ewige Frage drehen wird: Sprudelt die Geldquelle Rudolph weiter? Dass großkalibrige Sponsoren beim HSV einsteigen, scheint angesichts der eigenwilligen One-Man-Show des Mäzens unvorstellbar. Am 8. Januar stellen sich Fitzek und Rudolph den Fragen der Fans. Zu besprechen gibt es einiges beim HSV Handball.

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