Brand und Gummersbach - Seite an Seite für den VfL

Heiner Brand (r.) bei der Saisoneröffnung von Borussia Dortmund mit BVB-Trainer Thomas Tuchel.
Heiner Brand (r.) bei der Saisoneröffnung von Borussia Dortmund mit BVB-Trainer Thomas Tuchel.
Foto: imago
Nach dem Ende seiner Tätigkeit für den DHB engagiert sich Heiner Brand für den Handball-Bundesligisten Gummersbach. Eine Herzensangelegenheit.

Gummersbach.. Sein äußerst markanter Schnauzbart bebte nicht vor Freude, seine Stimme brummte gemütlich wie eh und je. Und trotzdem stellte diese Wahl etwas Besonderes dar, etwas selbst für Heiner Brand sehr Emotionales. „Ich habe in unserer Familie schon als kleiner Junge alle Diskussionen um den VfL mitbekommen“, sagte er. Mittlerweile ist Brand 62 Jahre alt, Deutschlands Handball-Legende und - neues Mitglied im Beirat des Bundesligisten VfL Gummersbach. Bei seinem Heimatverein, seiner Herzensangelegenheit.

17 Titel gewann der gebürtige Gummersbacher als Spieler mit dem VfL und führte den Klub als Trainer zu zwei weiteren deutschen Meisterschaften. Seit 56 Jahren ist der ehemalige Bundestrainer Mitglied der Blau-Weißen aus dem Oberbergischen - deshalb schließt sich für ihn mit der Wahl in den siebenköpfigen Beirat, das Leitungs- und Beratungsgremium des Altmeisters, nun ein Kreis.

„Ich sehe meine Tätigkeit in einer beratenden Funktion“, erklärt Brand, „wobei meine Schwerpunkte im sportlichen Bereich liegen werden.“ Mit dem Ende seines Vertrags als DHB-Manager zum 30. Juni schloss sich für den einzigen Deutschen, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde, das insgesamt 18-jährige Kapitel Deutscher Handballbund. Eines, das nicht immer frei von Streitigkeiten war. Denn als Bundestrainer forderte Brand stets wortgewaltig mehr Einsatzzeiten für deutsche Talente in der Handball-Bundesliga und eckte damit bei so manchem Manager an.

Umso erfreulicher verfolgte der bekannteste Schnauzbart der Nation die Entwicklung beim VfL Gummersbach. Einst gespickt mit mehr oder weniger bekannten Akteuren vorzugsweise aus Osteuropa und mit dem Image eines Pleite-Klubs behaftet, legten die Oberbergischen unter Manager Frank Flatten eine Kehrtwende hin. „Der VfL setzt seit zwei Jahren verstärkt auf junge deutsche Talente“, sagte Heiner Brand und lobte: „Das ist genau die Entwicklung, die ich schon seit fast 30 Jahren fordere - aber leider oft vergeblich.“

Die Wiedergeburt eines seriös wirtschaftenden und erfolgreichen VfL Gummersbach, mit dem sich die Region identifizieren kann, ist (fast) vollendet. Brand will nun seinen Teil dazu beitragen.

Auf die ihm übliche Art und Weise, zu der auch klare Worte der Kritik gehören. „Meines Erachtens war hier in der Vergangenheit die Förderung zu breit aufgestellt, wir müssen die Talente mehr individuell fördern“, sagte er über die VfL-Akademie, von der er sich mehr Effektivität wünscht. Dass ein mittlerweile zum Nationalspieler gereiftes Talent wie Paul Drux zu den Füchsen Berlin ziehen gelassen wurde, ärgert Brand immer noch: „Solche Fehler dürfen sich künftig nicht mehr wiederholen.“

Kein Aufpasser für Flatten

Neben wirtschaftlicher Kompetenz weist der VfL-Beirat nun auch eine sportliche auf. Den Vorsitzenden Götz Timmerbeil freut dies: „Heiner ist das Gesicht des deutschen Handballs. Seine sportliche Kompetenz und seine Vernetzung im deutschen und internationalen Handball wird uns auf unserem Weg sehr helfen.“

VfL-Manager Frank Flatten empfindet Brand übrigens keinesfalls als eine Art Aufpasser. „Ich finde es hervorragend, dass Heiner bei uns mitarbeitet“, sagte er. „Ich habe schon in der Vergangenheit immer wieder das Gespräch mit ihm gesucht.“ Wie es sich gehört in einer „Familie“.

EURE FAVORITEN