Gladbacher Groundhopper

Sie wechselten die Spielstätten häufiger als die Fußballschuhe und auch Fusionspartner wurden ebenso regelmäßig begrüßt wie die Gegner auf dem Spielfeld. Trotzdem hat sich Borussia Mönchengladbach zu einem der größten Vereine Deutschlands entwickelt. Heute vor 108 Jahren wurde der Klub gegründet.

Er ist tierisch gut drauf. Mit einem breiten Lächeln begrüßt er die Fans auf den Tribünen und kontrolliert, ob sich die Fußball-Profis auch ordentlich warm machen. Maskottchen Jünter ist ein Wahrzeichen von Borussia Mönchengladbach. Und ein fester Bestandteil des Borussia Parks. Jener Spielstätte, die 54.067 Zuschauern Platz bietet und eines der modernsten Stadien der Bundesliga ist. Dabei sah es in den Anfangsjahren des Vereins so aus, als würde die die Suche nach einer geeigneten Spielstätte niemals enden.

Eine lose Spielgemeinschaft

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich der Fußballsport auch im Rheinland etabliert, nachdem er sich in England schon seit einigen Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreute. Die breite Bevölkerung rümpfte zwar die Nase über den neuen Sport, doch wurde der Ball an vielen Orten fleißig im Tor versenkt. Auch im Eickener Turnverein Germania. Allerdings nicht ohne Konflikte. Nach einem Streit verließen ein Dutzend junger Mitglieder im November 1899 den Verein und gründeten einen eigenen: Den FC Borussia. Eine lose Spielgemeinschaft ohne Vorstand und Satzung. Wenig später verschmolzen die Borussen mit der Spielabteilung der ebenfalls im Stadtteil Eicken beheimateten Marianischen Jünglings-Kongregation M. Gladbach. Ein Zusammenschluss, der wohl durchdacht war. Die Kongregation war eine Einrichtung der katholischen Kirche auf der Eickener Straße, die 500 junge Männer unter ihrem Dach versammelte und zu deren Freizeitangeboten auch eine Fußballmannschaft gehörte. Das Entscheidende dabei: Diese Fußballmannschaft spielte im Alsbroich auf einem eigenen Platz. Und so wurde es am 1. August 1900 offiziell: Der Fußballklub Borussia 1900 M.-Gladbach war geboren.

Jahre der Wanderung

Doch wirklich sesshaft sollten die Gladbacher viele Jahre nicht werden. 1903 traten die Borussen wieder aus der Kongregation aus. Streitigkeiten wegen der hohen Mitgliederzahl sollen der Grund gewesen sein. Die Suche nach einer Spielstätte begann von Neuem, die Borussen fristeten wieder ein Nomadendasein. Sie traten auf dem Sportplatz an der Quirinstraße gegen den Ball, auf der Wimmerschen Wiese und auf dem städtischen Spielplatz am Volksgarten. Besonders geachtet werden musste dabei auf Torpfosten und Latte, die nach den Spielen wieder abgebaut und mitgenommen wurden. Denn noch immer rümpften viele Menschen die Nase über die kickende Jugend und hätten ihren Ärger und Frust liebend gerne am Torgestell ausgelassen.

Feste Heimat und der erste Meistertitel

Schließlich mietete der Verein ein Stück Land an der Reyerhütterstraße. Doch nur wenige Monate später musste dies wegen eines Fabrikneubaus wieder aufgegeben werden. Zurück ging es in den Volksgarten und 1907 schließlich, dank eines Abkommens mit dem Gladbacher Turnverein, in den Bereich der Bökelstraße – also dahin, wo bald einige hundert Meter weiter das Bökelbergstadion stehen sollte. Zwei Jahre später wechselten die Borussen noch einmal den Platz und wurden am nahe gelegenen Rosengarten heimisch. Ein Umstand, der die sportlichen Leistungen beflügelte. 1912 holten die Borussen die Meisterschaft in der A-Klasse des Westdeutschen Spielverbandes. Der Aufstieg in die Verbandsliga, der damals höchsten Spielklasse, war unter Dach und Fach.

Keine Zukunft ohne eigenen Platz

Doch trotz des rasanten Mitgliederzuwachses, trotz des Zuschauerzuspruchs: Um eine Zukunft zu haben, benötigte die Borussia eine eigene Platzanlage. Ewig auf gemieteten Plätzen und denen befreundeter Klubs zu spielen, konnte keine dauerhafte Lösung sein. Eine ausgeschachtete Kiesgrube wurde schließlich erworben, nur wenige hundert Meter vom Rosengarten entfernt. Durch die Ausgabe von Anteilscheinen konnte das Gelände gekauft und die Arbeiten an der neuen Platzanlage, der „Kull“, begonnen werden. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde der Platz 1919 fertig gestellt und auf den Namen „Westdeutsches Stadion“ getauft. Es war ein lehmiger Platz, die Zuschauerränge waren schlammig und die Sitzreihen klapprig. Dennoch galt die Anlage als schönstes Naturstadion weit und breit. Noch schöner: Borussia wurde hier 1920 erstmals Westdeutscher Meister. Kurz darauf endete nach nur zwei Jahren die Vereinigung mit dem Turnverein Germania. Borussia erhielt nun den Namen, den der Klub noch heute trägt: Borussia Verein für Leibesübungen 1900.

Die goldenen 70er

Unter dem Namen "Bökelbergstadion" sollte das Stadion nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt werden und bis zum Ende der Bundesliga-Saison 2003/2004 die Heimat des Vereins bleiben. Hier feierten die Gladbacher 1970 die Deutsche Meisterschaft. Die Glanzzeit der Borussia begann - die goldenen 70er. Spielerlegenden wie Jupp Heynckes, Berti Vogts oder Günter Netzer verhalfen der "Fohlenelf" - wie die junge Mannschaft inzwischen landläufig genannt wurde - zur erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte. Die Borussia wurde zur "Macht am Niederrhein", die Kombination aus Förderung junger Talente und mitreißendem Offensivfußball sorgt im In- und Ausland für eine nie geahnte Popularität. Fünfmal wurden die Borussen in den 70ern Meister, wurden DFB- und UEFA-Pokalsieger.

Mit der Sprengung des zu klein gewordenen Bökelbergstadions endete 2006 eine Ära. Heute residiert die Borussia im 2004 eröffneten Borussia-Park. Das Nomadenleben der Anfangstage wird sich nicht wiederholen.

 
 

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