Größter Fußball-Festtag an der Saar

Wilfried Burr fasste es in einem Artikel der Saarbrücker Zeitung treffend zusammen: „Am Sonntag, den 28. März 1954, wurde die saarländische Landeshauptstadt aus ihrer Beschaulichkeit gerissen.“

Damals erlebte das kleine Saarland ein sportliches Highlight im Saarbrücker Ludwigsparkstadion, das so auch niemals wiederkehrte.

Auf dem Titelblatt des damaligen Stadionheftes stand es schwarz auf weiß: „Größter Fußball-Festtag an der Saar“. An dem Tag, an dem Bundestrainer Sepp Herberger seinen 57. Geburtstag feierte, trat die deutsche Nationalelf im WM-Qualifikationsspiel gegen das Saarland an. In dieser Zeit war das französisch besetzte Saarland eigenständiges Mitglied des Weltfußballverbandes Fifa. Schon bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki durften die Saarländer mit einer eigenen Fußballmannschaft teilnehmen.

Schön trainierte die Saar-Elf

In Saarbrücken herrschte am 28. März 1954 Ausnahmezustand. Am Hauptbahnhof lief ein Sonderzug nach dem nächsten ein; 53.000 Zuschauer sahen das alles entscheidende Qualifikationsspiel. Das Saarland hätte durchaus die Deutschen aus dem Rennen werfen können. Die von Helmut Schön trainierte Saar-Elf trat bereits zum zweiten Mal gegen Deutschland an. Zuvor hatten sie in der Qualifikationsrunde gegen Norwegen 3:2 in Oslo gewonnen und Deutschland gegen die Norweger dort nur 1:1 Unentschieden gespielt.

Nach einem 3:0 im Oktober 1953 in Stuttgart siegte die deutsche Nationalmannschaft auch im Rückspiel mit 3:1 gegen die Saarländer. Das Tor für das Saarland erzielte Herbert Martin mit einem Elfmeter. Für die Saarländer ein bis heute unvergessener Moment. Nach Aussage des Ungarn-Trainers Guztav Szebes sei das Saarland übrigens „die klar bessere Mannschaft" gewesen.

Kein Spaziergang

Der damalige saarländische Torschützenkönig – auch Mitglied der gegen Deutschland auflaufenden Mannschaft – erinnerte sich unlängst an eine Umfrage während den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki. „In Helsinki wurde damals ein Passant gefragt, ob er wisse, wo das Saarland ist. Der Passant wusste es nicht. Er wusste aber, dass es eine gute Fußball-Mannschaft hat“, so Binkert. „Sepp Herberger hatte uns eingehämmert, dass das Saarland-Spiel kein Spaziergang wird“, sagte der Kaiserslauterer Ottmar Walter. Dementsprechend hatte sich die deutsche Nationalelf angestrengt. Ein äußerst wichtiger Schritt in Richtung WM-Wunder.

Schon zwei Jahre später waren Saarländer für die Mannschaft des neuen Weltmeisters spielberechtigt. 1956 wurde der Saarländische Fußballbund nach der Wiederaufnahme in den Deutschen Fußballbund zum Landesverband Saarländischer Fußballverband.

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