WM-Organisatoren verteidigen Ticketpreise

Hendrik Baumann
Beim Spiel Japan gegen Neuseeland blieben viele Plätze im Bochumer Stadion leer.
Beim Spiel Japan gegen Neuseeland blieben viele Plätze im Bochumer Stadion leer.
Foto: Ingo Otto/WAZFotoPool
In Berlin war bei den DFB-Frauen noch ausverkauftes Haus, in Bochum blieben dagegen viele Plätze leer. Sind die Tickets für Spiele der WM-Vorrunde zu teuer? Die Organisatoren widersprechen: Über den Besuch im Stadion entscheidet nicht nur der Preis.

Bochum. Das Auftaktspiel der deutschen Fußballfrauen gegen Kanada war kaum abgepfiffen, da geriet Alexandra Popp schon ins Schwärmen: „Es war unglaublich, vor so einer Kulisse spielen zu dürfen,“ gab die Duisburger Nationalspielerin stellvertretend für ihre Teamkolleginnen zu Protokoll. Knapp 74.000 Zuschauer – so viele wie noch nie bei einem Länderspiel der deutschen Fußballfrauen

– hatten im ausverkauften Berliner Olympiastadion für eine außergewöhnliche Atmosphäre gesorgt. Die Prominenz auf den Rängen, von DFB-Präsident Theo Zwanziger bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, wertete das Ereignis als Startschuss für ein großartiges Turnier.

Bochum, am Tag danach. Im WM-Stadion an der Castroper Straße trifft Geheimfavorit Japan auf Neuseeland. Die Begegnung ist recht ansehnlich, es gibt tolle Spielzüge und sogar drei Tore zu beklatschen. Trotzdem steht den Bochumern bei hochsommerlichen Temperaturen der Sinn offenbar nicht nach Frauenfußball, beim Blick durchs Stadionrund fällt die große Anzahl unbesetzter Plätze auf. Offiziell verfolgen rund 12.500 Zuschauer das Geschehen auf dem Rasen, was einer Auslastung von etwa 60 Prozent entspricht.

Schwierige Abwägung

Für eine Mannschaft wie Neuseeland mag dies eine stattliche Kulisse bedeuten, für eine Weltmeisterschaft ist es hingegen eher ernüchternd. Bleiben die Zuschauer fern, stellt sich automatisch die Preisfrage: Sind die Eintrittskarten für die Vorrundenspiele der WM 2011 mit Kategorien zwischen 30 und 50 Euro für Erwachsene womöglich zu hoch angesetzt?

Nein, sagt Jens Grittner, Pressechef des WM-Organisationskomitees. Man habe bei der Preisgestaltung eine schwierige Abwägung vornehmen müssen: „Einerseits wollten wir die Spiele so bezahlbar wie möglich halten, andererseits mussten wir auf Wirtschaftlichkeit achten.“ Von dem 51 Millionen Euro umfassenden WM-Etat werden 24 Millionen Euro aus Sponsoringeinnahmen bestritten, die restlichen 27 Millionen Euro müssen durch den Ticketverkauf aufgebracht werden. Hierauf beruht, bei einer anvisierten Stadionauslastung von durchschnittlich 80 Prozent, die Kalkulation des WM-OK. Zwar würde der DFB für einen etwaigen Fehlbetrag in die Bresche springen, „doch dieses Geld würde dann an anderer Stelle an der Basis fehlen“, sagt Grittner.

"Dumpingpreise falsches Signal"

Natürlich hätte man die Tickets auch günstiger anbieten können, räumt Grittner ein. „Aber wir wollten eben auch ein Zeichen setzen, dass es sich hier um eine Weltmeisterschaft handelt. Der Frauenfußball ist dieses Geld wert, Tickets zu Dumpingpreisen wären ein falsches Signal auch an die Mannschaften gewesen.“ Seiner Meinung nach sei der Stadionbesuch weniger eine Frage des Geldbeutels. Vielmehr gehe es um das Gefühl, eine WM im eigenen Land live im Stadion mitzuerleben. „Für einen Besuch in der Oper oder im Theater zahlt man mitunter genauso viel, aber dort kann man jede Woche hingehen“, argumentiert Grittner.

Auch der Chef des Bochumer WM-Organisationskomitees bezweifelt, dass niedrigere Preise allein mehr Menschen ins Stadion locken würden. „Ich würde mir zwar günstigere Tickets wünschen“, sagt Thorsten Lumma, „aber eine mindestens genauso große Rolle spielen die Anstoßzeiten.“ Mit der Ansetzung an einem Schultag um 15 Uhr hätte etwa das Spiel Japan gegen Neuseeland zu einem für Familien ungünstigen Zeitpunkt stattgefunden. Für die auf dem Papier nur mäßig attraktive Begegnung Australien gegen Äquatorial-Guinea, die am kommenden Sonntag um 14 Uhr angepfiffen wird, „verzeichnen wir dagegen eine deutlich steigende Nachfrage.“

Ziel von 80 Prozent erreicht

Lumma räumt ein, dass Bochum im Vergleich zu anderen Austragungsorten einen eher schwierigen Stand habe. Zum einen sei das Ruhrgebiet zwar „fußballverrückt aber auch fußballverwöhnt.“ In anderen Regionen ohne derart viele Erst- und Zweitligaklubs sei die Frauen-WM ein echter Höhepunkt. Zum anderen „hätten wir uns natürlich attraktivere Teams, wie zum Beispiel Brasilien oder die USA gewünscht.“ Angesichts der Umstände ist Kreativität gefragt: Vor dem Spiel Japan gegen Neuseeland hatten Lumma und Kollegen im Ruhrkongress ein Sport- und Gesundheitsforum für Bochumer Schulen organisiert. Der Besuch war jedoch an den Kauf eines Tickets geknüpft. Auf diese Weise konnten noch einmal knapp 2000 Karten abgesetzt werden. Weitere vergleichbare Aktionen seien allerdings „zur Zeit nicht geplant“, sagt Lumma.

Die Organisatoren lassen immer wieder durchklingen, dass sie mit dem Ticketabsatz zufrieden sind. Laut Grittner seien inzwischen 720.000 der 900.000 verfügbaren Karten verkauft, womit die Zielmarke von 80 Prozent erreicht wäre. „Mehr wäre natürlich schön“, sagt Grittner, „aber wir werden deshalb nicht anfangen, Tickets zu verschleudern.“