„Wir sind eine coole Generation“

Pia Sundhage hat die US-Girls in die Erfolgspur gebracht. Die amerikanische Trainerin und ihre Mannschaft haben verinnerlicht, dass es nur mit Siegeswillen, Leidenschaft und Teamgeist für ganz oben reicht.

Mönchengladbach. Pia Sundhage hat nach dem Spiel gegen Frankreich keinen Spiegel mitgebracht. Das war ein bisschen schade, denn die Trainerin der US-Frauenfußball-Nationalelf hätte ihre Freude daran gehabt, sich nach dem Einzug ins Finale zu beobachten. Sie saß auf einem Stuhl, neben ihr redete ihre Spielerin Abby Wambach über Siegeswillen, Leidenschaft und Teamgeist, und Pia Sundhage strahlte dabei über das ganze Gesicht und nickte, nickte und nickte.

Man neigt dazu, immer etwas abzuziehen, wenn Amerikanerinnen voller Pathos höhere Werte beschwören. Natürlich geht es bei dieser WM um den Titel, um den letzten Schritt, den Finalsieg am Sonntag gegen Japan. Aber dabei bleibt es selten, schnell kommen Eltern, Familie, Gott und Vaterland ins Spiel: „Wir sind nicht alleine“, sagte die überragende Abby Wambach sehr ernst, „die ganze Nation feuert uns an.“

Das klingt ungewohnt für deutsche Ohren, aber es ist im Kern nicht so verkehrt. Die USA waren vor über einem Jahrzehnt führend im Frauenfußball, dann gab es einen Einbruch, und die Nation verlor das Interesse. Bis zu dieser WM. Die Einschaltquoten im Fernsehen sind hoch, die großen Zeitungen des Landes haben eigene Korrespondenten geschickt. Was sie berichten, tut dem Frauenfußball in den USA gut. „Wir sind eine neue coole Generation, wir wollen uns hier einen Namen machen“, sagt Wambach. Es sieht so aus, als seien sie auf dem richtigen Weg.

Megan Rapinoe ist ein Beispiel. Sie hat kurz vor der WM ihren Stammplatz verloren. Nun verbreitet sie gute Laune und wenn, meist nach einer Stunde, auf den Platz kommt, gewinnt das Spiel deutlich an Fahrt. „Sie sitzt nicht sauer auf der Bank, sondern sie denkt das Spiel mit“, hat Pia Sundhage gesagt und zur Bekräftigung genickt. Man kommt tatsächlich nicht umhin, bei dieser Geschichte an Birgit Prinz oder Lira Bajramaj zu denken.

Trotzdem wird am Ende alles darauf ankommen, wie das Finale ausgeht. Es wird so etwas wie der Kampf fußballerischer Kulturen. Japan mit seinem technisch hoch entwickelten Kombinationsfußball . Die USA mit ihrer schieren Dynamik, dem scheinbar unerschütterlichen Selbstbewusstsein und einer speziellen Waffe: Flanke auf Wambach, Kopfball, Tor. „Ich habe diese Fähigkeit, die Flugbahn des Balles zu erahnen, meine Kolleginnen habe diese Fähigkeit, mich zu finden“, hat Wambach nach ihrem Tor gegen Frankreich erzählt. Pia Sundhage hat gelächelt und genickt.

 
 

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